Dissociates – Dissociate
Hot Ocean – Whole Lotta Fuck
Verspannungskassette #103 (3x C-60)

Was zum Fick ging denn bitte mal ab mit dem Rock und dem Roll diesen Monat? Anfang Dezember ist normal so die Zeit, in der ich langsam und gemütlich in die Winterpause rutsche, die letzten paar blog-würdigen Veröffentlichungen poste und so spätestens zum 15. den Deckel zu mache. Aber dieses Jahr wollte Punk sich mal gar nicht an die ungeschriebenen Regeln halten und bin ganz ordentlich ins Strampeln gekommen, um die Flut zu bewältigen. Jetzt wo das Jahr scheinbar wirklich mal runterkommt, freue ich mich dennoch auf ein paar Wochen Blogurlaub – aber nicht ohne noch ein letztes Mixtape rauszudrücken… Sagte ich ein Mixtape? Ich meinte drei Mixtapes! Dafür war einfach mehr als genug in der Warteschleife und monströse Umstände machen monströse Maßnahmen notwendig. Da habt ihr’s. Drei C-60s, sechs Seiten mit sechs recht unterschiedlichen Vibes. Das letzte Stück 12XU des Jahres. Wir hören uns wieder irgendwann im Januar.
Tracklist
Ghola Weird Scenes
Soft on Crime Relativity USA
Hyperdog The Race
Baby Muffler Ford Coupe
A.D.D. Ramone Zoomies
Krise Hohe Mauern
Botox Outrageous
Shreddy My Shadow
The Male Idiot Theory Think too much
Mr. Strong Bad Luck
Loitering TV
WWW Cerebro Podrido
Busted Head Racket Coming After Me
Meow Meow And The Smackouts Icy Red (Demo)
Telephant Sleep Deprivation
Premature Exekution Shitgun
Robbie Thunder Phone 2 Ring
Tracklist
Bufflehead Ryans song
Public Error Make Me Sick
Private Function I’m This Far Away (From Being The Worst Person You’ve Ever Met) (Demo)
Liberty And Justice Oxygen Tank
Body Double Stubborn Hate
Beta Voids Nothing To Me
Family Dog Tighten Up
Centipede Turn Around and Die
Autolyse Sarcellite ( Hostile Mix )
Piss Wizard Bug Brains
Total Revolt Of All Limbs It’s Coming From Inside (T.R.O.A.L.)
Youth Decline Fuckheads
Dust Collector Midori
Power Of Dusk Sloganism
Window Phase Gimme All Your Money
Corazón Sombrío Corazón Sombrío
Maximucho2 Funeral Del Medioevo
Curta’n Wall Wizard Party
Tracklist
Eddy Current Suppression Ring On Islands
The Antics Ripped
The III Keep The Peace
Radar & Satellite Nurse Your Inquiry
Smashed Glass Round About
Assembly Targeted
Soft Shoulder Take The Bell Home
Omniwhores Spit
Cartoon The Big Hit
Silicone Prairie Poison Flowers
Slick Tourniquet
Tracklist
Sonic Youth of Today Versos sueltos
Ruhr + Blocco Schengen Maschinen
UnPutoMuertoVivo featuring Zulo Me vale verga
Useless Eaters Dem Vex
Worker Isn’t That Strange
LXRP Sapper
Catalogue Modern Dellusion
Manduria AI Hate To Think
Butter Swamp Backwater
Taze Staring At Screens
The Cult of One Sick Fuckin‘ the USA
Tracklist
Save My Skin Living On What I Can Find
Game Set Match Play
De Porsal The Bus Was Early, I Was On Time
Jacket Burner Nekro Punx (From Outer Space)
Raw Optics Heavy Ghost
Electric Prawns 2 Mirrors
John Honda Body Battery
Shrudd Bodies
Corpus Earthling 8mm And The Dirty Basement
Creaper Hold Me Close (As I Fade Away)
Rhoads System Decay
Tracklist
Cemento Consumir preferentemente
Jumbo XL Gatto
Rehash Neu Klang Kriegslust
Dr Sure’s Unusual Practice No Pigs
Outside View Fuck ICE
Billiam Eleven Cents
Eye Ball Making Babies Smile At Me
Ronny Spoiler Dart
Friends Of Cesar Romero Nine Pound Hamer®
Tee Vee Repairmann Bad News
Pic Nic Mini Malls
Vague Rituals Closer
Today’s Milk Gracia
Suspectre Fight Fight Fire
Red Devil Ryders Rude Awakening
Shrudd – No Man Is Good Three Times

Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert – ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.
Album-Stream →Cartoon – Theatre Of The Absoid

Die 2024er LP Nyuck Nyuck Boing gehörte zu den unwahrscheinlichsten Highlights des letzten Jahres, ein sich seltsam anachronistisch anfühlender, unhandlicher Koloss von einer Platte, die im gleichen maße von US Post Punk/-core-Bands wie Saccharine Trust und Minutemen inspiriert scheint wie von britischem Art Punk der Swell Maps- und The Pop Group-Bauart, mit weiteren Echos von motorisch-krautigen Grooves, No Wave-Atonalität und reichlich ’60er Acid Rock-Exzess. Hier ist jetzt also der Nachfolger davon am Start und auch auf den trifft immer noch das meiste davon zu, wobei die Band zugleich aber auch ihre eklektizistischen Einflüsse zu einem etwas kohärenteren und greifbareren Päckchen verschnürt, nicht zuletzt weil sie sich hier stärker auf die psychedelische Seite der Gleichung konzentrieren und weniger auf die funky Post Punk-Grooves des Vorgängers, obwohl auch jene nochmal eine kleine Rückkehr feiern etwa in The Big Hit, das eine vergleichsweise versöhnlich gelaunte, relaxtere zweite Hälfte einläutet – das Yin und Yang einer Band die sich immer noch keinen halben Dreck schert um sauber geordnete Genre-Kategorien und unsere jeweiligen Vorstellungen davon.
Album-Stream →Dust Collector – Dust Collector

Hardcore Punk aus Los Angeles, der mehr als genug bezaubernde Tricks aus dem Ärmel schüttelt und dabei auch noch ordentlich Fleisch auf den musikalischen Knochen hat um den Hörer jederzeit bei der Stange zu halten. Eine gute Menge frischer und kreativer Klang-Stimuli werden da also ablgeliefert, aber gleichsam der Hörer auch zur willenlosen Unterwerfung bearbeitet mit einer unnachgiebigen und saumäßig tighten Abrissbirne von einer Performance, die einfach keine Gefangenen nimmt. Aua das tat weh. Bitte mehr davon!
Album-Stream →Save My Skin – Different Bubble

Eine Band aus Biel hat mit dieser LP auf dem lokalen Label Chrüsimüsi Records mal einen echten Schwelbrand von einer Platte kreiert, der sich gerne mal ordentlich Zeit nimmt um auf den Punkt zu kommen, aber es zahlt sich dann doch jedes mal aus, wenn man ihr mit etwas Geduld begegnet. Der langsam vorwärts kriechende Opener Different Times erinnert mich dabei unmittelbar an den rustikalen Wüstenstaub und Americana-Rock von Weak Signal, welcher daraufhin in einen stärkeren Post Punk-Kontext transformiert wird im nachfolgenden Bubbles, wohingegen durch so Songs wie Peace Of Mind eine offensichtliche Velvet Underground-Energie fließt und ein Strom aus Art- und Glam Rock uralter Schule, der unter anderem auch in The Candidate ziemlich unübersehbar ist. An anderen Stellen fühle ich mich stark an den folkigen Post Punk von Dead Finks erinnert, das frühe Werk der Londoner Witching Waves, eine entschleunigte Variante von The Cowboy oder Flat Worms, den erdigen Garage Rock von Honey Radar oder den stacheligen Art Punk von Far Corners und Germ House… sogar ein bisschen von der ersten Peace De Résistance mag da noch mitschwingen.
Album-Stream →Botox – Promo Tape

Dieses neue Tape der Londoner Botox versucht überhaupt nichts neues aber in dem was es sich vornimmt, trifft es absolut den Nagel auf den Kopf wenn es ein primitives aber hochprozentiges Gesöff aus ’77er-, KBD- und Garage Punk destilliert, das zu so 35% aus Fuzz und 45% aus Attitüde besteht und die übrigen 20% aus einem hauchdünnen Fundament zeitbewährter oldschool Punk-Tropes und -Formeln, die ihren Job hier ganz tadellos verrichten in einem Sound, der zu den sparsam-effektivsten Detonationen gehört, die mir in letzter Zeit so begegnet sind.
Album-Stream →Maximucho2 – Maximucho2

Die Dungeon Punk-Ära ist noch immer in voller Fahrt, die aktuellste Evidenz dafür ist dieses Tape von einem Typen aus Santa Fe, Argentinien – ursprünglich diesen Sommer auf Bandcamp selbstveröffentlicht und nun auf dem unermüdlichen Nischenlabel Grime Stone Records wiederveröffentlicht – das sich nahtlos in dessen Katalog einreiht mit einem Sound, der nur die einfachsten und grundlegendsten True- und Black Metal-Versatzstücke auf etwas Mitt- bis Spätachtziger Punk-Gemoshe und tonnenweise von schnuckelig-schrägem Eggpunk-Spaß und -Melodiesinn treffen lässt. Desweiteren gibt es auf der Bandcamp-Seite von dem Kerl auch schon mehr von dem guten Scheiß in Form einer neuen Split EP mit Corazón Sombrío, bei dem es sich, dem Artwork nach zu urteilen, wohl um eine invertierte, extra-kaltherzige Spiegelversion des gleichen Typen handelt? Wie auch immer, das ist Pflichtprogramm für jeden ernsthaften Dungeon-Afficinado.
Album-Stream →