In einer Woche geprägt von unerwarteten Bandcamp-Drops kommt hier ein weiterer seiner Art, welcher diesmal den Weg zu uns findet über die Bandcamp-Seite der folkigen Post-Punker Chronophage aus Austin, Texas. Soweit ich es erkennen kann handelt es sich bei Providers um eine New Yorker Band und die klanglichen Parameter ihrer auf spanisch gesungenen Songs sind eine etwas schräg anmutende Mischung aus klaren Oi!-Einflüssen einerseits, aber auch reichlich von einer alten Mitt-'80er Punk, Indie- und College Rock-Qualität mit Echos so unterschiedlicher Bands wie klassischen Hüsker Dü, späten Naked Raygun, Dinosaur Jr., Angst und The Replacements, ihre melodien und Arrangements aufgeladen mit einer Melancholie die ebenso typisch ist für jene Ära wie sie gleichsam auch an eine kurze Phase der frühen 2010er erinnert, in der so Bands wie Milk Music, Happy Diving und California X für ein kurzlebiges Revival dieses Sounds gesorgt hatten. Ebenfalls lassen sich aber auch einige Elemente des melodischen Fuzz Punk und Noise Pops in etwa der gleichen Ära erkennen von so Bands wie Male Bonding, Joanna Gruesome, No Age und Wavves.
Eine nette neue EP von einem Typen aus Harrisburg, Pennsylvania, der bereits eine ordentliche Menge an Gerümpel angehäuft hat auf seiner Bandcamp-Seite aber ehrlich gesagt zündet nichts davon so unmittelbar wie sein neuester Kurzspieler, der mit vier so tadel- wie schnörkellosen Beispielen des geradlinigen (Garage) Punk-Songwritings brilliert. Der Selbstbeschreibung als "first wave punk revival" würde ich dabei aber etwas widersprechen, erinnert mich das trotz einer leichten '77er Unterströmung doch stärker an die 2000er und '10er Garage Punk-Ära mit klaren Echos von, sagen wir mal, solo Jay Reatard, Dark Thoughts und ganz besonders den frühen Liquids, neben vielen anderen.
Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.
Die 2025er Modern Tension EP dieser aus der Asche der psychedelischen Garage- und Post Punk-Sensation Mononegatives entstandenen Band aus London, Ontario war bereits eine vielversprechende, wenn auch noch etwas chaotische, inkonsistente Angelegenheit. Diese zwei neuen Songs signalisieren jetzt einigen Fortschritt für die Band mit einer ausgefeilteren Herangehensweise an ihr Songwriting und einem fokussierteren, gut ausbalancierten Sound, der sich deutlich stärker in die Post Punk-Richtung reinlehnt als in die Garage Punk-Attacken alter Tage für eine Ästhetik, die nicht viel weniger weniger nebelig und abgespaced klingt als die alten Mononegatives Platten, aber gleichzeitig einen ganz eigenen, neuen Pfad betritt der eher ein paar oberflächliche Gemeinsamkeiten mit aktuellen Post Punk-Acts der Sorte Corker, Marbled Eye oder Tube Alloys nahelegt.
In einem kulturellen Umfeld von sich rapide wandelnden musikalischen Trends und Hypes und einem sich unnachgiebig drehenden Promo-Hamsterrad in den Sozialen Medien, dessen Zielgruppe nicht Menschen sind sondern ein Algorithmus… da hat es immer etwas heilendes eine Band wie diese zu Verfolgen, die sich komplett unbeeindruckt zeigt von der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, die selbst schon ein gutes Jahrzehnt älter ist als dieses Blog und nach zweieinhalb Dakaden immer noch ihre ganz eigene abgefuckte Muse verfolgt. Erwartungsgemäß teilt sich auch die neueste LP viele der Quirks und Qualitäten die wir an dieser Band zu schätzen gelernt haben und ihrem Art Punk, der jederzeit gleichermaßen krude und catchy rüberkommt, bei alldem aber auch immer reichlich Abwechslung besorgt und so einige schlaue Ideen unter der primitiven Oberfläche verbirgt. Mögliche Einflüsse könnten sich dabei von uralten Krawallerzeugern wie Half Japanese, The Membranes, Feedtime, The Fall erstrecken, über diverse mit altem No Wave verbundene Artefakte oder auch ein paar krautige Spielereien, bis zu jüngeren, essenziellen Garage-Klassikern der Sorte The UV Race oder Eddy Current Suppression Ring. Aber ehrlich gesagt wäre es inzwischen einfach unangebracht, Subtle Turnhips nicht als die ganz ureigene und kompromisslose kreative Gewalt zu betrachten, als die sie sich wiederholt unter Beweis gestellt haben und auch diese Platte ist nicht weniger als ein weiterer sofortiger Klassiker für Freunde des etwas schrulligeren Garagenlärms.
Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.
Diese mehr-oder-weniger Supergroup aus Los Angeles (Mitglieder hatten unter anderem bei Ex-Cult, Bad Sports, Shark Toys, OBN IIIs und Richard Rose mitgespielt) ist jetzt schon seit ein paar Jahren unterwegs aber ich tat mich bisher schwer, über die ausgeprägten Dad Rock-Vibes (oder zumindest eine ganz schön Dadpunk-mäßige Art von Garage Punk-Vibes) hinwegzusehen auf ihren ersten zwei Kurz- und Langspielern. Ihr zweites Album ist jetzt aber mal ein komplett anderes Biest und was zuvor noch etwas halbherzig und halbgar rüberkam fügt sich auf dieser via In The Red Records erschienenen LP nahtlos zusammen zu einem saumäßig catchy Killersong nach dem anderen, welche hier allesamt in ein ausgesprochen schmeichelhaftes Licht gerückt werden von einer unnachgiebig tighten, explosiven Performance, festgehalten in einer hochwertigen Produktionsästhetik mit reichlich Punch, ohne dabei irgendwas zu verwässern oder die scharfen Kanten ihres Sounds abzuschleifen (Ja ganau, du bist gemeint, Hymns From The Hills). Das ist nicht weniger als eine erstklassige Zeitkapsel von Garage Punk wie aus der 2010er-Ära, dem inzwischen auch schon wieder etwas sehr angenehm oldschooliges anhaftet, durchgezogen mit unglaublicher Wucht, routinierter Leichtigkeit und treffsicherer Konsistenz, absolut dem Ruf gerecht von so einem Haufen mit allen Wassern gewaschener Genre-Veteranen.
Diese Band aus Kansas City hat hier eine durchweg beeindruckende Debütkassette eingehämmert. Die erschien auf dem lokalen Szene-Bollwerk Dirtbag Distro und hat elf kräfftige Schläge aus winderbar lumpigem und angepisstem, oldschooligem Hardcore auf Lager... Ich finde dabei allerdings, dass der Bandcamp-Blurb mit seinen Referenzen zu Minor Threat und Black Flag die Platte ganz schön kleinredet und unter Wert verkauft, ist hier doch weitaus mehr unter der Haube am Werk als nur ein weiterer durchschnittlicher '80er Retro-Neuaufguss. Nein, hier bleibt alles spannend und unvorhersehbar von Anfang bis Ende dank Tonnenweise netter Sonderlichkeiten und flotter Einfälle und eine konstante garagig- KBD-mäßige Unterströmung macht das spaßige Gesamtpaket komplett, das eigentlich kaum weniger im Dialog zu stehen scheint mit dem aktuellen Geschehen am schrägeren Ende des Hardcore-Spektrums als mit den offensichtlichen Klassikern und was jene angeht, fühle ich mich dann doch deutlich mehr an so Genre-Ausreißer wie die frühen Gray Matter, Flipper oder Really Red erinnert als an die üblichen Verdächtigen aus alten Zeiten… zumindest den Germs-Vergleich kann ich aber nachvollziehen.
Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.
Hier ist mal wieder so ein eigenwilliges Artefakt aus gleichermaßen unhandlichem wie auch seltsam eingängigem Noise Rock- und Postcore-Delirium für Liebhaber des rohen und sperrigen Krachs. Agita kommen aus Philadelphia und haben jetzt ihre bereits dritte EP als Kassette auf dem lokalen Label Strange Mono veröffentlicht, auf welcher sie fünfzehn meist weniger als eine Minute kurze Attacken aus krudem Chaos' von der Leine lassen, was mich genau so an frühe Proto-Noise Rocker á la Flipper, No Trend oder ganz frühe Rudimentary Peni erinnert wie auch an jüngere Seltsamkeiten der Sorte Soupcans und Soft Shoulder. Zwölf ausgesprochen reizende Minuten von Gerümpel chaotischem Lärm, der gleichsam aber auch von einem stabilen, rigiden Grundgerüst beisammen gehalten wird, vorwärts getrieben von einer rohen, hyperfokussierten Darbietung.