Still / Form – Still / Form

Ist das etwa der Marriage + Cancer-Frontmann, der da seine Texte ins Mikro grunzt? Ja, stellt sich heraus. Gleicher Typ. Auch die Musik ist davon nicht allzu weit entfernt. Noise Rock mit ein bisschen Math und ultra-klassischen Wurzeln in den 90ern, ziemlich genau in der Mitte zwischen dem Schlaumeiern des Touch & Go- und den etwas stärker Sludge- und Metal-affinen Kids des Amphetamine Reptile-Universums.

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Flat Worms – Antarctica

Nach bereits einem Album und einer Handvoll EPs wissen wir ja schon in etwa, was man von einer neuen Flat Worms-Platte erwarten kann. Das heißt aber nicht, dass sie auf der Stelle treten; vielmehr haben sie mit jeder neuen Veröffentlichung eine bestimmte Facette ihres Sounds genauer erforscht und erweitert. Dieses mal haben sie mit Steve Albini in seiner elektrischen Audiofabrik aufgenommen und passenderweise kommt das Ergebnis nicht nur mit dessen typischer Klangcharakteristik daher, sondern scheint sich auch ein bisschen Inspiration aus seiner langjährigen Geschichte als Produzent Tontechniker gezogen zu haben. Insbesondere ist hier ein klarer Schwenk in Richtung Noise Rock und Postcore wahrnehmbar, der irgendwie auch schon immer ein unterschwelliger Teil ihres Sounds war, aber noch nie so im Zentrum stand wie hier, unter anderem vergleichbar mit gegenwärtigen Bands wie Meat Wave, Metz oder USA Nails. Weitere kleine aber angenehme Überraschungen sind der fast als relaxt zu bezeichnende Titeltrack und die 90er Indie Rock-Vibes in Market Forces.

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Fucking – Superior Firepower

Hat ganz schön gedauert, bis nach ihren genialen ersten zwei 7″s endlich mal neues Material der Punks aus Minneapolis aufgetaucht ist. Ich freue mich aber zu bestätigen, dass der Funke in ihrem ureigenen Mix aus chaotischem Hard-/Garage-/Post-/Weirdcore nach wie vor überspringt und ihre erfrischende Gleichgültigkeit gegenüber den gängigen Genrekonventionen erstrahlt wie eh und je. Also mal wieder fünf Minuten exzellenter Lärm, so wie ich es von dieser Band auch nicht anders erwartet hätte.

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Eugh – The Most Brilliant Man Alive

Wo wir gerade schon beim Thema Kitchen People und Warttman Inc. sind: Hier ist gleich noch mal eine kompakte Ladung Synthpunk-Wahnsinn von einem Soloprojekt aus dem Kitchen People-Umfeld, der eine gewisse Ähnlichkeit zu Warttman-Acts á la Set-Top Box und Research Reactor Corp. aufweist, außerdem ab und an noch ein paar vereinzelte Einsprengsel von Digital Leather oder Trashdog.

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Kitchen People – Planet Perth

Die neuesten Rekruten der australischen Warttman Gang sind Kitchen People aus Perth. Die hatten bereits die eine oder andere Veröffentlichung am Start, von denen aber – um hier mal ganz ehrlich zu sein – keine auch nur annähernd so gut Ärsche trat wie es ihre neueste EP bewerkstelligt – ein angemessen schräger Synth-/Garagepunk-Muteant. Die Jungs passen wie Arsch auf Eimer in die abgefuckte Warttman-Nachbarschaft.

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Taulard – Dans La Plaine

Sage und schreibe sechs Jahre ist es nun schon her, seit die Band aus Grenoble mit einem Debütalbum wie aus einer anderen Welt verzauberte. Auch nach so langer Zeit gibt es keine andere Band, sie so klingt wie Taulard und ihr gitarrenloser, orgelbasierter, tieftrauriger und ausgesprochen exzentrischer (Post-)Punk, der so eigentlich nicht funktionieren dürfte aber dennoch immer wieder ins Schwarze trifft.

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Knowso – Psychological Garden

Knowso aus Cleveland, Ohio hatten bereits Siebenzöller auf Total Punk und Neck Chop draußen, was zusammen in etwa dem ultimativen Ritterschlag im gegenwärtigen Garagenumfeld entspricht. Ihre neueste EP hält weiter den Qualitätsstandard hoch und streckt sich dabei vorsichtig auch in neue Richtungen aus. Zeitweise erinnert das an eine Mischung aus Nag, späteren Useless Eaters und Constant Mongrel. Manchmal dann eher an den Weirdo-Postpunk von Patti oder die struwweligen Noise/Garage-Hybriden von Brandy und Hash Redactor – allerdings bis auf die blanken Knochen heruntergekocht. Außerdem regt sich in Turning Point ein leiser Hauch von Wire und ihr wisst ja, dass mir so ein Scheiß immer gut in den Tee passt.

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CB Radio Gorgeous – CB Radio Gorgeous 7″

Irgendwie muss ich die erste EP dieses Quartetts aus Chicago vor zwei Jahren übersehen haben… dessen Begutachtung ich jetzt mal dringend nachholen muss, denn ihre neue 7″ gewinnt sofort meine Sympathie mit einer gekonnten Mixtur aus geringfügig garagen- und hardcore-infiziertem Punkrock der eher schnörkellosen Machart, nicht unähnlich zu Negative Scanner (deren Gitarrenbenutzer Matt Revers sich hier unter den Tätern befindet), Vexx und abgerundet durch ein klein wenig 77er Riffing á la Amyl & The Sniffers.

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Zwei Mischkassetten

Zwischenzeitlich hab ich mir doch tatsächlich eingeredet, ich könnte meinen teils Umzugs-, teils Prokrastinationsbedingten Blogrückstand einfach so aufholen. Nun ja, so ‘ne Überraschung: Wird nicht passieren. Stattdessen muss halt das Kassettendeck mal wieder laufen. Hier sind 150 Minuten Gedöns nach der 12XU-Einheitsformel. Außerdem neu in der C-60 Abteilung: Neue Kassetten! Und mit neu meine ich wirklich neu hergestellt. Keine Altbestände (die scheinen eh langsam aufgebraucht…) in neuen Gehäusen. Aus Frankreich kommt das gute Zeug und basiert auf ‘nem Rezept aus dem altem BASF-Kochbuch. So muss das!

Verspannungskassette #04 (Type 1 Covid-90)

Seite A
Tracklist:

Dead Cells Bell
Liiek Dynamite
Radio Sect Doctor
Sectarian Bloom Gone
Constant Insult Vacancies
Co-ed Trenches
Spam Risk Akaname
Melkbelly Mr. Coda
Home Counties Redevelopment
Practice Wife The Good Guys Always Win
Tosser Bent Out
Stuck Plank I
Shove No Through Road
Jousting The God Estrus
Gouge Away Consider
Clamm Keystone Pols
Ohmns Dece Bece Crece

Seite B
Tracklist:

The Cowboy Do Your Best
Hank Wood and the Hammerheads Look at You
Bedwetters Anonymous High Strangeness
The Worms Dave is Dead
Nuts Psychotherapy
Neutrals Hitler’s In The Charts Again
Jackson Reid Briggs & The Heaters Knock It Down
Vaguess Strip Mall Savior
Dumb Doctors Prozac Rock
Personality Cult Sharp Edges
Datenight I Hate This Game
Aborted Tortoise Violent Consumers
The Mark Vodka Group You’ve Got to Split
Heavy Larry Use It Or Lose It
P.R.N.D.L. Taffy The Welshman
R.M.F.C. Worker
Les Posters Agree To Disagree
Microdoser Killing Time
The Chats Identity Theft
The Fur Coats Dewclaws to the Dawn
Kalle Hygien Absolute Bomber
Shrinkwrap Killers Stolen Electronics To Shove Up Your Ass
Ditches Did We Try
Cuir Synthpunk Attitude
The G.V.B. Youth

Verspannungskassette #04 (Type 1 Covid-60)

Seite A
Tracklist:

Man-eaters Foreplay/Lessons on Love (for the Recently Mutated)
Repeat Offender Con Job
Shit Blimp Hey Man
Launcher Johnny Thunders Memorial Service // Jackpot
Liquid Assets Mutt
Chupa Cabra Violent Urges
Moron’s Morons Rate Your Teacher
Terms Of Endearment I Saw A Ghost
Psykik Vylence 3
Antibodies Everybody Fuckin Hates Me
BIB Boiling Point
Pisse Draußen Zuhause
Das Drip Second Guesses
Isotope Soap New World Boredom
The Violent Thing Slow Leak
AR-15 Fleece
Freon Crisis Aborted
Discovery Nothing
Cold Feet Not Again
Hotmom Hell Is for the Christians
Adderall Worm (Us)

Seite B
Tracklist:

P22 Endling Chorus For The Terminarch
Donors Always Sometimes Never
Vidro Sverige Brinner
The Monsters I’m a Stranger to Me
Liposuction Gig Economy
Freaks A Small Amount of Ecstacy
Grimly Forming Street Dealer
S.H.I.T. Eraser III
Sabré 100 Years
Smut Cum Inside
Laffing Gas Same Cycle
Liquids Dumb As Fuck
Fried e/M Modern World
Modern Needs Invertebrate
Dee Bee Rich Comfort
Research Reactor Corp. Body Is A Beaker
Set-Top Box Normal Guy

Das Drip – _

Schade zu erfahren, dass diese EP – nicht allzu lange nach ihrem Genre-trotzenden/-fickenden/-dekonstruierenden/-sprengenden Album im letzten Jahr – schon der Schwanengesang der heißesten Hardcore-Hausnummer in North Carolina sein soll. Also nehmt die Chance wahr noch mal über Das Drip’s ambitionierten Hardcore/Postcore/Artcore/Weirdcore – definitiv niemals Boringcore – zu staunen.

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Donors – Donors

Das hier ist ein seltsames Biest. Donors aus Nashville zogen schon vor zwei Jahren mit ihrer ersten EP und einem noch nicht ganz so ausgefreakten Cocktail aus Garage- und Post Punk meine Aufmerksamkeit auf sich, aber das hier ist ein ganz anderer Level an Schrägheit, wenn sie ihren Sound in zunehmendem Maße mit dissonantem No Wave verwüsten sowie mit altem proto-Noiserock á la Flipper oder No Trend anreichern. Womit könnte ich dieses Zeug vergleichen… Tyvek oder Constant Mongrel als No Wave Band reinkarniert? Spray Paint auf’m Garagentrip? Auch wenn ich nicht so sicher bin was die Band sich hier mal vorgenommen hat, besteht doch kein Zweifel dass ihr Unterfangen ein durchschlagender Erfolg ist. Und gerade glaubt man alles verarbeitet zu haben, da überraschen sie einen noch mal im Rausschmeißer Fine Print mit einer an Haunted Horses erinnernden Industrial-Kante.

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Nuts – Demo

Sieht so aus als ob die kölner Szene zunehmend in Schwung kommt. Neuestes Indiz ist dieses durchweg spaßige Demo voller verschrobenem ein-Mann-DIY Garage Punk nicht unähnlich zu Acts wie Prison Affair, Set-Top Box, T.L.B.M., Dot.Com, Dee Bee Rich… sogar ein bisschen was von frühem Erik Nervous hat’s. Feiner Shit!

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Freaks – Freaks

Ein unnachgiebiges Gewitter aus KBD-trifft-Stoner-Punk treten die Freaks aus Philadelphia los, angetrieben von reichlich Hardcore-Energie. Fängt ein bisschen so an wie eine Verschmelzung von frühen Milk Music oder Dinosaur Jr mit den Hüsker Dü der Everything Falls Apart-Ära, schwingt sich danach aber eher auf einen Modus ein, der nach einer Mischung aus Tarantüla/Cülo, Fried Egg, einem Hauch von Launcher riecht, angereichert um ein paar Sludge- und Death Rock-Vibes, wobei mich letztere etwas an Beta Boys erinnern.

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Stuck – Change Is Bad

Das Debütalbum der Band aus Chicago erweist sich als so stark wie man es sich nur erhoffen konnte, ein massiver Qualitätssprung in Reife und Finesse verglichen mit ihrer bereits mehr als soliden EP aus dem vorletzten Jahr. Genau wie damals haben Stuck keine Ambitionen das Genre auf links zu drehen, beweisen aber stattdessen ein umfassendes Verständnis der Mittel und Möglichkeiten ihres Genres, eine differenzierte Anwendung von dessen Vokabular und Grammatik zu einem mitreißenden Ergebnis. Klar lässt sich ein gewisser Einfluss vergangener Hausnummern aus ihrer Heimatstadt nicht verleugnen und auch die obligatorischen Spuren von 90er Washington sind durchaus vorhanden – aber noch stärker erinnert mich ihr Sound an aktuelle Acts vom Schlage USA Nails und ganz besonders an die derzeitige Welle australischer Bands wie Batpiss, Bench Press und Noughts.

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Neutrals – Rent / Your House EP

Nach zwei starken Demotapes und dem unglaublichen Knaller von einem Debütalbum, das letztes Jahr via Emotional Response auf uns logelassen wurde, ist nun auch schon wieder eine neue EP am Start, die nahtlos an dessen Qualitäten anknüpft. Derzeit trifft keine andere Band so überzeugend den Nagel auf den Kopf in diesem speziellen Subgenre aus endlos charmantem und verschrobenem, dabei aber grundehrlichem DIY Post-/Art Punk, bei dem unter anderem sicher die Television Personalities, frühe Mekons oder Desperate Bicycles Pate gestanden haben – während ihre Musik gleichzeitig nach allem anderen als einer Retro-Show klingt, sondern klar unserer Zeit entstammt und mit beiden Füßen auf dem gegenwärtigen Boden der Tatsachen steht.

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