Kindling – Destroy Yourself



Hush
erscheint am 10. November auf 6131 Records.

Neutrals – Promotional Cassette 2

Auf ihrem zweiten Tape lässt es die Band aus Oakland überwiegend etwas gemächlicher angehen als auf dem Vorgänger. Ihrem verschrobenen Mix aus Post- und Garagepunk fügen sie jetzt eine gute Schippe Powerpop hinzu, der klingt als wäre er in den frühen 80ern aus dem bodenlosen New Wave-Fass gekrochen.


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Puritans – Autonomy 7″

Die von mir heiß erwartete zweite EP der Postpunker aus Vancouver ist, um ehrlich zu sein, eine milde Enttäuschung. Auch hier ist das große Potenzial der Band kaum zu überhören, aber das zu Grunde liegende Songmaterial reicht diesmal leider nur vereinzelt an die Klasse der Debüt-EP ran. Nichts desto Trotz ist dabei noch eine durchaus hörenswerte Platte herausgekommen.


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ViewMaster – Alternative Classics

Wow Bob, wow. Auf einmal lag ganz unscheinbar der Link zu diesem von vorne bis hinten geilen Tape zwischen den Emails von “Band die glaubt nach einer viel besseren Band zu klingen” und “Band die versucht dem Indie-Trend der Stunde zu entsprechen”. Es sind Einreichungen wie diese, für die es sich dennoch lohnt, sich der Masse an völlig fehlgeleiteten Promoanfragen auszusetzen.

ViewMaster kommen aus Vancouver und alle Bandmitglieder spielen oder spielten bereits in diversen lokalen Kapellen, von denen mir bisher keine einzige bekannt war. Vor gut anderthalb Jahren erst gegründet, kann das Trio schon einen gänzlich ausgereiften Sound und tadelloses Songmaterial vorweisen (wer selbst nachvollziehen will, wie krass und rapide sich ihre Musik entwickelt hat, kann ja mal in ihr altes Demo reinhören…). Darin trifft vorzüglich drückender Sonic Youth-Noise auf eine Verschmelzung von früh-90er Indie-/Alternative Rock und Shoegaze, wie man sie einstmals von Swervedriver oder frühen Catherine Wheel zu hören bekam. Hinzu kommen noch deutliche Postpunk-Einflüsse und das alles stützt sich auf ausnahmslos starke, fast schon kriminell griffige Songs. In der Gegenwart kann man außerdem eine entfernte Verwandtschaft zu Bands wie etwa Die! Die! Die!, Piles, Fist City oder Never Young feststellen.


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Washer – All Aboard

Die New Yorker Band macht ja schon seit einigen Jahren von sich reden. Zuerst durch zwei starke Split EPs, dann mit einem Album, dass offenbar auch so einige Bewunderer gefunden hat. Mich hat’s aber nicht so richtig vom Hocker gerissen, das ganze machte auf mich einen insgesamt doch recht unausgegorenen Eindruck. Ihr zweiter Langspieler – wie gewohnt auf Exploding in Sound erschienen – macht mir wieder deutlich mehr Spaß. Ihre Songs und Arrangements kommen hier deutlich fokussierter und aufgeräumter rüber, haben sich aber alles bewahrt was ursprünglich den Charme dieser Band ausmachte. Nach wie vor weckt ihre Spielart zeitlosen Indierocks Assoziationen zu den Klassikern von Archers Of Loaf, Sebadoh oder Superchunk; aber eigentlich noch mehr zu aktuelleren Bands wie Hermetic, Grass Is Green und Pile.



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Dirty & His Fists – Dirty & His Fists 7″

Nach dem sehr guten Demo liefert die Band aus Los Angeles jetzt eine ebenso ausgezeichnete 7″ nach. Straighter Garagepunk mit ganz schönem Vorwärtsschub und vereinzelt subtilen Anklängen an die Dead Boys, an dem es einfach überhaupt nichts zu meckern gibt.

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Dark/Light – Kill Some Time

Neues aus dem Hause Dirt Cult Records. Der Punkrock auf dem Debütalbum von Dark/Light aus Portland weiß mir mit seinem offensichtlich Wipers-beeinflussten Sound sofort zu gefallen; in Cold Weather Music kommt außerdem noch ein gewisser Gun Club-Vibe auf. Darüber hinaus sollten auch Freunde von Bands wie Hysterese, Daylight Robbery oder Nervosas unbedingt mal ein Ohr riskieren.



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Humiliation – Laughing Wall 7″

Eine derbe aber keineswegs stumpfe Lärmattacke liefern Humiliation aus Phoenix auf ihrem zweiten Kurzspieler ab. Das bewegt sich irgendwo im Umfeld von Hard-/Postcore und Noise, erinnert mich dabei ein wenig an den dreckigen, druckvollen Postcore von Bad Breeding oder an aktuelle Bollerbands á la Sesso Violento, Dauðyflin oder Impulso.

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Gen Pop – On The Screen 7″

Bei dieser Band aus Olympia, Washington sind Mitglieder von Vexx und Rik And The Pigs am Werk. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen. Die Debüt-EP glänzt mit einem recht vielseitigen Sound, der immer auf der Schwelle von Garage- und Post Punk balanciert. Hin und wieder fühle ich mich dabei an Uranium Club, Useless Eaters oder Parquet Courts erinnert.

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Truth Club – Interest Meeting

Starkes Teil, die Debüt EP von Truth Club aus Raleigh, North Carolina. Indierock der alten Schule mit einem kleinen Spritzer Postcore, der seine Wurzeln klar in den 90ern und frühen 00ern hat. Etwa so als träfen die verschwurbelten Strukturen von Faraquet oder Medications auf die melodischen Slackerhymnen von Archers Of Loaf, Pavement oder frühen Modest Mouse. Aktuell könnte man es auch als eine geringfügig freundlicher klingende, weniger Noise-lastige Version von Pile beschreiben.

Erst Hype Machine. Jetzt The Quietus. Morgen 12XU?

Nee, keine Angst. So schnell geht eure least trusted voice in music nicht unter. Aber um mich herum sehe ich die halbwegs relevanten Blogs und Magazine in beunruhigend hoher Frequenz wegpurzeln. Vorbei sind die Zeiten, in denen es ein fließendes Spektrum gab. Von kleinen, werbefreien Liebhaberblogs wie diesem hier, in die eine gewisse Menge Geld reingesteckt wird ohne dass das Projekt jemals einen Pfennig abwirft. (Nein, ich beschwere mich nicht. Das hab ich selbst so gewählt.) Über mittelgroße Publikationen, die zumindest ihre Kosten decken und evtl einen Nebenverdienst darstellen – bis hin zu den großen (weniger als) 1%, die mindestens eine Person ernähren, manchmal auch mehrere in Voll- oder Teilzeit angestellte Autoren bezahlen können.

Alle drei Gattungen sehe ich derzeit als gefährdet an. Vor allem fällt mir auf, dass die Luft bei den mittelgroßen Projekten echt dünn wird.

Das Problem dahinter ist so alt wie das Web. Wir sind es schon lange nicht mehr gewohnt, für gute Dinge im Web Geld zu bezahlen. Man kann es sich ja nicht mal aussuchen. Ob Facebook, Google, Youtube oder Soundcloud (Bandcamp ist da mal eine lobenswerte Ausnahme…): Alle diese Projekte konnten ihre Marktdominanz nur erreichen, weil sie unentgeltlich (keineswegs kostenlos) zu benutzen sind. Einen bezahlten Dienst anzubieten ist gar keine Option. Man wird immer gegen den Konkurrenten verlieren, der sich durch Werbung oder durch Sammlung und Verkauf von Nutzerdaten finanziert.

Von Anfang an waren also alle größeren Web-Projekte auf die Finanzierung durch Werbung angewiesen. Ich könnte endlos darüber kotzen, aber das ist die traurige Wahrheit. Und zumindest für ein paar wenige Player hat das Modell funktioniert. Der Haken ist nämlich: von einem kleinen Goldrausch um die erste Dotcom-Blase abgesehen, wirft Werbung gar nicht so viel Profit ab. Man musste als Blog oder Zine auch früher schon eine wuchtige Masse an Lesern erreichen, um davon ernsthaft Gehälter zahlen zu können. Pitchfork kann das. Die digitalen Überbleibsel der alten Musikpresse auch – mit einem brutal geschrumpften Gesamtbudget. Hype Machine und The Quietus dürften da ein ziemlicher Grenzfall sein, aber auch die konnten sich lange Zeit über Wasser halten.

Und jetzt hat’s geknallt. Der digitale Anzeigenmarkt konzentriert sich mehr als je zuvor auf die beiden Web-Giganten Facebook und Google. Die beiden Unternehmen haben einfach die effektivsten Tricks und Methoden, ihre User zum Klick auf eine Anzeige zu manipulieren. Deshalb können sie auch noch vergleichsweise stolze Geldbeträge für ihre Dienstleistungen verlangen. Der Rest des Marktes ist praktisch weggebrochen. Bis zu 90% der Werbeeinnahmen sind vielen mittelgroßen Publikationen verloren gegangen. Und die großen? Vermutlich sind die auch betroffen. Der Verkauf von Pitchfork an Conde Nast ist in diesem Licht vielleicht verständlicher. Die Verantwortlichen haben womöglich schon geahnt, dass ihre Bude langfristig untergeht. Also besser den Krempel verkaufen, so lange er noch etwas wert ist. Für das Mittelfeld stellt sich jetzt die Frage: Auf volle Kanne Ausverkauf setzen? Den Laden dicht machen? Oder die Operation auf ein wirtschaftliches Minimum herunterfahren und auf Finanzierung durch Spenden hoffen? Das perverse an der Situation: Gerade Facebook hat seinen Erfolg überwiegend auf dem Content (argh! Jetzt hab ich das Wort gesagt…) von Fremdpublikationen gebaut.

Für einige etablierte Läden ist die Marschrichtung eindeutig. Pitchfork und Impose z.B kann man Inhaltlich kaum wieder erkennen. Von einer eigenwilligen, gerne auch mal bewusst kontroversen Publikation für Fans eines halbwegs weit gefassten, aber dennoch klar definierten Genrespektrums, hat sich vor allem Pitchfork innerhalb weniger Jahre zu einer hyperaktiven Schleuder von Promi-Gossip und Clickbait-Headlines gewandelt. Statt sich der Erschließung von Musikszenen außerhalb eines “sicheren” und vorhersehbaren Corporate Indie-Sumpfes zu widmen, wird die Aufmerksamkeit auf einschlägig bekannte Gesichter gerichtet, die eigentlich schon genug davon bekommen. Zieht halt mehr Leute.

Am anderen Ende der Skala hat die Advertising-Apokalypse zuletzt zwei Bastionen der unabhängigen Musikberichterstattung erwischt. Hype Machine hat dabei noch die Kurve gekriegt. Der wichtige Blog-Aggregator kann auf den finanziellen Support von derzeit ca. 3500 Unterstützern bauen. Damit sind die Kosten und Gehälter gedeckt. Jetzt hängt The Quietus in den Seilen. Wenn keine ausreichenden Spenden zusammen kommen, muss das Magazin mit dem grausigen Layout und hochwertigem Inhalt noch dieses Jahr dicht machen. Das ist besonders traurig. Denn auch wenn die musikalische Ausrichtung nicht immer meinen Nerv trifft, ist The Quietus doch eine der wenigen größeren Publikationen, die sich bislang nicht dem wirtschaftlichen Druck gebeugt und ihre Inhalte auf Massenwirkung optimiert haben. Und ich halte es immer noch für unglaublich wertvoll, dass gute Autoren sich ganz der Dokumentation und Analyse des aktuellen Musikgeschehens widmen, dass sie außerdem vernünftig davon leben können. Weil sie das einfach besser können als ich. 12XU ist schon cool, aber ich bin kein Musikjournalist. In meinen Augen schreibe ich deshalb auch keine “Artikel” oder “Reviews”. Ich kann und will nur auf ein paar gute Bands aufmerksam machen. Blogs wie dieses können keinen professionellen Journalismus ersetzen.

Also werft in der Zwischenzeit ruhig mal etwas Kleingeld in Richtung der Magazine, die ihr lest. Langfristig müssen wir überlegen, ob das nicht besser die Normalität werden sollte. Dass Szenen und Communities ihre Medien wieder selbst finanzieren. Damit sie unabhängig bleiben. Außerdem ist Werbung eh scheiße und eigentlich gar nicht mit dem Geist der Musik vereinbar, für die unser Herz schlägt…

Proto Idiot – What Is My Purpose?

Leisure Opportunity erscheint am 3. November auf Slovenly Recordings.