Musikresteficken #1

Dum­mer­weise muss ich neben die­sem Blog ja noch so was ähn­li­ches wie einen gere­gel­ten All­tag auf die Reihe krie­gen. Außer­dem will ich ja auch ab und zu mal was Spaß haben, ent­spannt ein Bier trin­ken oder einen der tau­send Filme schauen, die noch auf mei­ner Liste ste­hen. Und der Lebens­un­ter­halt will ja auch erst mal ver­dient wer­den. In einem Satz: Meine Zeit ist durch­aus begrenzt. Und weil ich nicht jeden Tag fünf Blog­posts machen kann, fällt da eine Menge hörens­wer­ter Musik unter den Tisch. Des­halb starte ich ein­fach mal diese Rubrik die euren Brow­ser lahm legt und in der ich euch kom­men­tar­los mit einem Hau­fen Musik bewer­fen werde, für die mir bis­her die Zeit zum Pos­ten fehlte. Viel Spaß beim Durch­wüh­len. (mehr …)

Great Western Plain – Elastic Smile

Great Western Plain - Elastic Smile
Eine sehr inter­es­sante und eigen­wil­lige Ver­öf­fent­li­chung haben Great Wes­tern Plain aus Port­land da raus­ge­hauen, die sich mal wie­der jeder Kate­go­ri­sie­rung ver­wei­gert. Zusam­men­fas­send kann man sagen, das sie eine Vor­liebe für aus­la­dende Jams und relaxte, flä­chige Gitar­renar­ran­ge­ments haben. Im Laufe der Platte strei­fen sie dann unter ande­rem mono­to­nen Spa­ce­rock und Post Punk, noi­si­ges Geschred­der, alten Indie­rock frei nach Pave­ment oder Sebadoh, an spät­ach­zi­ger Sonic Youth-Plat­ten erin­nernde Gitar­ren­har­mo­nien und ent­spannt vor soch hin rum­peln­den Gara­gen­rock. Das alles ver­schmilzt hier zu einem homo­ge­nen Gan­zen, das sich kein Fan von psy­che­de­lisch ange­hauch­tem, pun­ki­gem Krach ent­ge­hen las­sen sollte.

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New Alaska – The Memoir Sings

New Alaska - The Memoir Sings
Diese EP der Jungs aus dem eng­li­schen Stour­bridge fühlt sich an wie ein Kurz­trip durch alles was Post­core in sei­ner krea­ti­ven Blü­te­zeit, die m.E. in den frü­hen Nul­ler­jah­ren vor­bei war, so groß­ar­tig gemacht hat. Die Platte erin­nert mich in ver­schie­de­nen Momen­ten immer wie­der an ganz unter­schied­li­che Lieb­lings­bands, die mich in mei­nen Teen­ager- und jun­gen Erwach­se­nen­jah­ren geprägt haben. Da ist der besagte Post­core von Dischord-Bands á la Rites of Spring , Blu­e­tip oder Jaw­box. Oder der trei­bende Gara­gen­core der Hot Snakes, Drive Like Jehu natür­lich auch. Außer­dem noch mit an Bord sind sub­tile Anklänge an dama­lige Noi­se­rock- und Math­core Bands wie The Jesus Liz­ard, Shel­lac oder Cha­vez. Alles in allem eine will­kom­mene Brise fri­scher Luft in einem Genre, das der­zeit zum über­wie­gen­den Teil ein­fach nur müde klingt und so ein­ge­fah­ren und ein­n­falls­los vor sich hin düm­pelt wie schon lange nicht mehr.

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Foul Swoops – sgc002

Foul Swoops -  sgc002
Lecke­res Tape von einer Band aus South Arling­ton, Vir­gi­nia. Prall gefüllt mit infek­tiö­sen Hooks sowie einer gelun­gen eigen­wil­li­gen und uner­war­tet melo­diö­sen her­an­ge­hens­weise an ihren trei­ben­den und gleich­zei­tig doch sehr zurück­ge­lehnt vor sich hin schred­dern­den Garagen-(Post-)Punk.

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Piles – Piles

Piles - Piles
Wow, das ist ja mal ein uner­war­tet kom­pro­miss­los vor­wärts­ge­prü­gel­ter Bro­cken aus melo­disch-noi­si­gem Post-/Punk-/In­die­ge­döns. Was Piles (nicht mit den ges­tern hier gefea­tureten Pile ver­wech­seln) aus Mil­wau­kee hier abfeu­ern ist genau meine Kra­gen­weite. Wer drin­gend auf Nach­schub an schnel­lem melo­di­schem Krach mit gewis­sen Ähn­lich­kei­ten zu Male Bon­ding, Japan­dro­ids, No Age, frü­hen Wav­ves oder Cloud Not­hings sucht, wird hier garan­tiert sei­nen Spaß dran haben. Dazu kom­men noch leichte Gara­gen- Post­punk- und Shoegaze-Ele­mente, Deckel drauf und fer­tig ist die Saue­rei.
Und mein Rat­schlag: Nicht danach goog­len, es sei denn ihr wollt unbe­dingt mit ganz und gar unäs­the­ti­schem Bild­ma­te­rial kon­fron­tiert wer­den. Ich trage keine Ver­ant­wor­tung für even­tu­elle psy­chi­sche Schä­den.

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Pile – Special Snowflakes /​ Mama’s Lipstick 7″

Pile - Special Snowflakes / Mama's Lipstick 7"
Diese 45er Fris­bee­scheibe ist bei wei­tem meine am sehn­lichs­ten erwar­tete Ver­öf­fent­li­chung des noch jun­gen Jah­res. Ihr 2012er Album Drip­ping, auf dem die Bostoner ihren leicht grungi­gen Indie-/Noi­se­rock um aus­ge­prägte Post­core-Ele­mente á la späte Fugazi oder die sträf­lich unbe­ach­te­ten Far­aquet erwei­terte, zeigte eine Band die sich selbst gefun­den hat und dabei noch ambi­tio­nierte und schlaue Song­kon­strukte aus dem Ärmel schüt­telte als wür­den sie sich sowas mor­gens auf’s Brot schmie­ren.
Auf ihrem neu­es­ten Out­put stre­cken sie sich noch deut­lich wei­ter aus und stram­peln sich end­gül­tig frei von jeg­li­chen Ver­glei­chen, sie klin­gen mehr als je zuvor nach sich selbst. Das ganze bewegt sich wie­der­rum zuneh­mend weg vom Post­core hin zu aus­ufern­den, gera­dezu pro­gres­si­ven Song­struk­tu­ren, aber keine Angst, hier gibt es kein selbst­ver­lieb­tes Hip­pie­geg­nie­del zu hören. Son­dern zwei per­fekt aus­for­mu­lierte Kom­po­si­tio­nen, die zusam­men die epischs­ten und doch abso­lut boden­stän­di­gen zehn Minu­ten Indie­rock erge­ben, die man in der aktu­el­len Musik­land­schaft hören wird.
Wenn sie die­ses Niveau bald noch auf einem Lang­spie­ler hal­ten kön­nen, erwarte ich nicht weni­ger als einen hand­fes­ten Klas­si­ker. Bis dahin schrei­ben andere Bands schon mal Kon­zept-EPs über sie.
Klei­ner Hin­weis für alle, die vor den absurd hohen Por­to­ge­büh­ren für die Scheibe zurück­schre­cken: Man kann die bei­den Songs auf der Band­camp-Seite ein­zeln als Down­load erwer­ben, auch wenn’s den Kom­plett­down­load nur im Bundle mit der 7″ gibt.

Flyying Colours – Flyying Colours EP

Flyying Colours - Flyying Colours EP
Fly­y­ing Colours sind ein Quar­tett aus dem Aus­tra­li­schen Mel­bourne und sie spie­len eine leicht psy­che­de­lisch ange­hauchte Vari­ante von Shoega­zer Rock klas­sich bri­ti­scher Prä­gung, die sich ein­gän­gig und melo­disch gibt, aber auch genug Pferde unter der Haube hat – eine lei­der sel­ten gewor­dene Eigen­schaft in der über­sät­tig­ten Shoegaze-/Dream­pop-Land­schaft von heute. Wenn du jetzt denkst: „Scheiße, das letzte was mir fehlte ist noch eine Platte von sol­chen Efekkt­pe­dalm­as­tur­ba­to­ren.“, kann ich das voll­ends ver­ste­hen. Aber du soll­test die­sen Jungs trotz­dem mal ’ne Chance geben, denn sie haben etwas, das den meis­ten art­ver­wand­ten Bands voll­kom­men abgeht: Fünf aus­ge­zeich­nete Songs, die auch in der Dis­ko­gra­fie von Gen­re­klas­si­kern wie Ride oder Swer­ve­d­ri­ver pro­blem­los bestehen könn­ten, sowie eine Musi­ka­li­tät und Sub­stanz in den Arran­ge­ments, die die­sem zuge­ge­ben eher kon­ser­va­ti­ven Sound doch noch­mal einen Hauch von sei­ner alten jugend­li­chen Ener­gie zurück­gibt.
Der „Offi­zi­elle“ digi­tale Release in den ein­schlä­gi­gen Aus­la­ge­stel­len ist zwar noch ein paar Tage hin, im Shop ihres bri­ti­schen Labels gibt’s den Down­load aber jetzt schon zum sehr fai­ren Preis von zwei­ein­halb bri­ti­schen Pfund zu erste­hen (Vinyl ist auch erhält­lich).

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Clouder – Sister Raygun

Clouder - Sister Raygun
Diese New Yor­ker Combo darf ruhig noch etwas mehr Auf­merk­sam­keit bekom­men. Nach einer bei­nahe-Auf­lö­sung und einer lan­gen Pause bringt uns Flee­ting Youth Records jetzt ihr zwei­tes Album, und das ist ein ech­tes Pracht­stück gewor­den. Musi­ka­lisch bewegt sich das zwi­schen an Gui­ded By Voices und Repla­ce­ments erin­nern­den Indierock/​Powerpop, und etwas düs­te­rem Psych-/Re­tro­rock mit einer ange­nehm gara­gi­gen Kante. Getra­gen von 10 über­zeu­gen­den Songs, schö­nen Gitar­renar­ran­ge­ments und der cha­ris­ma­ti­schen Stimme von Sän­ger Eric Gil­strap, der zwi­schen­durch auch mal einen gera­dezu Gothic-arti­gen Vibe ein­zu­brin­gen ver­mag.

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Weak Nerves – Cheapskates /​ Bedroom Rot

Weak Nerves - Cheapskates / Bedroom Rot
Schö­ner Kurz­spie­ler eines Lon­do­ner Trios, des­sen Sound irgendwo im melo­di­schen Punk­rock der Mitt­neun­zi­ger zu ver­or­ten ist und gering­fü­gig an der dama­li­gen Indie­ro­ck/E­mo/­Post­core-Schnitt­stelle kratzt. Auch leichte Grunge-und Shoegaze-Ein­flüsse sind zu ver­or­ten. Eine Platte also, die sich gemüt­lich zwi­schen den Stüh­len plat­ziert, aber trotz­dem ange­nehm ver­traut wirkt. Wie ein ver­schro­be­ner alter Bekann­ter, der sich seit­dem kein biss­chen ver­än­dert hat.

Thank you, One for the People!

Roku Music – Collider

Roku Music - Collider
Der schlaue Onkel Masala (nicht sein wirk­li­cher Name) von mei­nem unan­ge­foch­te­nen, in Aus­tra­lien ansäs­si­gen Lieb­lings­blog Sonic Masala, hat jetzt ein eige­nes Plat­ten­la­bel gestar­tet!
Und was gibt es aus dem Hause Masala jetzt wohl auf die Ohren? Ich hätte bei sei­nem bis­he­ri­gen Pro­fil ja eher auf derbs­ten Gara­gen­krach getippt, in sehr über­ra­schen­der Weise über­rollt einen auf Sonic Masala Records (duh!) Kata­lo­gnr. 1 aber statt­des­sen eine wuch­tige Welle aus Shoegaze. Aber nicht gleich weg­ren­nen, alle Betei­lig­ten wis­sen hier offen­sicht­lich genau was sie tun. Es ist jene Vari­ante des Gen­res, die mehr auf kom­plexe Tex­tu­ren als auf vor­der­grün­dige Song­struk­tu­ren bedacht ist. Unzäh­lige Bands haben sich in letz­ter Zeit an so was ähn­li­chem die Zähne aus­ge­bis­sen und meis­tens kläg­lich ver­sagt. Nicht so Roku Music aus Bris­bane, sie schaf­fen es tat­säch­lich als eine der weni­gen Bands die­sen Sound voll­kom­men aus­zu­for­mu­lie­ren, die Platte besitzt die klang­li­che und emo­tio­nale Tiefe und Viel­schich­tig­keit, von der die vie­len ober­fläch­li­chen Kopis­ten nur zu träu­men wagen. Gekonnt, nicht nur gewollt.
Das ist ein gran­dio­ser Start für die neue Plat­ten­presse aus Down Under, ich freue mich auf bal­di­gen Nach­schub.

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