Jug – Or Not / Innuendo – Peace & Love

Exzellenten Scheiß auf dem schmalen Grat zwischen Hard- und Postcore, angereichert mit einem Hauch von Garage bekommen wir auf der Debüt-EP von Jug aus Winnipeg, Kanada geliefert - astreine Qualität mal wieder von der immer zuverlässigen Krachschmiede Neon Taste Records aus Vancouver. Dieser Sound verkörpert genau die raubeinig-kaputten Qualitäten, die ich in diesen Genres immer suche und klingt dabei aber jederzeit halbwegs durchdacht und solide gebaut Unter anderem mag man da Vergleiche ziehen zu so Bands wie Acrylics, Mystic Inane, Arse, Daydream, Video, Crisis Man, frühen Bad Breeding... und es gibt sogar eine überraschende Spur von '77 New York in My Bodie's Doomed zu bewundern!

Ähnliches lässt sich auch über die Debüt-LP von Innuendo aus Wisconsin sagen - und zwar in einer empfindlich dümmeren, gleichwohl aber auch freudig popotretenden und wunderbar primitiven Variante davon. Das Teil ist zuletzt bei Unlawful Assambly und Roach Leg Records erschienen und darauf finden die irgendwie so einen goldenen Mittelweg zwischen simpler und dummer oldschool Hardcore-Energie und KBD-getränkter Garage-Demenz - bewährte Zutaten werden hier auf eine Art zelebriert, die sich noch immer ausgesprochen frisch und lebendig anfühlt.

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Nervous Tick and the Zipper Lips – The Monochromatic Mind Of… / More Monochromatic

Nach einer noch etwas wechselhaften Kassette vor vier Jahren und anschließend einer Reihe von Kollaborations-EPs mit Leuten wie Eyes And Flies, Science Man und Ricky Hell, kommt nun das neueste Album sowie eine begleitende Extended Play-Kassette von Nervous Tick and the Zipper Lips aus Buffalo, New York hier angespült. Ihre bislang rundeste Veröffentlichung ist das geworden und die Mischung aus Post-, Garage- und Synth-Punk plus einem leichten Anflug von Industrial kommt so in etwa rüber wie ein gesunder Konsens aus, sagen wir mal, Droids Blood, Beef und The Spits. Weit davon entfernt, das Rad neu zu erfinden, aber immer ordentlich ernergisch, eingängig und effektiv.

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iPad Baby – TradCath Terrorists

iPad Baby aus Glassboro, New Jersey, sind mir zuerst im letzten Herbst mit einer durchaus Spaß bereitenden Debüt-EP aufgefallen, aber ihr neuestes EP / Mini LP-Dingens ist mal eine so viel bessere, konsistentere Angelegenheit. Hier geht die bekloppte Energie und Kreativität einfach durch die Decke und verschmilzt zu einem schicken neuen Klumpen des völlig entgleisten Wahnsinns, der garantiert auf Zustimmung treffen wird bei anspruchsvollen Genießern aller Arten wundersamer Audio-Unfälle im Dunstkreis des Egg-, Synth- und Garage Punk, von so Bands wie Zoids, The Gobs, Mateo Manic, Prison Affair, Metdog, Nuts oder Nubot555.

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Leaking Head – Leaking Head

Eine weitere Bombe aus dem Hause Tetryon Tapes ist hier eingeschlagen. Die vorherige EP Better Homes & Gardens der Band aus Rochester, New York war ja schon ein durchaus positives Ereignis, wenngleich sie sich darauf noch etwas schwer damit taten, die oldschooligen '70er/'80er Metal-Versatzstücke in ihre Gesamtästhetik zu integrieren. Die neue Kassette behebt jene Mängel, teils mithilfe eines super-räudigen LoFi-Sounds, der ihnen mal wirklich viel besser steht, wobei gleichzeitig aber auch ihre Skills in Sachen Songkonstruktion ganz zweifellos substantielle Fortschritte gemacht haben. Das Ergebnis ist eine unnachgiebige Wucht, die einige der ungehobelteren Einflüsse aus altertümlichem Hardcore-Dreck mit einer deutlichen Dungeon Punk-Note durchsetzt.

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The Minneapolis Uranium Club Band – Infants Under The Bulb

Heilige Scheiße, ist es jetzt wirklich schon fünf Jahre her seit der letzen LP von einer der prägendsten Bands, die wie kaum eine andere ihre unübersehbaren Spuren in die aktuelle Garage Punk-Ära eingebrannt hat? Mir schien es jedenfalls gar nicht so und das liegt möglicherweise genau daran, dass der Einfluss ihrer patentierten Mischung aus intelligentem, verspielt-verwinkeltem und ausgefuchstem Garage- und Art Punk so allgegenwärtig ist - Bands wie Dumb, Vintage Crop, Pinch Points, Aborted Tortoise, Reality Group, Yammerer und Patti sind da nur die Spitze des Eisbergs von Bands, die sich zumindest phasenweise mehr oder weniger offensichtlich von Uranium Club inspirieren ließen. Auf ihrer bislang vierten LP erweitern Uranium Club erneut ihr Klangspektrum und warten mit deutlich gereiften Songwriting-Skills auf, die sich vor allem in den langsameren Nummern perfekt entladen wie etwa in der folkig-schrammeligen fast-schon-Ballade Tokyo Paris L.A. Milan, die unter anderem Qualitäten von so Bands wie Wireheads, Tyvek und The UV Race in sich vereint, oder in dem von einem starken Television-Vibe durchzogenen The Ascent. Genau wie alle vorherigen Alben der Band ist das mit sofortiger Wirkung als Instant-Genreklassiker zu handeln und wer das anders sieht kann mich mal!

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Dollhouse – I Hate You Dont Leave Me

Die dritte EP dieser New Yorker präsentiert sich erneut als eine überwältigend räudige Angelegenheit aus gleichermaßen schlauem wie auch wild amok laufendem Postcore mit oberflächlichen Ähnlichkeiten zu so Bands wie Mystic Inane, Wymyns Prysyn, Launcher, Cement Shoes oder Liquid Assets. Neu in ihrem Reportoire sind hier die stark melodischen Vibes á la Drive Like Jehu-treffen-auf-Leatherface... Intuitiv sollte das eigentlich nicht gut gehen, aber hier fluppt das dennoch ganz gewaltig!

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Jean Mignon – Dirty Mean Fast

Der Nachfolger zum sensationellen letztjährigen Debüt-Tape AN/AL des New Yorker Garage Punk-Zauberers Jean Mignon hat etwas weniger stilistische Vielfalt an Bord als jenes, gleicht das aber vollkommen aus durch einen durchweg empfindlich erhöhten Energielevel seiner schnörkellosen Garage Punk-Klopper hier, unaufhaltsam vorangetrieben, hochentflammbar und mit mehr als nur einem Hauch von Proto Punk im Allgemeinen und der New Yorker Szene ca. '74-'77 im Speziellen.

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Balaclava – The 1/4 Inch Almanac

Ein volles Fass ungesund zuckerigen Vergnügens, die zweite EP dieser New Yorker. Die beschwören hier einen eingängig-kaputten Mix aus Synth- und Garage-, Art- und Eggpunk herauf, der irgendwie den Sweet Spot trifft zwischen den Klangwelten von... sagen wir mal Metdog, Smirk und Cherry Cheeks, ich glaub so ungefähr kommt das hin. Guter Scheiß!

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Tiger! Shit! Tiger! Tiger! – Bloom

Meine armseligen Versuche über Musik zu schreiben mögen vor gut 10 Jahren noch viel schlimmer gewesen sein als sie es heute noch sind, aber zumindest muss mir meine Musikauswahl von damals zu 99% immer noch nicht peinlich sein. Tiger! Shit! Tiger! Tiger! wurde dabei im Herbst 2013 die fragwürdige Ehre zuteil, das Subjekt des allerersten Posts in diesem Blog zu sein und hier ist jetzt ihre neueste LP, die erste nach einer über sechs Jahre andauernden Funkstille. Der langsamen Arbeitsweise zum trotz, kann man ihnen also einen ungewöhnlich langen Atem attestieren - die Typen haben mal ganz locker locker die meisten Bands von damals überdauert! Die Entwicklung ihres Sounds über die Jahre macht ausgesprochen Sinn in meinen Augen. Lief ihre exzellente 2013er LP Forever Young noch stark in den Fußstapfen von Noise Pop- und Fuzz Punk-Bands der späten nuller- und frühen 2010er Jahre wie No Age, Wavves und Male Bonding, schlug Corners in 2017 eine deutlich relaxtere, indierockige Richtung ein. Mit der neuen LP findet sich die Band tief im Gebiet des oldschooligen Shoegaze wieder, mit besonders starken Echos von Bailterspace und Swervedriver. Das Tempo wird massiv gedrosselt, ohne dabei jemals langweilig oder schläfrig zu klingen - es bedarf außerordentlicher Raffinesse und mehr als solidem Handwerk in der Songkonstruktion um dieses Ding erfolgreich durchzuziehen und Tiger! Shit! Tiger! Tiger! liefern hier ausnahmslos eine Qualität ab, wie ich sie lange vermisst habe in einer bislang eher traurigen Ära für das Genre, in der die meisten jener Bands fraglos eine beeindruckende Sammlung von Effektpedalen akkumuliert haben, aber nicht die Songs, Energie und Vision besitzen um mehr zu leisten als mich sanft in den Schlaf zu lullen. Das hier, das klingt irgendwie ganz schön alt und dennoch ist das für mich im Jahr 2024 wie ein lange ersehnter Hauch frischer Luft.

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Arse – Kaputt.

Es hat für die Band aus Sydney so etwa ein halbes Jahrzehnt dafür gebraucht aber tatsächlich gibt's hier nun ihre dritte EP zu beglupschen, in ihrem vollen Glanz und endlosen Spektakel. Ihre ureigene Fusion aus Noise Rock, Hard- und Postcore hält die nervöse Energie der Vorgänger aufrecht aber schraubt gleichwohl genug an den Parametern rum um spannend zu bleiben, zum Beispiel in Shame Bomb, worin sich ein von ihnen bislang ungehörter Sinn für Melancholie breit macht. Andererseits kommt man jetzt in Songs wie Level Skipper und Prick in the Franger wieder ziemlich nah an das Tempo und den Zerstörungslevel des Debüts heran nach der etwas zurückhaltenderen Safe Word-EP, während Tracks wie Night Shift Blues erneut all den Dreck und Schmodder des oldschooligen Amphetamine Reptile-mäßigen Geriffes mit zwei Fäusten voll unnachgiebiger Hardcore-Energie vereinen.

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