Five Bucks – Go Skate / H82W8

Diese Band aus Varese, Italien lässt auf ein sehr spaßiges Demo vom vorletzten Jahr eine noch deutlich geilere 2-Track-Single folgen. Go Skate beschwört eine pulsierende Elektropunk-Ästhetik herauf nicht unähnlich etwa zu Spyroids, Freak Genes, O-D-EX oder der jüngsten Shrudd EP. H82W8 hat dann mehr von einem fluffigen Garage Pop-Vibe so grob im Fahrwasser von Slimex, Daughter Bat and the Lip Stings, Ghoulies, Gee Tee und Busted Head Racket, neben noch vielen anderen.

Mobile – Demo

Ein neuer Release auf Deluxe Bias, dem Marktführer in auf glorreiche Art scheiße klingenden Kassetten von üblicherweise vernachlässigbarer Laufzeit. Und hier haben wir ein weiteres illustratives Beispiel von drei maximal überbelichteten, fuzz-verseuchten Hardcorepunk-Nummern, deren Fidelität gerade eben ausreicht um festzustellen, dass das Zeug mal verdammt auf die Scheiße haut und ich bin darüber hinaus der Meinung, dass der Scheiß absolut perfekt klingt.

Rearranged Face – Far Green Arcade

Nach einer Handvoll schon außergewöhnlich Laune machender EPs bleibt die Band aus Los Angeles auch auf ihrem ersten Langspieler ein angenehm schräges Rätsel, dessen häufig minimalistische aber immer filigran konstruierte Chaosattacken endlos neue Mittel und Wege finden, die etablierten Genre-Tropes und Konventionen zu umgehen. Darin erinnern die mich an einen ganzen Arsch voll doch sehr unterschiedlicher Bands in verschiedenen Momenten. Was ich aber klar sagen kann ist, dass das hier einen ähnlichen kreativen Geist versprüht zu so Vertretern der hyperaktiven Ablenkung wie etwa Reality Group, Patti, Skull Cult, R.M.F.C., Big Bopper, frühe Uranium Club, Print Head, Subtle Turnhips, Shark Toys, Pressure Pin und Meal.

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Shrudd – For Budding Astrophysicists And Backyard Astronomers

Shrudd aus Louiseville, Kentucky sind schon ein paar Jahre unterwegs aber sind erst kürzlich auf kreatives Gold gestoßen mit den Bizarro und Microbiome EPs im letzten Jahr, wobei erstere sich eher mit Hardcore-verwandtem Lärm befasste und letztere stärker in der Garage-/Synthpunk-Ecke verankert war – eine Ästhetik, die auch auf der neuesten EP dominiert und auf welcher sie die stilistischen Schräg- und Verschrobenheiten noch mal deutlich erhöhen. Das Ergebnis hat eine stärkere Eggpunk-Energie und lässt mich gleichermaßen an Bands wie Prison Affair, Victor, Set-Top Box oder Paulo Vicious denken wie auch an gegenwärtige Acts aus der Synth-/Elektropunk-Ecke á la Isotope Soap, Freak Genes, Spyroids und Powerplant.

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Shop Regulars – Shop Regulars

Ich fand es ein bisschen schwierig, mich für die letzten paar von den zunehmend bruchstückhaften, ungezügelt jammigen EPs dieser Band aus Portland rund um Honey Bucket-Frontmann Matt Radosevich zu erwärmen. Mit ihrer ersten richtigen LP-Veröffentlichung meinen sie es aber ganz offensichtlich ernst und kommen mit ihrem fokussiertesten Brocken Musik seit einer ganzen Weile daher. Weniger ist mehr scheint hier die Devise zu lauten und bricht sich Bahn in fünf ausufernden, gleichermaßen monotonen und verspielten (nahezu-) Ein-Akkord-Wundern, in denen an Stelle von Melodien die Texturen und Rhythmen als tragende Elemente herhalten müssen. In der Tat ist das genau die Art von Minimalismus, die frühe The Fall im direkten Vergleich wie Progressive Rock wirken lassen. Paradoxerweise für eine Platte, die sich so wenig um herkömmliche Vorstellungen darüber schert was einen „Song“ ausmacht, hat das ganze einen durchweg unerwartet positiven Vibe in den vermutlich beschwingtesten dreißig Minuten abstrakt-experimenteller Art Punk-Klangkunst, die wir diesen Sommer zu hören bekommen.

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Snooper / Prison Affair – Split

Ein verdammtes Dream Team der gegenwärtigen Eggpunk-Welle macht gemeinsame Sache auf dieser neuen Split-EP in Form zweier Bands, die jeweils schon ihre ganz eigenen, unauslöschbaren Spuren in der Szene hinterlassen haben. Ich meine, ganz ohne Scheiß lässt sich plausibel argumentieren, dass beide Bands im Grunde ihre eigenen Egg-Subgenres aus der Taufe gehoben haben. Und was diese Platte angeht: Wie zu erwarten ist das nicht weniger als ein Killerbündel mit ausschließlich Hits unter der Haube!

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Kids – Repetitiom Variatiom

Hier ist noch mal so ein Qualitätsartefakt des schlaumeierigen Garage-/Post Punk-Hybridgenres, das hier nichts allzu neues oder bahnbrechendes einbringt aber mit wohlkonstruierten Seltsamkeiten entzückt. Genau die richtige Dosis Unberechenbarkeit trifft auf eine Fülle an super-eingängigen Hooks. All das rückt den Krempel grob in die Nachbarschaft von so Bands wie, sagen wir mal, gedrosselten Uranium Club, Vintage Crop, Dumb, Aborted Tortoise, Lithics oder Pinch Points.

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Luxury Apartments – Luxury Apartments

Das ist ja mal ’ne beeindruckende Debüt-LP von dieser Londoner Band, die offenbar schon einige Jahre aktiv ist aber sich reichlich Zeit damit gelassen hat, ihr Schaffen auf einem Langspieler zu präsentieren. Vom ersten Moment an hat das so einen Vibe von Saccharine Trust mit einer Prise Flipper dazu. Outsude Looking In entfaltet sich etwa so als würde ein verlorener Wire-Song mit Volcano Suns und Mission Of Burma kollidieren, sowie mit jüngeren Kreationen von Institute, Peace de Résistance. Animals Eat For Free emuliert zu Beginn vorwiegend The Fall der ’80er Jahre, nimmt dann aber eine unerwartet melodische Wendung im Chorus. Und so ähnlich geht es weiter in dieser so eklektizistischen wie auch geschmackvollen Schatzkammer aus Ideen und Einflüssen, zu denen ich desweiteren so Bands X (AUS), Membranes, Cravats, Fungus Brains, die frühen, noch nicht so stark Dub-getränkten Swell Maps und noch viele weitere Größen des DIY Post Punks zählen würde. Ebenso ließen sich hier aktuellere Bands nennen wie Shark Toys, The Cowboy, Society, frühere Sleepies, die Weirdo-Franzosen Subtle Turnhips oder andere Londoner Bands wie das Garage-Bollwerk der 2010er Jahre, Sauna Youth oder vielleicht auch Tense Men, deren nachträglich in 2018 veröffentlichter Schwanengesang klare Ähnlichkeiten aufweist. Da ist einfach kein Platz für Langeweile zwischen den endlosen Blitzschlägen aus freidrehender Inspiration und Kreativität.

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Neon Lies – Demons

Goth-infizierter Synth Wave gehört ja mal nicht so zu den Genres, für die die ich mich leicht begeistern lasse, zu formelhaft und uninspiriert ist das meiste davon für meinen Geschmack. Die neueste LP von diesem Typen aus Zagreb, Kroatien, der bei mir vorletztes Jahr schon einen bleibenden Eindruck als Support von Nag hinterlassen hat, ist da aber eine erfreuliche Ausnahme. Es ist zwar nich so dass er darauf irgendwas bahnbrechend neues veranstalten würde, aber ungeachtet der simplen und zeitbewährten Essenz, sind diese Songs einfach mal wunderbar ausbalanciert und treffsicher arrangiert, zum Bersten vollgestopft mit eingängigen Hooks und Melodien, aufgeladen mit reichlich Energie und einem sehr vertrauten aber absolut effektivem Sinn für Melancholie. Vielleicht ist das nur meiner eigenen Neigung geschuldet, aber mehr als an typische Synthwave-Kost fühle ich mich hier an Punk-/Garage-relevante Acts erinnert wie Digital Leather (klar, der offensichtliche Vergleich), O-D-EX und ganz besonders die total einzigartige Sex Tourists LP von 2017.

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Work Stress – Sever

Unerwartet geiles Debütalbum von dieser Band aus St. Petersburg, Florida. Das spult sich in etwa so ab wie ein umfassendes Kompendium von so ziemlich allem was sich den gängigen Konventionen und Kategorien des Postcore der 80er bis frühen 90er widersetze. So viel guter Scheiß spiegelt sich da drin, angefangen von den eigenwilligeren Tellerrändern der früh-’80er Szene… man denke z.B. an Minutemen, Saccharine Trust, Crucifucks, Really Red, Dicks und Flipper, ebenso wie die klassische Dischord-Ära sowohl der 80er (Gray Matter, Embrace, Rites Of Spring, One Last Wish) als auch der 90er (Crownhate Ruin ganz besonders). Auch die Touch & Go-Schiene hat da was zu melden (sagen wir mal: Rapeman, Scratch Acid, frühe Shellac) und nicht zuletzt schwingt hier auch das Erbe von Drive Like Jehu mit… und all das ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. In der aktuellen Landschaft würde ich außerdem noch eine gewisse Geistesverwandtschaft zu Bands wie Deodorant, Optic Nerve, Big Bopper und Straw Man Army vermuten. Gleichsam drehen Work Stress hier aber auch das scheinbare Chaos, die unberechenbare Energie selbst im vergleich mit den meisten der genannten Bands noch mal deutlich auf, lassen dabei aber keinen Zweifel dass sie all dem zum Trotz durchaus durchdacht und gezielt agieren. Das bricht sich dann Bahn in so Songs wie Building From Abject Failure, in welchem dissonant vorwärts kriechende Stakkato-Rhythmen sich nahtlos mit unverhofft melodischen Punkhooks abwechseln.

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