Ah ja, Neutrals haben offenbar eine neue Schlagzeugerin Bassistin, aber ansonsten hat sich erwartungsgemäß nicht viel geändert bei dieser seltsam britisch klingenden Band aus Oakland, Kalifornien. Ihr bislang melodischstes und chilligstes Werk ist das geworden, das sich stärker dem Power Pop zuwendet als den Post Punk-Elementen die hier, wenngleich immer noch vorhanden, klar in den Hintergrund rücken. Was soll ich sagen… die Band hat einfach die hartnäckigen Songs und Melodien, die sich fies im Bewustsein verankern und nicht mehr weichen wollen. Neutrals bleiben ein einzigartiges Juwel im überschaubaren Kreis der Television Personalities und Mekons Tribut-zollenden Bands und neuerdings würde ich sagen, dass da auch noch ein kleines bisschen von The Wedding Present mit drin steckt ins Songs wie Stop The Bypass.
Das exzellente Debüt dieser Band aus Jackson, Mississippi liefert einen bunten Strauß an genüsslich entgleisten kleinen Bangern aus Raketengrtriebenem, Garage-injiziertem, Fuzz-verseuchtem Hard- und Postcore-Scheiß, der fraglos auf Zustimmung treffen wird bei geschmackssicheren Advokaten von so kaputten Hardcore-Phänomenen wie etwa Fried E/m, Mystic Inane, Crisis Man, Rolex, Headcheese, ALF und noch vielen mehr!
Das zweite Tape dieser Band aus, ähm… Tokyo (?) transportiert durchweg soliden, einfachen wie wirkungsvollen Synth- und Post Punk mit Garagenzusatz, der mich ganz besonders an die Franzosen Catalogue und die Belgier Le Prince Harry denken lässt aber auch mit so Bands wie Spyroids, O-D-EX, Mind Spiders, Powerplant, Crime Wave und Liquid Face liegt man sicher nicht ganz falsch… oder eine ernstere Inkarnation der Freak Genes vielleicht? Wie auch immer, der Scheiß funktioniert!
Das Demo der Band aus Jakarta, Indonesien entzückt mit zwei arschtretenden Sprengkörpern aus melodischem DIY Noisepop, nicht ganz unähnlich zu so Bands wie UV-TV, Feature, Joanna Gruesome, Slowcoaches and Star Party, welche dann wiederum inspiration bezogen haben könnten etwa von Fastbacks, den frühen Singles der britischen Fuzz Pop-Hausnummer The Primitives sowie einer Reihe von C86-relevanten Phänomenen und den gesammelten Auswüchsen des Slumberland- und Sarah Records-informierten oldschool Noise- und Indie Pop.
Was soll ich denn hier noch neues erzählen zu einer neuen Gobs-EP? Es sind halt die motherfuckin‘ Gobs! Wenig andere Bands haben ihre Formel für gleichermaßen dummen, überdrehten und abgefuzzten Lo-Fi Garage- und Synth Punk-Wahnsin perfektioniert wie diese Band aus Olympia, Washington. Die operieren weiterhin in ihrer ganz eigenen Gewichtsklasse.
Toller kleiner Leckerbissen, diese Debütsingle einer Band „from the northern americas“. Kick You klingt wie eine Verschmelzung der besten Tendenzen von, sagen wir mal, Radioactivity, Sonic Avenues und Cheap Whine, gewürzt mit einem durchaus tolerablen Pop Punk-Vibe. Violins lässt dann einen satten Hardcore-Anschub in ein seltsames gebräu aus frühen Pixies und Mudhoney münden, veredelt mit leicht psych-lastigen Gesangsharmonien.
Der Garagenspezi D. Sablu aus New Orleans hinterließ schon durchweg positive Eindrücke mit einer Reihe von Demos und Tapes in den Jahren 2020-2022. Auf seinem Langspieldebüt via Yes We Cannibal kommt seine Vision aber erstmals so richtig fokussiert rüber, spannt dabei stilistisch einen recht großzügigen Bogen etwa vom leicht in Richtung Noise Rock/Postcore tendierenden Opener Bomber Stomp hin zu ultra-straighten Garage Punk-Smashern wie Too Much Of The News oder dem Dead Boys-infizierten Stuck In A Rut. Insgesamt hat das so einen gewissen Kid Chrome, Sauna Youth- oder Teenanger-Vibe, macht aber gerne auch mal Abstecher in definitives Hardcore Punk-Territorium etwa in den Detonationen Scandalous und World Peace. Was auch immer D. Sablu hier anfasst wird zu Gold oder wenigstens zu Kupfer auf diesem Album. Nicht zuletzt fühle ich mich auch sehr positiv an die jüngste EP von Jean Mignon erinnert.
Bootlicker aus Victoria, British Columbia, Kanada sind und bleiben eine Urgewalt an der vordersten Front des halbwegs kontemporär aber gleichermaßen ausgesprochen oldschool klingenden Hardcorepunks mit einer ausgeprägten Garagenkante und einem leichten Spritzer Oi!, reichhaltig an griffigen Hooks und durchschlagenden Riffs. Nur die besten Referenzen fallen mir dazu ein, mitunter auch so famose Bands wie die frühen Electric Chair, Chain Whip, Illiterates, Hood Rats, Crisis Man, Headcheese und Imploders.
Die Debüt-EP dieser Eggpunk-Krieger aus Istanbul gehörte klar zu meinen Favoriten des Genres im letzten Jahr und ihre soeben erschienene erste Langspielkassette knüpft nahtlos an den bodenlosen Spaß des Vorgängers an. Will heißen: Unwiderstehlich catchy-quirlig-verschraubte Garage-/Synthpunk-Klopper in einem sehr ähnlichen Bewusstseinszustand zu so Hausnummern wie Prison Affair, Set-Top Box, Beer und Ghoulies! Alles daran klingt für mich nach Musik.
Noch ein stolzer Fang hat hier mal wieder das hypersensible Frühwarnsystem des Garage Punk-Überlabels Feel It Records aus Cincinnati, Ohio ausgelöst. Die Band aus Minneapolis teilt sich unter anderem Mitglieder mit Green/Blue, Citric Dummies und noch einen ganzen Haufen anderer mehr oder weniger einschlägiger Bands und versprüht auf ihrer Debüt-LP einen ultraeingängigen ’77er Vibe, der nahtlos die Welten der frühen US- und UK-Szene vereint, etwa wie eine Verschmelzung von Dickies, Dead Boys und Adverts, aber auch jüngere Bands bieten sich als Referenzen an wie etwa Shop Talk, The Celebrities, Tommy and the Commies, Sick Thoughts, Bad Sports und Tropicana.