Die Band aus Walsall, UK konfrontiert uns hier mit einem absichtlich überwältigenden, kompromisslosen und maximal versifften Klumpen aus dissonantem und zeitweise monotonem Lärm, angesiedelt irgendwo an den streitlustigeren Tellerrändern von Post Punk, Noise Rock und Postcore. Interessanterweise sind die meisten Vergleiche, die mir dazu einfallen, schon etwas angestaubt und erinnern mich daran, was für eine unerwartet produktive Dekade die 2010er Jahre für rauen Noise Rock waren, ein Genre in dem ich aktuell eher wenig aufregendes finden kann nach dieser zweiten goldenen Ära mit Bands wie den frühen Metz, USA Nails, Keepers, Overtime, Death Panels, Greys oder - zum Ende der Dekade hin - Vangas, Tunic und John (timestwo). Einige davon haben sich bis heute gehalten. Andererseits erinnert mich der konstante, dichte Nebel aus dissonanten Noise-Texturen stark an die kurzlebige US Post Punk-Sensation Dasher und der Saxophoneinsatz wiederum hat etwas von Nearly Dead, der relativ obskuren australischen Post Punk-Gruppe Fungus Brains oder, wenn ein paar untypisch melodische Obertöne dazu kommen wie in Crime, fühle ich mich an das ebenfalls australische Post Punk / Proto-Noise Rock-Bollwerk X erinnert.
Die neueste in einem, um es mal ganz platt zu sagen, absolut undurchdringbaren Dickicht an Veröffentlichungen, die sich über die letzten paar Jahre auf der Bandcamp-Seite dieser Band akkumuliert haben, liefert ein farbenfrohes Spektakel kurzer und eingängiger Tunes mit einer maximalen Spielzeit von genau einer Minute. Vierzig Songs werden hier in deutlich unter einer halben Stunde abgefeuert irgendwo zwischen den Koordinaten von Garage Punk, Power Pop, oldschooligem Indie Rock und Fuzz Punk. Ziemlich eindeutig weht hier die Fahne alter DIY Punk- und Indie Rock-Helden wie den frühen Guided By Voices, Fastbacks und M.O.T.O, gleichermaßen bietet sich aber auch ein bunter Strauß jüngerer Bands als Vergleiche an, etwa Booji Boys, Print Head, Vaguess und Datenight.
Das Berliner Post Punk-Soloprojekt DBR ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs und hat bislang eine Langspielkassette und ein ganzes Bündel an EPs veröffentlicht, zuerst unter dem Namen Dee Bee Rich, auf späteren Releases dann zu DBR abgekürzt. Die neueste, auf Turbo Discos erschienene Kassette ist dabei mal ganz locker Dee Bees ansprechendstes und vielfältigstes Werk seit einer ganzen Weile, auf dem er die minimalistisch-kleinlaute Ästhetik, in die sich sein Sound graduell hineinentwickelt hat, mit einem ausgeprägten Sinn für Melodie und Eleganz ausstattet, dabei aber weiterhin durchweg verspielt bis verspult rüberkommt.
Fünf ausgezeichnete neue Einschläge aus simpel-eingängig-minimalistischem Synth Punk setzt uns die neueste EP dieser Band aus Dallas vor. Wenngleich der Titel des Openers Q: Where? A: The Square klar auf Devo anspielt, würde ich aber sagen dass der Krempel viel stärkere Anklänge an so Underground-Acts der '70er und '80er á la Minimal Man, Nervous Gender, Screamers, Units, Primitive Calculators oder Visitors aufweist, während in der aktuellen Szene auch Vergleiche zu so Bands wie Victor, O-D-EX, Lost Packages und Freak Genes nicht komplett von der Hand zu weisen sind.
Atlantas Postpunk-Szene schlägt mal wieder zu. Unter anderem ist bei dieser Band wohl mindestens ein (ex-?) Mitglied von Predator mit an Bord. Tatsächlich hat ihr Sound eine gewisse Ähnlichkeit zu jenen, sowie auch zu der anderen einschlägigen lokalen Hausnummer, Nag. Whiphouse bezeichnen sich selbst als Death Rock-Band und in der Tat differenziert sich ihr Sound vor allem durch einen geringfügig prominenteren klassischen Goth Rock-Vibe und eine deutlich simplere herangehensweise an Arrangements und Songwriting. Da gibt's nicht viel dran zu meckern, der Scheiß funktioniert!
Auf der gerade bei den Australiern Urge Records erschienenen dritten LP rückt das Berliner Duo bestehend aus Erin Violet und dem ehemaligen Trust Punks-Frontmann Joseph Thomas ein Stück weit ab von den folkigen Einflüssen zugunsten eines etwas dunkleren, schwermütigeren Sounds, behält dabei aber die alles überspannende Melancholie und die Song-orientierten Qualitäten bei, die schon die zwei Vorgänger weit über die meisten Genrevertreter herausragen ließen und nach wie vor ausschießlich schmeichelhafte Vergleiche mit so Bands wie Public Interest, Marbled Eye, Waste Man, Tube Alloys, Corker, Glittering insects, Public Eye, Kitchen's Floor, VR Sex and Mothers Milk provozieren.
Die neueste LP des Garage-/Synth-/Eggpunk-Bollwerks aus Sydney ist eigentlich mehr eine Sammlung diverser Krümel, Demos und Überreste, die über die Jahre auf dem Proberaumboden liegen geblieben sind. Aber meine Fresse... wenn das hier das B-Material dieser Band repräsentiert, dann lecke ich auch noch bereitwillig den C-Bodensatz vom leeren Fass auf. Das hier ist nämlich mal wieder eine brilliante Platte von Anfang bis Ende und Pflichtprogramm für Freunde der melodischen Fluffigkeit zwischen den Welten von Garage Punk, Fuzz- und Power Pop, all killer no filler!
Atlanta's Post Punk-Sensation Nag bleibt eine kompromisslos kantige Urgewalt, auch auf ihrem neuesten Tape, wenngleich jenes im direkten Vergleich zur ultra-rohen letzten LP Human Coward Coyote fast schon ein bisschen freundlich und zutraulich rüberkommt. Im Kern von jedem Song hier steckt ein eingängiges Hook und ihre Songkonstrukte halten eine perfekte Balance zwischen ihrem berüchtigt stacheligen, rigiden oldschool-Minimalismus und so gerade eben der minimal notigen Menge an leidlich konsensfähiger Ohrenmassage.
Die Band aus Cincinnati, Ohio ist und bleibt ein rares, dem Zeitgeist trotzendes Juwel. Erneut liefern die hier einen makellosen Haufen neuer Banger die gleichermaßen catchy und kraftvoll nach vorne gehen, zu verorten zwischen den groben Hausnummern von Power Pop, Garage Punk, Noise Pop und oldschoolig-melodischem Indie Rock, übersprudelnd mit euphorischen Vibes die mit allen Mitteln unserer dunklen Timeline ins Gesicht spucken. Das geht jedes mal voll ins Schwarze, nicht zuletzt dank bemerkenswerter Kunstfertigkeit in der Kreation einfach-effektiv-eleganter, prefekt ausbalancierter und mit Schmackes performter kleiner Songperlen, die sie im finalen Schliff zu überlebensgroßem Cinemascope expandieren.
Fen Fen aus Detroit haben schon mit einer ausgezeichneten EP in 2022 einige Wellen geschlagen und schieben jetzt eine nochmal deutlich stärkere LP hinterher, die erneut ein bischen lokalen (Proto-) Punk-Flair mit Geschmacksnoten aus Garage Punk, Hard- und Postcore verbindet. Das erinnert doch tatsächlich mal ein bisschen an Nervosas in American Lies und an Dollhouse in Kill Your Parents und desweiteren spult sich das ab wie eine gute Schnittmenge aus diversen Garage/Hardcore-Hybriden wie etwa Launcher, Freakees, Liquid Assets und Mystic Inane auf der stärker Garage- und KBD-infizierten Seite, sowie Bands á la Imploders, Headcheese, Hood Rats, Alf and Cement Shoes von der stärker Hardcore-lastigen Fraktion.