Nourishment – No Longer A Corpse

Die Musik dieser Typen gehört nach wie vor zu den unverwechselbarsten Dingen in der aktuellen Welle von variabel Black Metal- und Dungeon Punk-angehauchten Bands mit ihrer uncharakteristisch Death Rock- und Post Punk-lastigen Herangehensweise an den Genrekomplex, auch wenn einige ihrer jüngsten Artefakte mir etwas wechselhaft und richtungslos rüberkamen. Nun, ein Mangel an Richtung lässt sich auf ihrer neuesten LP beileibe nicht mehr feststellen, Nachdem die vorherige Cerebral EP eine Rückbesinnung auf ihre Stärken markierte, baut der Nachfolger deren zunehmend eingängige, melodische Qualitäten konsequent weiter aus, auch wenn der Mittelteil hier zeitweise den Bogen etwas überspannt. Das resultiert in einer Platte die stark ihrer bisherigen Laufbahn ähnelt - beginnend mit einem Knall, gefolgt von einem markanten Qualitätsabfall in der etwas bemühten Mittelphase bevor man sich zum Finale hin wieder stückweise hocharbeitet... zufälligerweise ist das auch in etwa das Profil von Twin Peaks, zweite Staffel, was einfach mal gar nichts zur Sache tut aber ich musste es einfach erwähnen. Was macht Annie eigentlich heute?

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Evil Eye – Evil Eye

Was Evil Eye aus Charlotte, North Carolina hier auf ihrer Debütkassette abziehen lässt sich oberflächlich recht einfach beschreiben als eine geradeaus gehende Machart von Garage Punk, die '77er Energie und Eingängigkeit mit einer KBD-mäßigen Ungeschliffenheit kombiniert und tonnenweise von Dead Boys- und Wipers-mäßigen Hooks. Aber so alt und abgestanden wie das in der Theorie klingen mag, so frisch kommt das in der Praxis hier dennoch rüber und das ist nicht zuletzt einigem unbeirrbaren Händchen für starkes Songmaterial zu verdanken und einer angemessen rohen, treibenden Performance um die einfach gestrickten Hooks wackelfest zu verankern.

Shrudd – Hammerman / Autovisit

Shrudd aus Louisville, Kentucky kann man ja schon länger zu den substanzielleren jungen Vertreteren im Garage Punk-Umfeld zählen aber ein echter Quantensprung für die Band war ihr erster Langspieler No Man Is Good Three Times im letzen Winter, auf der sie ihre bescheidenen Eggpunk-Anfänge gegen einen eigenständigeren und komplexeren Sound an der Schnittstelle von einerseits Garage- und Post Punk und andererseits Psychedelic- und Space Rock eintauschten. Schwierige Aufgabe, mit einem Nachfolger zu so einem Hammeralbum zu überzeugen aber die zwei ersten neuen Songs seitdem (die alberne Weihnachtssingle dazwischen ignoriere ich mal) schlagen sich da mal ausgesprochen gut und halten problemlos das Niveau als hochklassige Kaliber in dem zuvor etablierten Genre-Spektrum von ausgefeiltem und durchweg elegantem Post-/Garage Punk grob in der Nachbarschaft von so Bands wie Mononegatives, Useless Eaters, Institute, Corker, Marbled Eye, Tube Alloys oder Electric Prawns 2, aber irgendwie auch schon wieder ihre ganz eigene Tasse Tee.

Klint – Our Innocence Makes Way For Bitter Hate

Die einstmalig als Ein-Mann-Kapelle agierende Synth-/Electro Punk-Hausnummer Klint aus Schleswig ist wohl schon vor geraumer Zeit zu einem Duo gewachsen mit, wie es mir ein Vögelchen geflüstert hat, konkreten Plänen in dieser Form bald auch als Live-Act die Clubs und Keller zu beehren. Und wenn du dir jetzt dachtest "Der Gesang hier klingt aber ungewohnt", dann liegt das in der Tat daran, dass jetzt nicht mehr Sven singt sondern Roman. Abgesehen von dieser kleinen Technikalität halten sich Klint aber auch hier weitgehend an ihre durchschlagende, ureigene Formel aus Synth- und Sample-basiertem, strukturiertem Chaos und wer sich einmal in das alte Zeug vernarrt hat, wird auch diese neuen Songs widerstandslos absorbieren.

Götri – Your Utopia, My Dystopia

Supernettes Ding, die neueste EP von Götri aus Jakarta, Indonesien, auf welcher die Band eine explosive Mischung aus Hardcore Punk zusammenbraut, die auf etwa gleiche Teile von Garage Punk-Energie und Hardcore der klassischen früh-'80er-Ära zurückgreift in seiner schnörkellosen Simplizität und ungebrochenem Moment. Jeder dieser Songs ist um ein minimales aber effektives Hook gebaut und ansonsten bis auf die Knochen reduziert und was soll ich sagen… der Scheiß knallt ganz wunderbar!

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Smarm – Smarm / The 700 Club – Demo

Smarm aus Cincinnati, Ohio machen hier einen absolut vielversprechenden Eindruck auf ihrer Debüt-EP mit einem ausgesprochen unprätentiösen Garage Punk-Sound und einer netten '77er und Proto Punk-Kante, die insbesondere ein bisschen lokaler Punk-Vergangenheit Tribut zollt mit einer ausgeprägten Dead Boys-Energie, wobei der Krempel obendrein mit ordentlich ausbalanciertem Songhandwerk brilliert und einfach den Nagel perfekt auf den Kopf trifft mit infektiösen Hooks, einer schnörkellos und entschlossen geradeaus gehenden no-bullshit Darbietung.

Ebenfalls ein ausgezeichneter Schwung von ziemlich '77-aromatisiertem Krawall ist dann das neue Demo von 700 Club aus Athens, Georgia, dessen drei Songs hier in einer ungleich roheren Produktionsästhetik festgehalten wurden und mich dabei etwas stärker an Saints und Wipers erinnern, vereinzelt aber auch auch mal etwas ins Hardcore-Spektrum übertreten wie im Rausschmeißer No Cash, aber durchgehend ist da auch eine leise Ahnung aktuelleren Einflüssen an Bord an deren Spitze das Chaos von Bands wie Lumpy & The Dumpers und Fried E/m steht.

Hand Helds – Hello, Mr. Operator / Transatlantic Death Machine

Die Wiederveröffentlichung der ursprünglich ende letzten Jahres erschienenen Hello, Mr. Operator EP der New Yorker Elektropunks Hand Helds auf dem australischen Label Grog Records lies mich mal echt aufhorchen. Ein kurzer Blick auf ihr Bandcamp-Profil offenbart dann nicht nur dass es bereits einen Nachfolger zu der EP gibt, sondern auch eine Band, die offenbar schon ein paar Jahre ihr Ding durchzieht und konstant EPs in einem variablen Spektrum zwischen Noise-versifftem Garage Punk, minimalistischem und überwiegend ziemlich rauhem Synth- und Elektropunk rausgehauen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, früher schon über die Band gestolpert zu sein, kann im Nachhinein aber auch nachvollziehen warum ich mich damit nicht weiter befasst habe, klingt viel ihres früheren Werkes doch nach einer maximalistischen Herangehensweise, möglichst viel Dreck an die Wand zu werfen um zu sehen was dran kleben bleibt. Nu ja, ein paar Dinge sind aber offensichtlich kleben geblieben und auf ihren jüngsten zwei EPs fügen sich die Teile viel nahtloser zusammen dank eines vergleichsweise minimalistischen und wohlüberlegten weniger-ist-mehr-Ansatzes. Hello Mr. Operater ist dabei klar noch die etwas kruder klingende EP mit einer stark in der Schuld von Primitive Calculators und vereinzelt auch Suicide stehenden Machart des bis auf die Knochen reduzierten Synth Punk. Die Transatlantic Death Machine EP tauscht dann die Bassgitarre gegen einen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut ein und das Ergebnis ist noch ein gutes Stück wilder und fast schon ein bisschen elegant, auch wenn die dissonanten Muster aus Synth-Kakophonie in so Songs wie Glue Tongue alles daran setzen, darüber hinwegzutäuschen. Eine seltsam krautig-motorische Qualität durchzieht das Ding. Entschlackt auf ein Minimum aber mit der notwendigen Liebe für die Details auf die es ankommt ist das klar ein paar Tacken höher angesiedelt als die Masse an Electro Kraut-Veröffentlichungen und No-Wave-mäßigen '80er Synth Punk-Rückblenden.

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Bequest – On Hills Will Death Play

Nach der derben Enttäuschung einer irgendwie doch ein bisschen zu aalglatten neuen Poison Ruïn-LP bin ich doch sehr erfreut, auf diese nette Ersatzdroge gestoßen zu sein. Die verantwortliche Band kommt aus Philadelphia und bedient ein paar doch durchaus verwandte Gelüste von stark '80er Heavy Metal-beeinflusstem, Dungeon-verwandtem Punk, auch wenn die grundlegenden Klangparameter sich hier stärker in der etwas weiter gefassten Hardcore- und D-Beat-Landschaft zuhause anfühlen. Nichtsdestotrotz offenbaren diese Songs eine überdurchschnittliche Fülle an Raffinesse, Detailarbeit und tonnenweise süchtig machender Hooks um diese sieben Wetterfronten aus halsbrecherischer Ekstase fest zu verankern und gleichsam auf ein durchweg fortschrittliches Level anzuheben.

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Blaskapelle Chancentod – Pädagogisch Wertvoll

Es wäre jetzt ziemlich einfach, diese Schweizer als nur ein weiteres Artefakt der Kategorie "Pisse und die Folgen" abzuheften, aber dafür arbeitet der Scheiß hier eigentlich auf einem zu hohen Level und steht doch sehr komfortabel auf seinen eigenen Füßen mit genug eigener Identität und Ideen um sie aus der Masse herausstechen zu lassen mit einem Sound, der mir dann auch ein bisschen Internationaler vorkommt wenn mich etwa Rien Pour Moi an so Art Punk-Bands wie Ismatic Guru oder Landowner erinnert oder Animal Farm so einen alten Giorgio Murderer-Vibe aufweist. Wie dem auch sei, den Vergleich mit Pisse werden sie vorerst noch nicht vermeiden können, aber ohne Frage ist das hier für sich genommen eine beeindruckende Debüt-EP und ich bin mehr als gespannt, wohin sich das entwickelt.

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Nourishment – Cerebral

Die letzten zwei Releases dieser Band waren für meinen Geschmack etwas wackelige Angelegenheiten was das Songmaterial angeht, aber auf ihrem neuesten Streich trifft die Band mal wieder durchweg den Nagel auf den Kopf mit einem Bündel neuer Songs, die den vertrauten Nervenkitzel diesmal wieder äußers Effektiv und deutlich treffsicherer abliefert. Nach wie vor würde ich dabei sagen, dass die Band sich eine ziemlich eigene Mikronische erschaffen hat in der Atmösphäre und Kompositionen mehr mit oldschooligem Death Rock und manchen Strängen des gegenwärtigen Post Punk gemeinsam haben als mit der Mehrzahl aktueller "Blackened"- und Dungeon Punk-verwandter Machenschaften.

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