Rancher – Choke

Das Elektropunk-/noise-Duo aus River Falls, Wisconsin legt hier eine weitere leckere EP vor, auf der sie erneut ganz schön danach klingen als schwenkten Big Black komplett auf elektrische Klangerzeugung um und machten dann gemeinsame Sache mit den Primitive Calculators, bewaffnet mit Krawallwerkzeugen aus dem Baumarkt anstelle von Gitarren.

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I Am The Fly – I Am The Fly 7″

Nun, eigentlich rate ich ja mit gutem Grund davon ab, mich mit physischen Tonträgern zu bemustern, weil das in gefühlten 99% der Fälle einfach einer reinen Verschwendung von Geld und natürlichen Ressourcen gleichkommt. Digitale Files lassen sich einfacher entsorgen. Aber wie dem auch sei, was da von einem Duo aus der mehr oder weniger direkten Nachbarschaft auf schwarzem PVC hereingeflattert kam hat dann doch mal ein unerwartetes Maß an Charme und Klasse - ordentlich vorwärts getriebener Synthpunk, wie man ihn in jüngerer Zeit vielleicht mit Bands wie Le Prince Harry, Clarko, Powerplant oder R. Clown assoziieren möchte, inklusive englischer Lyrics aus der Klaus Meine-Grabbelkiste, was letztendlich nur noch weiter zum putzigen DIY-Charakter der drei Songs beiträgt.

Verspannungskassette #6

Seite A

Tracklist:

USA Nails - New Life
Glen Schenau - Jhumble
Salem Trials - Head On Rong
Flat Worms - Terms of Visualization
The Cowboy - El Poño
Shepparton Airplane - What It's Worth
Tom Lyngcoln - Trust Fun
Metz - Acid
Heads. - Push You out to Sea
Macros - Salmon Shorts
Uk Gold - Off Duty Nuns
Brain Bagz - Hot Creepers
Needs - Feeding the Mesolimbic Dopamine Reward Circuit
Help - 2053

Seite B

Tracklist:

Aus - Am Puls der Zeit
Health Plan - Food Grief
DeStructos - The Sight
Knowso - Fucker Such As You
Liiek - One Two
Lithics - Beat Fall
Nag - Polarize
Clock Of Time - Rotten Master
Permanent Collection - West Coast Fever
Protomartyr - Michigan Hammers
Scottibrains - Aristorats
Keith Ival - Little Boy
Gum Country - Somewhere

Cells – They Drew First Blood

Eine neue EP von Maestro Voltaire's zweitbekanntesten Projekt Cells. Muss ich dazu überhaupt noch was sagen? Sieben neue Häppchen hirn- und fuzzgefickter Hardcorepunk-Glückseligkeit.

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Clock Of Time – Pestilent Planet

Mal wieder eine weitere Berliner Band, deren Mitglieder zuvor bereits in anderen Ecken des 12XUniversums Wellen geschlagen haben, und zwar in Bands wie Diät, Ausmuteants und Vexx, wobei Diät aber der naheliegendste Vergleich davon ist - vielleicht mit einem etwas ausgeprägteren 80er Death Rock vibe. Außerdem gibt's Ähnlichkeiten etwa zu einer verlangsamten Inkarnation der Pretty Hurts, zu Criminal Code oder den österreichischen Kollegen Red Gaze zu berichten.

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Help – 2053

Ihre Debüt-EP vor einem Jahr war ja schon ein ausgezeichnetes Stück zeitgenössischer Krawall, aber was die Band aus (vermutlich) Portland für den neuen Langspieler auf die Beine stellt ist da noch mal eine ganz unerwartete Wucht aus Noise Rock und Postcore des höchsten Kalibers. Was den allgemeinen Sound angeht, stehen sie definitiv mit beiden Füßen in der Gegenwart und erinnern mich an Genossen wie Tunic, Death Panels, John (timestwo), USA Nails oder Girls In Synthesis. Auch wenn diese Platte nicht wirklich neue Pfade erschließt, wird dafür aber wirklich alles zu Gold, was Help hier anfassen - dabei hilft sicher auch die Tatsache, dass für jeden Song eine smarte und tragfähige Komposition als Fundament dient. Ein perfekter Strudel aus antriebsstarken Rhythmen, ultrafiesen Bassgrooves, unheilvollen Kracheruptionen und - wie man es schon auf der EP bestaunen durfte - einem mit Bedacht dosierten und deshalb besonders effektiven Sinn für Melodie, welcher das ganze Drama noch mal locker aufs nächste Level zu heben vermag.

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Keith Ival – Keith Ival

Eine EP voller solide gebauter, ultraklassischer oldschool Indierock-Schönheit, die einerseits einen Zeitsprung in die späten 80er/frühen 90er darstellt - ich denke da etwa an Sebadoh, frühe Eric's Trip und ein paar Echos der C86-Generation - gleichermaßen aber auch an deutlich jüngere Bands á la Rat Columns, The Molds, Omi Palone oder Ovlov erinnert.

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Jetzt hab ich auch von Twitter endgültig die Schnauze voll. Warum benutzen wir diesen Scheiß noch?

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, alle Twitter-Accounts zu löschen. Die Firma Twitter.inc muss endlich die Konsequenzen ihres Handelns spüren. Damit das passiert, müssen wir alle - und alle die wir kennen - verdammt noch mal aufhören, durch unsere Präsenz zum Erfolg der Plattform beizutragen. Das gleiche gilt natürlich für Facebook.
Es gibt schon seit längerer Zeit bessere, unkommerzielle, dezentrale Plattformen. Wir müssen sie nur mal benutzen.

Ein paar viel zu späte Worte über den RRRHund

Die letzten paar Monate waren für mich nicht nur wegen der offensichtlichen Pandemie-bedingten Umstände ein persönlicher Durchhänger. Nach dem Umzug, den damit verbundenen Anstrengungen und Strapazen war bei mir einfach mal so richtig die Luft raus, die psychische Verfassung angeschlagener als sonst und mein Antriebs- und Energielevel ging so richtung null. Das habt ihr zwischenzeitlich vielleicht an der niedrigen Frequenz neuer Posts hier bemerkt - ich versuche gerade, langsam auch Blogmäßig wieder in den Fluss zu kommen.

Da checke ich also mal über einen längeren Zeitraum meine Lieblingsblogs nicht mehr regelmäßig und erfahre deshalb auch erst jetzt mit einigen Wochen Verspätung, dass Torsten Walker - Mannheimer Szene-Urgestein, DJ, Musikblogger und noch so einiges mehr - gestorben ist. Über die vielen Dinge, die er in der lokalen Szene innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte losgetreten hat, wissen andere besser bescheid als ich. Unsere Wege kreutzten sich erst viele Jahre später, als ich gerade ein gewisses Musikblog an den Start gebracht hatte.

Die Zeit ca. 2013-2016 war ein etwas seltsamer Zeitpunkt dafür, war sie doch vor allem geprägt dadurch, dass die einflussreichen Musikblogs der 00er Jahre eins nach dem anderen implodierten und auch die meisten von mir geschätzten Underground-Blogs ihre Sache an den Nagel hängten. Unter den wenigen über den Globus verteilten Mitstreitern, die den düsteren Vorzeichen trotzten, stach aber ganz besonders eine Facebookseite von einem gewissen RRRunzelhund heraus, der sich ebenso wie dieser Scheißblog hier einen feuchten Dreck für aktuelle Trends, für Erfolg & Anerkennung, den Niedergang der klassichen Musikpresse oder den allgemeinen Zeitgeist interressierte. Ein Typ mit zwei Zimmern und einem Flur voller Schallplatten und CDs, der einfach den wenigen, die es interessiert, die Musik nahe bringen möchte, die ihn in diesem Moment gerade begeistert.

Die Facebookseite wuchs bald zu einem ambitionierteren Projekt namens RRRSoundZ und einem gleichnamigen Blog, dessen Potenzial und ursprüngliche Vision leider nie so richtig in die Pötte kamen. Ist auch nicht so wichtig, denn RRRSoundZ war auch schon in jeder Form genial und wichtig, die es letztendlich annahm.

Meine persönlichen Begegnungen mit Torsten - ein paar Konzerte hier und da, zwei Abende des gemeinsamen DJings - waren nicht sehr viele, haben mich aber mehr als nur ein bisschen beeindruckt. Nicht nur war Torsten eine seltene Person, dessen unfassbare Leidenschaft für Musik und Subkultur auch mit einen Spacken wie mir, der sich mit neuen Bekanntschaften sonst eher schwer tut, unmittelbar zu connecten vermochte. Neben der Musik teilten wir auch ein Interesse für den japanischen Film - eine unwahrscheinliche Geistesverwandtschaft unter ansonsten extrem unterschiedlichen Menschen.

Und der Mensch, der hat mich einfach beeindruckt. Jemand, der seit Jahrzehnten tiefer im subkulturellen Geschehen gesteckt hat und dort mehr geprägt hat als ich es jemals könnte, ohne sich irgendetwas darauf einzubilden. Ganz im Gegenteil, Torsten stellte sich als ein verdammt aufgeschlossenes, neugieriges und ausgesprochen warmes gegenüber heraus, immer herzlich und wohlwolled. Mit ihm einen Abend zu verbringen, war immer eine bereichernde, aufbauende, spaßige - aber auch zum Nachdenken anregende Erfahrung. Das Level an Energie, das er beim verfolgen aller seiner Projekte an den Tag legte, ist einfach erstaunlich. Knapp zwei jahrzehnte älter als ich, hätte es mich dennoch nicht verwundert, wenn er mich in zwei weiteren Jahrzehnten noch von links mit dem Rollator überholt.

Das kam jetzt leider nicht so hin. Krebs ist ein verficktes Arschloch und kann die stärksten Leute in die Knie zwingen. Ich möchte mir selbst dafür in den Arsch treten, dass ich schon so lange schon nicht mehr in Mannheim vorbei geschaut habe, auch wenn ich meine Gründe dafür hatte. Ein paar mehr Stunden mit genialen Menschen zu verbringen wiegt das bisschen psychischen Zusammenbruch doch locker wieder auf. Die Welt ist nun um ein Original ärmer und es sieht nicht so aus, als könnte irgendjemand anderes an seine Stelle treten. Für sein Umfeld wie auch für die Subkultur - in Mannheim, hinterm DJ-Pult, im lokalen Radio, in der Kneipe oder auch im Netz.

Ich wollte eigentlich noch ein paar Posts klarmachen heute. Aber jetzt muss ich erst mal ein Bier auf Torsten trinken. Oder fünf. Dazu wird die Musik laufen, denn Stille würde ihm nicht gerecht.

Vintage Crop – Serve To Serve Again

Mit Blick auf die bisherige Diskografie waren meine Erwartungen an den dritten Langspieler der Gruppe aus Melbourne nicht gering... und Überraschung: Es ist in der Tat eine weitere ausgesprochen starke Platte dabei heraus gekommen, die es sich in dieser speziellen Nische an der Schnittstelle von schlauem Garage-, Post- und Art Punk gemütlich macht. Angemessenes Qualitätsfutter für Freunde von Uranium Club, Pinch Points, Reality Group... auch ein bisschen Sauna Youth oder Patti sind hier mit an Bord.

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Silicone Values – I Hate Fascist Rock And Roll /​ Dumb Luck

Zwei echte Leckerbissen aus bodenlos charmantem DIY Punk kommen hier von einer Band aus Leeds, nicht ganz unähnlich zu anderen Television Personalities-beeinflussten Kapellen unserer Zeit wie etwa Neutrals, Suburban Homes, Freak Genes.

Tom Lyngcoln – Raging Head

Saustarkes Ding, das zweite Soloalbum von einem Typen, der einfach weiß was er tut. Tom Lyngcoln hat bisher unter anderem in den Noiserock- und Postcore-Bands Pale Heads und The Nation Blue, sowie in den eher Folk-lastigen Lee Memorial und Harmony gespielt. Dieses Album schaut klar in Richtung der lauteren Bestandteile seiner Diskografie, setzt dem ganzen aber auch noch eine Reihe bislang fremder Elemente zu. Stilistisch deckt das ein respektables Spektrum ab, das unter anderem an Wipers-beeinflusstem, melancholischen Post Punk á la Red Dons oder Nervosas aneckt, an Postcore der tendenziell sehr melodischen Machart, so etwa im Sinne von Meat Wave, Bloody Gears und einem bisschen Hot Snakes... und obendrein gibt es auch noch eine ruhelose Garagenenergie wie man sie vielleicht von Jackson Reid Briggs & The Heaters erwarten würde. Unmengen an überlebensgroßem Drama werden hier in angemessen starke Songsubstanz gemischt, verpackt in eine massiv drückende Performance, der man bereitwillig jede Note abkauft.

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Knowso – Rare Auld Trip / Specialtronics Green Vision

Das Jahr Covid stellt sich jetzt schon als ein recht produktives heraus für die Garage-/Post Punk-Formation Knowso aus Cleveland, welche kürzlich schon wieder ein neues Album und eine EP rausgehauen hat - bereits ihr zweiter und dritter Release in diesem Jahr. Soundmäßig ist das eine nahtlose Fortführung bisheriger Großartigkeiten - minimalistisch abstrakter Post Punk mit gewissen Parallelen zu Nag, Brandy oder Constant Mongrel oder den jüngeren Veröffentlichungen der Useless Eaters. Was sie aber deutlich von allen diesen Bands unterscheidet ist die unglaubliche Effizienz ihrer Songs und Arrangements - als wären ihre Riffs und Beats spezifisch dafür geschaffen worden, sich gut mit Fließbändern zu vertragen, bequem auf Palletten geschichtet und bevorzugt mit dem Gabelstapler verladen zu werden.

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Kobra – Confusione

Hui... auf so einen Sturm, wie ihn Kobra aus Mailand auf ihrem ersten Langspieler lostreten war ich nicht so ganz vorbereitet. Oberflächlich betrachtet haben wir es mal wieder mit einer Variante von oldschooligem, Anarcho-beeinflusstem Harcorepunk und ein paar verkrusteten Tendenzen zu tun - ihr wisst schon, genau das Zeug an dem es in der gegenwärtigen Szene keinen wirklichen Mangel gibt. Aber dann ist diese Platte vor allem durch eine endlose Abfolge von frischen, unkonventionellen Entscheidungen und Stilblüten geprägt, die ein ambitioniertes und spannendes Gesamtkunstwerk aus Zutaten erschaffen, aus denen andere Bands einfach nur ein ganz ordentliches aber unspektakuläres Stück Genre-Hausmannskost gemacht hätten. Die gelungene Produktion tut dann noch ihr übriges dazu, indem sie die perfekte Balance zwischen unnachgiebigem Vorschub und übersteuertem LoFi-Dreck findet. Ein im derzeitigen Hardcoreumfeld ganz schön eigenständiges Juwel von einem Album und ein Hammer, der einfach jeden Nagel auf den Kopf trifft.

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Cool Jerks – England

Mann, ist England gerade eins von so einigen Ländern, in denen ich derzeit nicht wohnen möchte. Nun ja, Cool Jerks leben jedenfalls dort und ihr Lagebericht in Form des ersten Langspielers zeichnet ein angemessen grimmiges Bild, während sie sich klanglich weitgehend ihrer früheren Garagenelemente entledigen zugunsten eines recht simplen, modernen Postcore-Sounds mit Noise-lastigen Obertönen, durchaus vergleichbar mit einer geradlinigeren Variante von Bad Breeding, außerdem mit Ascot Stabber oder Acrylics.

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