Sex Scheme – Sex Scheme 7″

Sex Scheme - Sex Scheme 7"
Eigent­lich ver­meide ich es ja gerne hier Sachen zu pos­ten, die kei­nen „rich­ti­gen“ – also nicht an den Kauf eines phy­si­schen Ton­trä­gers gekop­pel­ten – digi­tal-Release haben, aber das hier ist ein­fach zu geil. Ultra-kru­der Gara­gen­post­punk aus New York, der ein wenig den Geist alter Bir­th­day Party-Plat­ten atmet und sich auch sonst wenig um eta­blierte Hör­ge­wohn­hei­ten schert.
Als Bonus gibt’s beim Kauf eine von zwei aus­wähl­ba­ren EPs in Form einer CD-R dazu. Das mil­dert den Schmerz etwas, ange­sichts der War­te­zeit auf das Paket aus USA und der hor­ren­den Ver­sand­kos­ten.

Wei­ter­le­sen & Album-Stream

Finished – Their Is No God

Finished - Their Is No God
Pffffftgrmmmmm­pfffh… was zum… Fuck, was für’n groß­ar­ti­ges Cover! Seit über 50 Jah­ren wird im Rock’n’Roll von gewis­sen Bands und Tei­len des Publi­kums voll­ends iro­nie­frei eine so ätzende und kli­schee­hafte, wie auch gera­dezu absurde Hyper­mas­ku­lini­tät abge­fei­ert, und erst jetzt traut sich jemand, die­ser Spa­cken­kul­tur mal ange­mes­sen den Spie­gel vor­zu­hal­ten und sie halb­wegs rea­li­täts­ge­treu durch den Kakao zu zie­hen. Wenn’s dann eini­gen über­sen­si­blen Zeit­ge­nos­sen, geprägt von chro­ni­scher Angst vor dem eige­nen Geni­tal, ästhe­tisch gegen den Strich geht: umso bes­ser. Der Titel mag dann gleich noch zum gepfleg­ten Schwanz­ver­gleich zu pro­vo­zie­ren: Nee, dei­ner ist kein Gott, hier guck mal. Meine Eier sind die dicke­ren.
Die Musik ist in gewis­ser Weise pas­send dazu. Denn ganz unsub­til und hem­mungs­los wer­den hier die Bret­ter geschrubbt, die felle Mas­siert und die Sai­ten geschrap­pelt. Wun­der­schö­ner Noi­sero­ck/-punk, der’s Freun­den von Bands wie Soup­cans oder Vul­ture Shit ganz vor­züg­lich besor­gen wird.

Wei­ter­wich­sen & Album-Stream →

Scupper – Scupper!

Scupper - Scupper!
Der warme Power­pop die­ser New Yor­ker Band bewegt sich auf sehr ver­trau­tem Gelände. Kleine Sei­fen­bla­sen von Gui­ded by Voices, Pave­ment oder Repla­ce­ments stei­gen vom ers­ten Ton an im Geiste des Hörers auf. Das gewinnt zwar kei­nen Nobel­preis, macht aber gro­ßen Spaß. Denn mal ehr­lich, in vie­len Momen­ten ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Pop­song plus etwas Lärm doch alles, was einem zum glück­lich sein fehlt, oder?

Wei­ter­le­sen & Album-Stream →

Paul Jacobs – I Need a Place to Keep My Stuff

Paul Jacobs - I Need a Place to Keep My Stuff

Bun­des­amt für Rock und Roll
Abtei­lung Finan­zen
Im Pre­ka­riat 23
66677 Unter­grund

Es tut uns Leid ihnen mit­tei­len zu müs­sen dass Gara­gen­duos für uns nicht wei­ter trag­bar sind. Wir alle müs­sen bis auf wei­te­res den Gür­tel etwas enger schnal­len. Nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung der ange­spann­ten Finanz­lage von Sei­ten der Buch­hal­tung kamen wir zu dem Ent­schluss, dass zwei Musi­ker einer zu viel sind und eine Per­son mehr als aus­reicht, eine ver­gleich­bare Kra­wall­leis­tung zu erbrin­gen. Mit Sicher­heit haben sie dafür Ver­ständ­nis und zei­gen sich ebenso bereit einen Groß­teil ihres Drum­kits zu ver­äu­ßern, das Zeug brau­chen sie jetzt ja eh nicht mehr. Der Sze­ne­be­triebs­rat hat die­ser Ent­schei­dung bereits zuge­stimmt.

Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Rai­ner Sach­zwang


Wei­ter­le­sen & Album-Stream

Silver Screams – Creep Joint Scratch

Silver Screams - Creep Joint Scratch
Schön ein­gän­gig vor sich hin­riff­en­der Punk­rock aus Bos­ton, der auf der musi­ka­li­schen Land­karte irgendwo in der Nähe von Radio Bird­man oder Wipers plat­ziert und gele­gent­lich auch noch Platz hat für leicht Fugazi-eske Figu­ren und an Hüs­ker Dü erin­nernde Har­mo­nien. Drückt bei mir genau die rich­ti­gen Knöpfe.

Wei­ter­le­sen & Album-Stream →

Contrast – Less Than Zero EP

Contrast - Less Than Zero EP
Schön old­schoo­li­ges Shoegaze-Zeugs aus Mel­bourne. Der kon­stante Mikro-Hype um das alt­her­ge­brachte Genre scheint ja lang­sam nach­zu­las­sen; ent­spre­chend ver­flüch­ti­gen sich meine Über­sät­ti­gungs­er­schei­nun­gen und ich hab zuneh­mend auch wie­der Bock mir sowas rein zu tun. Und diese EP ist ein aus­ge­zeich­ne­ter, wenn auch eher kon­ser­va­ti­ver Gen­re­bei­trag, der mich mal wie­der daran erin­nert, warum ich der­ar­tige Musik so mag. Hatte ich schon fast ver­ges­sen.

Wei­ter­le­sen & Album-Stream →

Watery Love – Decorative Feeding

Watery Love - Decorative Feeding
Grob­mo­to­ri­scher, zeit­weise mono­ton vor sich hin schred­dern­der Gara­gen- und Noi­se­punk aus Phil­adel­phia, wie er kru­der kaum geht. Trotz­dem uner­war­tet mit­rei­ßend und ein­gän­gig, wenn man sowas ab kann. Könnte Freun­den von so unter­schied­li­chen Bands wie Soup­cans, Dest­ruc­tion Unit, Strange Attrac­tor oder Ex-Cult gut gefal­len.

Wei­ter­le­sen & Album-Stream (Spo­tify)

Jesuslesfilles – Le grain d’or

Jesuslesfilles - Le grain d'or
Sau­mä­ßig Ran­dale machen Jesus­les­fil­les aus Mont­real mit ihrem super­ein­gän­gi­gen Gara­gen-Post-Punk, auf­ge­lo­ckert durch gele­gent­li­che Spu­ren von Surf­rock. Ist mir eigent­lich scheiß­egal wor­über die sin­gen (ich ver­stehe viel­leicht fünf Worte Fran­zö­sisch). Wenn jemand der­art gekonnt den Putz von der Decke haut bin ich sofort ange­nehm betäubt, dank der uni­ver­sel­len Spra­che des Rock’n’Roll.


Wei­ter­le­sen & Album-Stream →

Tape/​Off – Chipper

Tape/Off - ChipperDass lang­jäh­rige Musik­blog­ger ihre eige­nen Labels star­ten ist ja kein neues Phä­no­men und gehört inzwi­schen wohl eher schon zum guten Ton. Aber wenige schei­nen das so ernst zu mei­nen wie Onkel Masala (nicht sein ech­ter Name) von der aus­tra­li­schen Blog­in­sti­tu­tion (naja, in einer gerech­te­ren Welt…) Sonic Masala. Kata­lo­gnum­mer 3 ist erwar­tungs­ge­mäß wie­der ein wun­der­vol­les Album, viel­leicht die schönste Ver­öf­fent­li­chung bis­her.
Tape/​Off aus Bris­bane spie­len diese Art von in den 90ern geer­de­tem Indie­rock, der spür­bar Her­zens­sa­che ist und sich deut­lich von der gegen­wer­ti­gen Schwemme an ach-so-coo­len Bands abhebt, denen es reicht sich in eine medi­en­wirk­same aber ober­fläch­li­che Sla­cker-Pose zu wer­fen. Sie spie­len ganz offen­sicht­lich nicht ein­fach ihre Ein­flüsse nach, son­dern haben sie sich ein­ver­leibt, zu eigen gemacht und gelernt sich in die­ser Spra­che aus­zu­drü­cken. Es ist ja ganz offen­sicht­lich nicht so schwer, einer Lieb­lings­band von damals ähn­lich zu klin­gen. Dabei aber einen eige­nen Aus­druck zu fin­den, etwas neues und sehr per­sön­li­ches damit zu kom­mu­ni­zie­ren, bleibt weni­gen Musi­kern vor­be­hal­ten. Diese Platte aber schafft es, zu mir mit einer eige­nen Stimme zu reden.
Das Album ist lose inspi­riert von ihrer Hei­mat­stadt, und tat­säch­lich klingt es wie eine die­ser Plat­ten, die nur an einem bestimm­ten Ort ent­ste­hen kön­nen und ein gutes Stück der dor­ti­gen Atmo­sphäre und dem Geist ihrer Bewoh­ner zu trans­por­tie­ren weiß. Behaup­tet zumin­dest eine alte Couch­kar­tof­fel wie ich, die nicht beson­ders viel in der Welt rum­ge­kom­men ist.
Musi­ka­lisch sind da die bekann­ten Ein­flüsse im Spiel. Archers of Loaf, Pave­ment und Sebadoh sind da mal wie­der zu nen­nen und – so müde ich auch bin, das zu jeder zwei­ten Band zu sagen – Sonic Youth haben natür­lich ihre Fin­ger im Spiel. In ihren lär­men­de­ren Momen­ten (davon gibt es hier mehr als genug) könnte man Solids als etwas aktu­el­lere Refe­renz anfüh­ren.


Wei­ter­le­sen & Album-Stream →

Nowhere – Cancer

Nowhere - Cancer
Wie vor­ges­tern im Fall Hys­te­rese haben wir es hier schon wie­der mit einer deut­schen in Deutsch­land ansäs­si­gen Band (die drei Neu­see­län­der haben’s sich der­zeit in Ber­lin gemüt­lich gemacht) zu tun, die dem alten lang­sam inkon­ti­nent wer­den­den Arsch­loch namens Punk­rock nicht nur dank her­vor­ra­gen­der Song­wri­ting-Qua­li­tä­ten noch­mal etwas Leben ein­zu­hau­chen ver­mag, son­dern dem gan­zen auch noch ihren ganz eige­nen per­sön­li­chen Stem­pel auf­zu­drü­cken weiß. Das erin­nert mich mehr als ein­mal an die groß­ar­ti­gen Lea­ther­face in ihren der­be­ren Momen­ten, aber auch eine aus­ge­prägte blue­sig-coun­try­fi­zierte Kante ist vor­han­den, die sie nicht unbe­dingt musi­ka­lisch, aber doch im Geiste etwas näher an The Gun Club rückt.


Wei­ter­le­sen & Album-Stream