Dieses vorzüglich Popo tretende Debütalbum von Brian Alchamaa aka Outside View aus Austin, Texas hat ein sattes all-killer-no-filler 15-Song-Paket für uns auf Lager aus teilweise Synth-veredelten, geringfügig Richtung ’77 tendierenden Garage-Ohrwürmern, von denen einige an den Simplizismus von Buck Biloxi, The Spits, Bart and the Brats erinnern, andere hingegen an die glitzernden Hymnen von so Bands wie Why Bother?, Deletions, Digital Leather und Lost Sounds.
Na das ist ja mal ein bemerkenswerter Scheiß hier! Auf ihrer Debüt-EP kreieren diese Schweden eine Machart des monotonen oldschool Post Punk die zwar mal echt nichts neues erfindet, aber dafür ohne Mühe in allem brilliert, was diese Band anfasst in einer Ästhetik, die sich gleichermaßen geradlinig, elegant und meisterhaft vorangetrieben gibt. Das hat ein bisschen was von Wire, MX-80 und Crass bezüglich der alten Haudegen, und von Nag und Institute in jüngerer Zeit… und auch einen Hauch von The Estranged kann man dem letzten Track Empty & Blue bescheinigen. Ausgesprochen einfach gestrickt und so verdammt gut ist das!
Nach der Debüt-LP, einem überfließenden Fass von purem Power Pop-Spaß dieses Australiers, der auch in so hochgeschätzten Bands wie R.M.F.C. und Gee Tee mitmischt, transportiert sein neuestes Album mehr vom gleichen guten Stoff aber zeigt gleichsam auch ein Wachstum als Songwriter und eine neue Liebe zum Detail. Wo auf dem Vorgänger die Songs stellenweise noch etwas gleichförmig und klinisch klangen, strahlen seine Songkünste hier umso heller und vielfältiger, wozu auch eine durchweg angemessene Produktion beiträgt (nicht zuletzt: echtes Schlagzeug statt Drum Machine), die genau die richtige Balance trifft zwischen Dreck und Feinschliff um seine simplen Garage-/Fuzz Pop-Melodien vor Freude und Energie Funken sprühen lassen.
Die sechs Songs auf der Debüt-LP dieser Band aus Leeds lassen sich reichlich Zeit um die Grooves und Texturen ihres kühl-analytischen Post Punk einwirken zu lassen in stetig ausufernden, leicht krautigen Endlosschleifen, die sie hier in eine spezielle Form gießen, welche mich einerseits an so Richtung Postcore und Noise Rock tendierende Acts wie John (timestwo), Metz, Cool Jerks und frühe Greys erinnert, gleichermaßen aber auch etwas von Post Punk-Bands á la Criminal Code und The Cowboy hat. Ganz besonders sehe ich da aber noch eine geistige Verwandtschaft zu der kürzlichen Machiavellian Art-LP, von der diese Songs sich in etwa als eine beschleunigte und entschlackte Variante begreifen lassen.
Für meinen Geschmack waren bisherige Veröffentlichungen von Why Bother? aus Mason City, Iowa häufig etwas durchwachsen, wobei die unbestreitbaren Highlights aber duchaus für jeden Song zu entschädigen wussten, in denen das Songwriting einen Tacken zu halbgar war oder die Performance nicht so recht zünden wollte. Mit der Zeit hat sich ihre Hits-zu-Fehlzündungs-Rate aber klar verbessert und ihr neuester Langspieler liefert ihr bislang stärkstes Set an saumäßig eingängigen Ohrwürmern ab, das wie üblich Elemente von ausgesprochen simplen ’77er Vibes, Bruchstücken von Power Pop und auch reichlich an kontemporärem Garage- und Synth Punk zu einem beeindruckenden Feuerwerk aus unaufhaltsamen Hooks und Melodien verschmilzt, dem es dabei auch keineswegs an stilistischer Breite mangelt.
Dieses schnuckelige neue Tape einer Band aus Los Angeles hat für uns eine Ladung des so lärmigen wie auch hyperaktiven Synth-/Electro Punks, der sich irgendwie vage nach Klassikern der ’70er und ’80er anhört aber dann doch keine ganz treffende Ensprechung in jener Ära findet, wobei ich aber sagen würde dass Primitive Calculators und Nervous Gender keine ganz abwegigen Vergleiche wären. Darüber hinaus kann man auch gut Parallelen ziehen zu einer Reihe ziemlich unterschiedlicher jüngerer Bands wie Lost Packages, ISS, Spyroids, Skull Cult und Freak Genes, plus eine Prise von hybridem Garage-/Post Punk á la Tyvek und Shark Toys in gitarrenlastigeren Tracks wie Ford Branca.
Ein hochwertiges Dungeon-Artefakt kommt da angerollt von einer Band aus Montreal, die hier einen unglaublichen Sprung vorwärts macht von ihrem noch stärker in einem oldschooligen Black Metal-Purismus verankerten ersten Tape hin zu einem stärker Punk-lastigen, ambitionierten Unterfangen, das auch sehr putzig in eine Reihe passt mit jüngeren Erscheinungen der primär schwarzmetalligen Unterkategorie des Dungeon Punk-Umfelds, insbesondere der jüngsten Bloody Keep LP und weiteren Bands wie Warlock Corpse oder den blackened Synth Punks Drýsildjöfull, wobei Conifère ihren epischen Kreuzzügen aber ein ganz eigenes Geschmäckle verpassen in der Form von spät-’90er Post- und Emocore-Unterströmungen, von denen diese Kassette durchzogen ist.
Der Nachfolger zur exzellenten, auf Automobile hyperfixierten EP aus dem letzten Dezember strafft und optimiert mal ganz deutlich das strukturelle Fundament der Songs dieser Punks aus Melbourne und diversifiziert gleichzeitig ihr musikalisches Spektrum, was in einem stärkeren Post Punk-Vibe resultiert und gleichsam auch klar ihrer lärmigsten und wuchtigsten Attacke bisher, selbst dann wenn sie wie in TV Screen zu einem midtempo Post Punk-Jam ansetzen, wohingegen der Rausschmeißer Tough Cunt noch einmal viel von der Hardcore-Energie mitbringt, die das frühere Schaffen der Band prägte. Wie auch immer, mich erinnert das an so viel großartiges aus dem letzten Jahrzehnt und mitunter an so Bands wie Romance, Vexx, Cel Ray, Gen Pop, Warp, Downtown Boys, Fugitive Bubble und Warm Bodies, um nur ein paar zu nennen… und vielleicht auch eine leise Ahnung von den alten australischen Noise Rock-/Post Punk-Haudegen Fungus Brains? Explosiver Scheiß ist das auf jeden Fall!
Nach der spektakulären Debüt-EP vor einigen Wochen liefern Temporary Curse aus Austin, Texas ein ungleich kruderes, unpoliertes – aber nicht weniger aufregendes – Bündel neuer Tunes nach, die sich allesamt in den exzentrischeren Sphären des Garage-/Synth-/Eggpunk-Spektrums aufhalten. Weniger catchy insgesamt, dafür aber hochenergetisch, gibt das einen durchweg soliden Nachfolger ab für eine EP, die ehrlich gesagt auch nicht leicht zu toppen war und auch als die schwächere von beiden Veröffentlichungen ist das dennoch ein unglaublich Spaß machender Klumpen des exzentrischen Lärms.
Irgendwie scheinen die Kids ja wieder auf Shoegaze zu stehen in den letzten Jahren und doch passiert da irgendwie herzlich wenig, wofür ich mich begeistern kann in einem Umfeld, in dem die meisten Bands sich völlig damit zufrieden geben, ein austauschbares Bett aus leichter Ambient-Hintergrundberieselung zu erzeugen auf dem man zugegebenermaßen ganz gut einschlafen kann, dem es für andere Anlässe aber an Biss und Lärm mangelt und der die Songsubstanz, den Punk-Antrieb und die Energie früherer Generationen vermissen lässt. Mopar Stars aus Philadelphia sind da mal eine ganz andere Angelegenheit und eine durchweg erfreuliche Ausnahme, die den Geist etwa von Swervedriver, Pale Saints und frühen Catherine Wheel wiederbelebt und gleichzeitig die Klangpalette um Tugenden des eleganten Powerpop-Songwritings der ’70er bis ’80er Jahre erweitert, zu einem Resultat das mich besonders noch mal an das frühe Schaffen in den späten 80ern vom britischen Noise Pop-Act Mega City Four erinnert.