Gleich noch mal ein Release aus dem hause Satan. Vielen dank, Satan. Hier bei 12XU sind wir sind große Fans ihres Schaffens. Der neueste Langspieler auf Sydney’s ausgezeichneten Label Warttman inc. macht jedenfalls mal wieder richtig laune mit zwanzig minuten zackigem und angemessen schrägem Garage Punk, der schon einiges gemeinsam hat mit anderen Warttman-Bands á la Research Reactor Corp., Dot.com oder Set-Top Box. Davon ab erscheint auch ein Vergleich zu frühen Useless Eaters oder Ausmuteants nicht zu weit hergeholt.
Cells – Urban Mutants Medley Google – Mental Castration A.I. – Ropy CTRL Group – G.I.G.O. Sabré – Complications Final War – Useless Sacrifice Tower 7 – (Ftp) Hollow Veins Fucking – Waterboard Holy War – Violent Thirst Kobra – No Futuro Sial – Tari Pemusnah Kuasa Cutters – Robo Debt Blues Gimmick – Carton of Stoges C.H.E.W. – Noise Square Poison Ruïn – Fog of War Cool Jerks – The Butcher’s Apron Oily Boys – Heat Harmony
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Tracklist:
Cement Shoes – Smashed On Glass Ohmns – Tommy Knockers Future – Draw To A Close Zenomorph – Whiteboard Science Man feat. Nervous Tick – Load-Bearing Cardboard Sylvie S – Song 2 Kitchen People – Hunger Pains Liquids – 11 AM TJ Cabot & Thee Artificial Rejects – What’s In It Liquid Assets – Stain Paranoise – Influenza Influencer Hamer – All The Time Blood Bags – Get in, Get Out Impotentie – Stille Rebellen Maske – Versoffene Träume
Hier ist ein Pfund ultra-simples, Drum Machine-getriebenes Garagepunk-Gedöns von einem Kopenhagener Duo, das ausschließlich auf unsere niederen Instinkte abzielt. Stilistisch kann man das irgendwo in der Nachbarschaft von Buck Biloxi and the Fucks, S.B.F. und Dr. Mix & The Remix einordnen – jeweils in einer nochmal deutlich primitiveren Abart. Perfekt, gefällt.
Mal wieder was neues von den Punks aus Vancouver. Ihr wisst was es zu erwarten gibt und sie wissen wie man abliefert. Sechs tadellose Krachausbrüche aus relativ oldschooligem, schnörkellosem Hardcorepunk mit Garagenzusatz.
Nachdem die Londoner über die letzten paar Jahre verteilt bereits einen ganzen Arsch voll EPs rausgehauen haben und ihr Sound dabei zunehmend an Reife gewonnen hat, ist es jetzt auch keine besondere Überraschung, dass ihr Debütalbum eine durchweg stimmige Angelegenheit ist, die eigene Formel aus Post Punk-, Noise Rock- und Postcore-Elementen zu einer sauber rotierenden Präzisions-Maschine perfektioniert, während die Band weiterhin vorsichtig ihren Horizont erweitert – wie etwa mit dem gewissen Wire meets Big Black-Vibe in Set Up To Fail oder den tristen, an frühe Uniform erinnernden Doomscapes in Human Frailty.
Das Elektropunk-/noise-Duo aus River Falls, Wisconsin legt hier eine weitere leckere EP vor, auf der sie erneut ganz schön danach klingen als schwenkten Big Black komplett auf elektrische Klangerzeugung um und machten dann gemeinsame Sache mit den Primitive Calculators, bewaffnet mit Krawallwerkzeugen aus dem Baumarkt anstelle von Gitarren.
Nun, eigentlich rate ich ja mit gutem Grund davon ab, mich mit physischen Tonträgern zu bemustern, weil das in gefühlten 99% der Fälle einfach einer reinen Verschwendung von Geld und natürlichen Ressourcen gleichkommt. Digitale Files lassen sich einfacher entsorgen. Aber wie dem auch sei, was da von einem Duo aus der mehr oder weniger direkten Nachbarschaft auf schwarzem PVC hereingeflattert kam hat dann doch mal ein unerwartetes Maß an Charme und Klasse – ordentlich vorwärts getriebener Synthpunk, wie man ihn in jüngerer Zeit vielleicht mit Bands wie Le Prince Harry, Clarko, Powerplant oder R. Clown assoziieren möchte, inklusive englischer Lyrics aus der Klaus Meine-Grabbelkiste, was letztendlich nur noch weiter zum putzigen DIY-Charakter der drei Songs beiträgt.
USA Nails – New Life Glen Schenau – Jhumble Salem Trials – Head On Rong Flat Worms – Terms of Visualization The Cowboy – El Poño Shepparton Airplane – What It’s Worth Tom Lyngcoln – Trust Fun Metz – Acid Heads. – Push You out to Sea Macros – Salmon Shorts Uk Gold – Off Duty Nuns Brain Bagz – Hot Creepers Needs – Feeding the Mesolimbic Dopamine Reward Circuit Help – 2053
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Tracklist:
Aus – Am Puls der Zeit Health Plan – Food Grief DeStructos – The Sight Knowso – Fucker Such As You Liiek – One Two Lithics – Beat Fall Nag – Polarize Clock Of Time – Rotten Master Permanent Collection – West Coast Fever Protomartyr – Michigan Hammers Scottibrains – Aristorats Keith Ival – Little Boy Gum Country – Somewhere
Eine neue EP von Maestro Voltaire’s zweitbekanntesten Projekt Cells. Muss ich dazu überhaupt noch was sagen? Sieben neue Häppchen hirn- und fuzzgefickter Hardcorepunk-Glückseligkeit.
Mal wieder eine weitere Berliner Band, deren Mitglieder zuvor bereits in anderen Ecken des 12XUniversums Wellen geschlagen haben, und zwar in Bands wie Diät, Ausmuteants und Vexx, wobei Diät aber der naheliegendste Vergleich davon ist – vielleicht mit einem etwas ausgeprägteren 80er Death Rock vibe. Außerdem gibt’s Ähnlichkeiten etwa zu einer verlangsamten Inkarnation der Pretty Hurts, zu Criminal Code oder den österreichischen Kollegen Red Gaze zu berichten.
Ihre Debüt-EP vor einem Jahr war ja schon ein ausgezeichnetes Stück zeitgenössischer Krawall, aber was die Band aus (vermutlich) Portland für den neuen Langspieler auf die Beine stellt ist da noch mal eine ganz unerwartete Wucht aus Noise Rock und Postcore des höchsten Kalibers. Was den allgemeinen Sound angeht, stehen sie definitiv mit beiden Füßen in der Gegenwart und erinnern mich an Genossen wie Tunic, Death Panels, John (timestwo), USA Nails oder Girls In Synthesis. Auch wenn diese Platte nicht wirklich neue Pfade erschließt, wird dafür aber wirklich alles zu Gold, was Help hier anfassen – dabei hilft sicher auch die Tatsache, dass für jeden Song eine smarte und tragfähige Komposition als Fundament dient. Ein perfekter Strudel aus antriebsstarken Rhythmen, ultrafiesen Bassgrooves, unheilvollen Kracheruptionen und – wie man es schon auf der EP bestaunen durfte – einem mit Bedacht dosierten und deshalb besonders effektiven Sinn für Melodie, welcher das ganze Drama noch mal locker aufs nächste Level zu heben vermag.
Eine EP voller solide gebauter, ultraklassischer oldschool Indierock-Schönheit, die einerseits einen Zeitsprung in die späten 80er/frühen 90er darstellt – ich denke da etwa an Sebadoh, frühe Eric’s Trip und ein paar Echos der C86-Generation – gleichermaßen aber auch an deutlich jüngere Bands á la Rat Columns, The Molds, Omi Palone oder Ovlov erinnert.
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, alle Twitter-Accounts zu löschen. Die Firma Twitter.inc muss endlich die Konsequenzen ihres Handelns spüren. Damit das passiert, müssen wir alle – und alle die wir kennen – verdammt noch mal aufhören, durch unsere Präsenz zum Erfolg der Plattform beizutragen. Das gleiche gilt natürlich für Facebook. Es gibt schon seit längerer Zeit bessere, unkommerzielle, dezentrale Plattformen. Wir müssen sie nur mal benutzen.
Die letzten paar Monate waren für mich nicht nur wegen der offensichtlichen Pandemie-bedingten Umstände ein persönlicher Durchhänger. Nach dem Umzug, den damit verbundenen Anstrengungen und Strapazen war bei mir einfach mal so richtig die Luft raus, die psychische Verfassung angeschlagener als sonst und mein Antriebs- und Energielevel ging so richtung null. Das habt ihr zwischenzeitlich vielleicht an der niedrigen Frequenz neuer Posts hier bemerkt – ich versuche gerade, langsam auch Blogmäßig wieder in den Fluss zu kommen.
Da checke ich also mal über einen längeren Zeitraum meine Lieblingsblogs nicht mehr regelmäßig und erfahre deshalb auch erst jetzt mit einigen Wochen Verspätung, dass Torsten Walker – Mannheimer Szene-Urgestein, DJ, Musikblogger und noch so einiges mehr – gestorben ist. Über die vielen Dinge, die er in der lokalen Szene innerhalb der vergangenen vier Jahrzehnte losgetreten hat, wissen andere besser bescheid als ich. Unsere Wege kreutzten sich erst viele Jahre später, als ich gerade ein gewisses Musikblog an den Start gebracht hatte.
Die Zeit ca. 2013-2016 war ein etwas seltsamer Zeitpunkt dafür, war sie doch vor allem geprägt dadurch, dass die einflussreichen Musikblogs der 00er Jahre eins nach dem anderen implodierten und auch die meisten von mir geschätzten Underground-Blogs ihre Sache an den Nagel hängten. Unter den wenigen über den Globus verteilten Mitstreitern, die den düsteren Vorzeichen trotzten, stach aber ganz besonders eine Facebookseite von einem gewissen RRRunzelhund heraus, der sich ebenso wie dieser Scheißblog hier einen feuchten Dreck für aktuelle Trends, für Erfolg & Anerkennung, den Niedergang der klassichen Musikpresse oder den allgemeinen Zeitgeist interressierte. Ein Typ mit zwei Zimmern und einem Flur voller Schallplatten und CDs, der einfach den wenigen, die es interessiert, die Musik nahe bringen möchte, die ihn in diesem Moment gerade begeistert.
Die Facebookseite wuchs bald zu einem ambitionierteren Projekt namens RRRSoundZ und einem gleichnamigen Blog, dessen Potenzial und ursprüngliche Vision leider nie so richtig in die Pötte kamen. Ist auch nicht so wichtig, denn RRRSoundZ war auch schon in jeder Form genial und wichtig, die es letztendlich annahm.
Meine persönlichen Begegnungen mit Torsten – ein paar Konzerte hier und da, zwei Abende des gemeinsamen DJings – waren nicht sehr viele, haben mich aber mehr als nur ein bisschen beeindruckt. Nicht nur war Torsten eine seltene Person, dessen unfassbare Leidenschaft für Musik und Subkultur auch mit einen Spacken wie mir, der sich mit neuen Bekanntschaften sonst eher schwer tut, unmittelbar zu connecten vermochte. Neben der Musik teilten wir auch ein Interesse für den japanischen Film – eine unwahrscheinliche Geistesverwandtschaft unter ansonsten extrem unterschiedlichen Menschen.
Und der Mensch, der hat mich einfach beeindruckt. Jemand, der seit Jahrzehnten tiefer im subkulturellen Geschehen gesteckt hat und dort mehr geprägt hat als ich es jemals könnte, ohne sich irgendetwas darauf einzubilden. Ganz im Gegenteil, Torsten stellte sich als ein verdammt aufgeschlossenes, neugieriges und ausgesprochen warmes gegenüber heraus, immer herzlich und wohlwolled. Mit ihm einen Abend zu verbringen, war immer eine bereichernde, aufbauende, spaßige – aber auch zum Nachdenken anregende Erfahrung. Das Level an Energie, das er beim verfolgen aller seiner Projekte an den Tag legte, ist einfach erstaunlich. Knapp zwei jahrzehnte älter als ich, hätte es mich dennoch nicht verwundert, wenn er mich in zwei weiteren Jahrzehnten noch von links mit dem Rollator überholt.
Das kam jetzt leider nicht so hin. Krebs ist ein verficktes Arschloch und kann die stärksten Leute in die Knie zwingen. Ich möchte mir selbst dafür in den Arsch treten, dass ich schon so lange schon nicht mehr in Mannheim vorbei geschaut habe, auch wenn ich meine Gründe dafür hatte. Ein paar mehr Stunden mit genialen Menschen zu verbringen wiegt das bisschen psychischen Zusammenbruch doch locker wieder auf. Die Welt ist nun um ein Original ärmer und es sieht nicht so aus, als könnte irgendjemand anderes an seine Stelle treten. Für sein Umfeld wie auch für die Subkultur – in Mannheim, hinterm DJ-Pult, im lokalen Radio, in der Kneipe oder auchim Netz.
Ich wollte eigentlich noch ein paar Posts klarmachen heute. Aber jetzt muss ich erst mal ein Bier auf Torsten trinken. Oder fünf. Dazu wird die Musik laufen, denn Stille würde ihm nicht gerecht.
Mit Blick auf die bisherige Diskografie waren meine Erwartungen an den dritten Langspieler der Gruppe aus Melbourne nicht gering… und Überraschung: Es ist in der Tat eine weitere ausgesprochen starke Platte dabei heraus gekommen, die es sich in dieser speziellen Nische an der Schnittstelle von schlauem Garage-, Post- und Art Punk gemütlich macht. Angemessenes Qualitätsfutter für Freunde von Uranium Club, Pinch Points, Reality Group… auch ein bisschen Sauna Youth oder Patti sind hier mit an Bord.