Nikkatsu Noir: Rusty Knife

IMDB/​OFDB

Japan, 1958

Regie: Toshio Masuda

Nikkatsu Noir: Rusty KnifeEx-Gangs­ter Tachi­bana betreibt eine Bar in Udaka, einer klei­nen Indus­trie­stadt im Wes­ten Japans. Vor lan­ger Zeit wur­den er und seine Kum­pa­nen Shim­bara und Terada zufäl­lig Zeu­gen eines Mor­des, wäh­rend sie ihren eige­nen Geschäf­ten nach­gin­gen. Als der Mör­der, der Gang­ster­boss Kats­u­mata, von der Poli­zei zuneh­mend bedrängt wird, unter­nimmt Shim­baya einen Erpres­sungs­ver­such und wird dar­auf­hin eben­falls von Kats­u­ma­tas Leu­ten ermor­det. Tachi­bana und Terada müs­sen sich ent­schei­den, ob sie lie­ber still zuse­hen wol­len oder ob sie der Poli­zei bei den Ermitt­lun­gen hel­fen und dabei ihren Kopf ris­kie­ren.

Nach dem viel­ver­spre­chen­den Ein­stieg in die Nik­katsu-Reihe, ist die­ser Film der erste Dämp­fer. Nur etwa ein Jahr nach „I Am Wai­ting“ ent­stan­den, wirkt der Strei­fen aber deut­lich ange­staub­ter und älter. Futsch sind die Arsch­coo­len Noir-Ele­mente und das Adre­na­lin, statt­des­sen haben wir es hier mit einem recht kon­ven­tio­nel­len Kri­mi­nal­film zu tun. (mehr …)

Nikkatsu Noir: I Am Waiting

Nikkatsu Noir: I Am WaitingIMDB/​OFDB

Japan, 1957

Regie: Koreyo­shi Kura­hara

Nik­katsu ist eines der ältes­ten japa­ni­schen Film­stu­dios. Gegrün­det als Zusam­men­schluss ver­schie­de­ner klei­ner Pro­duk­ti­ons­fir­men im Jahre 1912, wuchs sich die Firma schnell zu einem füh­ren­den Unter­neh­men der Bran­che aus. Wäh­rend der zwei­ten Welt­krie­ges zwang die Regie­rung alle Stu­dios zur Fusion, so dass nur noch vier große Stu­dios übrig blie­ben. Die ehe­ma­lige Nik­katsu-Gesell­schaft ging dabei im Daiei-Kon­zern auf.

Nach dem Krieg wurde die Firma noch­mal neu gestar­tet und nach ers­ten Geh­ver­su­chen mit tra­di­tio­nel­len Samu­rai- und His­to­ri­en­fil­men wandte sie sich zuneh­mend einer Jün­ge­ren Ziel­gruppe zu, was dann auch bald den erhoff­ten Erfolg brachte. Die dar­aus resul­tie­ren­den Crime- und Gangs­ter­filme soll­ten dann bis in die frü­hen 70er Jahre das große Aus­hän­ge­schild des Stu­dios blei­ben.

Als dann in den Sieb­zi­gern die erste große Krise in der japa­ni­schen Film­wirt­schaft ein­trat, kon­zen­trierte sich Nik­katsu bald aus­schließ­lich auf die Pro­duk­tion von Soft­porno-Strei­fen, ver­mut­lich weil diese güns­tig zu pro­du­zie­ren waren, immer ein sab­bern­des Stamm­pu­bli­kum fan­den und der Firma so den (neu­er­dings auch nack­ten) Arsch ret­te­ten. Heute spielt Nik­katsu auch wie­der im „nor­ma­len“ Film­ge­schäft Japans mit, wenn auch auf klei­ne­rer Flamme. (mehr …)

Shaw Brothers auf Abwegen Teil 2: Der Koloss von Konga (The Mighty Peking Man)

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Hong­kong, 1977

Regie: Hoh Mung-Wa

OMGWTF!?!

Mir feh­len echt die Worte zu die­sem Mach­werk, also star­ten wir mal gleich mit der Hand­lung durch.

Shaw Brothers auf Abwegen Teil 2: Der Koloss von Konga (The Mighty Peking Man)In der Hong­kong Uni­ver­sity Library tref­fen sich der Unter­neh­mer Lu Tien und der For­scher Chen Cheng-Feng und set­zen es sich in den Kopf, einen rie­si­gen Men­schen­af­fen, der gerade im Indi­schen Dschun­gel von sich reden macht, zu fan­gen und als Attrak­tion (oder For­schungs­ob­jekt?) zu ver­mark­ten. In der nächs­ten Szene sehen wir, wie ein Schau­spie­ler in einem absur­den Affen­kos­tüm mit alber­nen Kung Fu-Moves (oder was auch immer das dar­stel­len soll) ein sehr offen­sicht­lich per Blue­screen ein­ge­füg­tes Dorf ver­wüs­tet. Es folgt ein flot­ter Schnitt zurück nach Hong­kong, und schon kann die Expe­di­tion begin­nen und der Film-gewor­dene Wahn­sinn nimmt sei­nen lauf.

Jetzt gibt der Film erst­mal einen Vor­ge­schmack auf die unglaub­li­chen Gefah­ren, die da noch im Gebälk auf unsere Hel­den war­ten sol­len, und das erste Dorf in dem sie ankom­men wird mal gleich von wil­den Ele­fan­ten (!!!) ange­grif­fen, bevor Chen uns am Lager­feuer seine Schmach über den Ver­lust sei­ner Freun­din erklärt. Am nächs­ten Tag ver­sin­ken zwei Kol­le­gen (äh, fast) im Treib­sand und ein ein­hei­mi­scher Beglei­ter wird bei einen dra­ma­ti­schen Ring­kampf mit einem Tiger schwer ver­letzt. Um schon mal klar zu stel­len, dass er zu den Bösen gehört, erschießt Lu Tien den armen Schlu­cker sofort. Bei einer fol­gen­den Klet­ter­tour gehen noch mal ein paar Kol­le­gen hopps und am Ziel ihrer Reise ent­de­cken sie die Fuß­spu­ren des gesuch­ten Mons­trums. (mehr …)

Shaw Brothers auf Abwegen Teil 1: Hongkong Godfather

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Hong­kong, 1985

Regie: Lung Wei Wang

Shaw Brothers auf Abwegen Teil 1: Hongkong GodfatherSo, als nächs­tes gibt’s mal zwei Shaw-Schin­ken der etwas ande­ren Art. Das jenes tra­di­ti­ons­rei­che Stu­dio aus Hong­kong auch andere Kost zu bie­ten hatte als die berüch­tig­ten Schwert- und Faust­kampf­opern, ist hier­zu­lande wohl lange Zeit total unbe­ach­tet geblie­ben, und ange­sichts des­sen was ich bis­her dar­über erfah­ren habe, ist das viel­leicht auch bes­ser so.  Über­haupt bin ich nie so rich­tig mit den Erzeug­nis­sen die­ser Klit­sche warm gewor­den. Klar, der eine oder andere Klas­si­ker für Mar­tial Arts-Fans ist schon dabei, aber abseits der regel­mä­ßig flie­gen­den Fet­zen konnte mich noch kei­ner die­ser Strei­fen voll­ends über­zeu­gen. Zwi­schen tota­lem Schrott, unter­halt­sa­mem Trash und auch eini­gen durch­aus Sehens­wer­ten Fil­men würde ich davon kei­nen ein­zi­gen auf die ein­same Insel mit­neh­men wol­len. Sieht man von den oft her­vor­ra­gen­den Action­se­quen­zen mal ab, schei­tern diese Filme meis­tens daran, eine wirk­lich packende Geschichte zu erzäh­len. Zu kli­schee­haft sind die Cha­rak­tere, zu ste­reo­ty­pisch ihr Han­deln und zu vor­her­seh­bar die Hand­lung. Die schaus­pie­re­ri­schen Leis­tun­gen sowie die Qua­li­tät der Dia­loge sind mehr als oft auf schlimms­tem Sei­fen­oper-Niveau. Wenn dann aber genug Schwer­ter und Fäuste anspre­chend genug cho­reo­gra­phiert durch die Luft flie­gen um von all die­sen Defi­zi­ten abzu­len­ken, haben wir es mit einem der bes­se­ren Ver­tre­ter des Gen­res zu tun. (mehr …)

Last Life In The Universe (Ruang rak noi nid mahasan)

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Thai­land, 2003

Regie:  Pen-Ek Rat­ana­ruang

Last Life In The Universe (Ruang rak noi nid mahasan)Kenji, Biblio­the­kar der Japan Foun­da­tion in Bang­kok hat genug vom Leben und will sich umbrin­gen. Der Tod, meint er, wäre nur ein kur­zes Nicker­chen, ein sanf­ter Über­gang in ein hof­fent­lich bes­se­res Leben. Doch was auch immer er ver­sucht, jedes mal wird er bei sei­nen Anläu­fen, dem tris­ten Leben zu ent­flie­hen, emp­find­lich gestört. Als er beim Ver­such sich zu erhän­gen unge­be­te­nen Besuch von Yukio, sei­nem Yakuza-Bru­der auf der Flucht vor sei­nem Boss in Japan bekommt, wird die­ser auch sogleich von einem Kol­le­gen kalt gemacht. Dank einer von sei­nem Bru­der heim­lich in der Woh­nung ver­steck­ten Knarre kann Kenji sich ret­ten und hat somit gleich ein Pro­blem mehr: zwei stin­kende Lei­chen in sei­ner Bude. Als er dar­auf­hin ver­sucht sich von einer Brü­cke zu stür­zen, macht er Bekannt­schaft mit den Schwes­tern Noi und Nid, genauer gesagt nur mit einer von bei­den, denn Nid wird sogleich vor sei­nen Augen über­fah­ren. In der Folge kom­men sich Kenji und Nid näher und in ihrem her­un­ter­ge­kom­me­nen alten Haus am Stadt­rand kann Kenji für eine Weile sei­nem hoff­nungs­lo­sen All­tag ent­flie­hen…

Last Life In The Universe (Ruang rak noi nid mahasan)Schon vor län­ge­rer Zeit habe ich von die­sem Film erfah­ren konnte mich bis jetzt aber nie dazu über­win­den ihn mir wirk­lich mal anzu­tun. Vor allem wohl des­halb, weil mich bis­her noch keine Thai-Pro­duk­tion beson­ders zu begeis­tern ver­mochte. Alles was ich bis dato an Fil­men aus die­sem Land vor­ge­setzt bekam beschränkte sich auf inhalts­lose Action­klop­per nach dem Vor­bild alter Hong­kong-Schin­ken (der bekann­teste Film die­ser Art fängt mit „On“ an und hört mit „ak“ auf) oder über­sti­li­sier­tes Kitsch­drama. Die Betei­li­gung von Tad­anobu Asano (rich­tig, ein Japa­ner, bekannt unter ande­rem aus Sur­vive Style 5+,  Ichi The Kil­ler und The Taste Of Tea), wel­cher spä­ter auch im 2007 erschie­ne­nen  Invi­si­ble Waves vom glei­chen Regis­seur die Haupt­rolle über­nahm, weckte dann aber doch mein inter­esse, und das war auch gut so. (mehr …)

Be Sure To Share (Chanto tsutaeru)

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Japan, 2009

Regie: Shion Sono

Be Sure To Share (Chanto tsutaeru)Shiro’s Vater, sei­nes zei­chens Leh­rer und lei­den­schaft­li­cher Fuß­ball­trai­ner lei­det an Krebs und hat nicht mehr lange zu leben. Der gut­her­zige, aber strenge und eher ver­schlos­sene Fami­li­en­va­ter beginnt erst­ma­lig, sich sei­nem inzwi­schen erwach­se­nen Sohn zu öff­nen und träumt davon ein letz­tes mal mit Shiro angeln zu gehen, sobald sein Zustand es zulässt. Als kurze Zeit spä­ter auch bei Shiro Krebs dia­gnos­ti­ziert wird, setzt die­ser alles daran, sei­nem Vater die­sen Wunsch zu erfül­len…

Shion Sono. So ziem­lich jeder Japano­phile Kino­gän­ger kriegt in letz­ter Zeit strah­lende Augen, wenn er die­sen Namen hört. Mit sei­nem letzt­jäh­ri­gen Fes­ti­val­lieb­ling Love Expo­sure machte er mit einem gro­ßen Knall deut­lich, dass wir es hier wohl mit dem hoff­nungs­volls­ten Talent zu tun haben, das Japan gerade  zu bie­ten hat. In dem knapp vier­stün­di­gen Mam­mut­werk ver­wurs­tete er Ver­satz­stü­cke ver­schie­dens­ter Gen­res wie Lie­bes­drama und -komö­die, sku­rille Mar­tial Arts-Ein­la­gen, Fami­li­en­drama und sogar ein paar blu­tige Splat­ter­mo­mente. Er Phi­lo­so­phierte über sexu­elle Per­ver­sion, Katho­li­zis­mus, Schuld­ge­fühle und wahre, unschul­dige Liebe. Erstaun­li­cher­weise kam dabei kein zusam­men­hang­lo­ser Gen­re­bas­tard für inter­es­sierte Kurio­si­tä­ten­samm­ler, son­dern einer der bewe­gends­ten, schlau­es­ten, bild­ge­wal­tigs­ten und kurz­wei­ligs­ten Filme der jün­ge­ren geschichte her­aus. (mehr …)