Auch mit Langspieler Nummer Drei von Yeesh aus Chicago kann man nichts falsch machen. Die auf dem Vorgänger noch deutlicher erkennbaren, melodischen (und ich muss hier betonen: vollkommen tolerablen) Emo-Versatzstücke machen einem weitaus grimmigeren Vibe platz; die Songs und Arrangements sind stärker durchdacht und ausgereift als je zuvor. Wie gehabt klingt ihr Postcore deutlich nach dem herkunftsmäßig naheliegenden 90er Touch&Go-Sound, aber fraglos auch mal nach einschlägigen Washingtoner Hausnummern. Ganz besonders sticht hier aber ein gewisser Quicksand-Vibe heraus, wie man ihn heute viel zu selten zu hören bekommt. Obendrein kann auch mal etwas Superchunk-mäßiger Indierock durchscheinen. In der Gegenwart fühlt sich ein Vergleich zu Meat Wave halbwegs richtig an.
Es ist gerade mal ein Jahrzehnt her, da hatte ich Hardcorepunk eigentlich längst abgeschrieben und wollte mit nix mehr mit irgendwas zu schaffen haben, was da jenseits der frühen Jahre passiert ist. Deshalb finde ich es so bemerkenswert, was für eine derbe Rehabilitation gewisse Teile des Genrekomplexes zumindest in meinem Empfinden geleistet haben. Vielleicht liegt es aber auch nur an mir und ich wusste einfach nicht besser, wo vor den 2010ern der weniger miefige Wind wehte. Nun ja, jedenfalls brodelt das Zeug ja schon ein paar Jahre äußerst Positiv vor sich hin, aber 2019 kann ich wohl endgültig im Kalender markieren als das Jahr, in dem Hardcore wieder richtig Spaß macht. Erzählt aber gewissen Teilen der Szene nichts davon. Sonst kommen die... ihr wisst schon, diese schlecht ausgelasteten Türsteher/Polizisten/Spaßbremsen und wollen wieder ihre unentspannten Ausdruckstänze, Rhythmische Sportgymnastik und Balzrituale Inszenieren. Dann brauchen wir als nächstes eine neue Emowelle, um die wieder los zu werden. Bevor das passiert, würde ich gerne noch etwas Spaß an der Musik haben. Obwohl das Emodings natürlich auch mal ein überfälliger Kandidat wäre, den Gestank der letzten zweieinhalb Jahrzehnte abzuschütteln. Oh, und es ging hier eigentlich ja um eine EP von Blazar. Die ist ziemlich gut, tut sie euch rein. Hat in der aktuellen Landschaft etwas von Bootlicker und Hate Preachers.