Die dritte EP dieser Band aus Stockholm macht unmittelbar mal einen ausgezeichneten Eindruck mit einem moderat exzentrischen und abwechslungsreichen Mix aus Garage-, Post-, Synth- und Art Punk der geringfügig Devo-mäßigen Machart, zu dessen Tugenden und Referenzen auch etwa das quirlige Chaos von Skull Cult und Jelly Belly gehört, die ’80er Synth Punk-Flashbacks jüngerer Isotope Soap, etwas Psychedelia á la Mononegatives und die Unvorhersehbarkeit von Pressure Pin. Auch eine erfreuliche Überraschung: Der Bonus-Remix des pulsierenden Rausschmeißer-Tracks Wendy Got Balls, der tonnenweise von einem aus der Zeit gefallenen retro ’80er 12″ Disco Edit-Charme mitbringt.
Unsere liebsten Garage-Franzosen Bart and the Brats verändern sich nie großartig, die konstant hohe Qualität ihres Outputs glücklicherweise aber auch nicht. Yup, das ist genau diese dumme und simple Machart des Garage Punk die wir kennen und lieben mit Anklängen etwa an Buck Bolixi, Spits, frühe Sick Thoughts, Uglies und The Dirts. Ich glaub davon werde ich niemals zu viel kriegen.
Horror-/Dungeon-affiner Garage Punk aus Houston. Ausgebombt, moderig riechend und ausgesprochen grob, erinnert mich dieser Scheiß an so Größen wie frühe Strange Attractor, Neo Neos, Lumpy & The Dumpers, Stinkhole und Research Reactor Corp. Alles davon klingt wie Musik in meine Ohren, auf jeden Fall mehr als was du vermutlich gerade hörst.
Diese schon recht lange bestehende, aber ausgesprochen langsam agierende Band aus dem niederländischen Breda habe ich bisher weitgehend (zu unrecht) ignoriert aber umso kraftvoller katapultieren sie sich dafür jetzt auf meinen Radar mit ihrer dritten und fraglos stärksten LP, auf der sie ausgesprochen potente Songwriting-Qualitäten in eine sehr wandlungsfähige Klangästhetik verfrachten, die irgendwo zwischen oldschooligem, manchmal psychedelischem Garage- und Fuzz Punk, sägendem Noise- und Power Pop sowie auch einigen pulsierenden Elektropunk-Ausbrüchen alterniert. Zugegeben, zwei mal feuern sie für meinen Geschmack daneben wenn sie sich etwas zu weit in überzuckertes oh-so-fucking-twee ASMR-Territorium begeben aber hey, zehn von zwölf ist doch mal eine durchaus respektable Trefferquote und in den besten Momenten klingt das für mich nach einer sehr garagigen Version der frühen Fastbacks.
Neuer Scheiß von Midgee? Super, da nehm ich zwei von. Oh, und neue Songs von Electric Prawns 2 obendrein? Halts Maul und nimm mein Geld! Midgee aus Melbourne beweisen sich hier erneut als eine sichere Bank für Fans von verspulter Synth-/Garage-/Eggpunk-Qualität im Fahrwasser von so Bands wie Prison Affair, Nuts, Set-Top Box oder Beer. Ungleich ambitionierter und variabler kommen dann die vier Songs der Garage-Sensation Electric Prawns 2 aus Moffat Beach rüber, wobei sie sich hier überwiegend auf der sonnigen Seite ihres musikalischen Spektrums bewegen in einem saumäßig eingängigen Bündel von kompakten Smashern die unter anderem ähnliche Tugenden und Qualitäten aufweisen wie man sie etwa auf den Jüngsten Billiam-Veröffentlichungen oder manchen Alien Nosejob-Platten vermuten würde.
Die vierte EP von Piss Wizard aus Melbourne vereint ihre bislang am wenigsten schrottigen Produktionswerte mit ihrem stärksten Bündel neuer Tunes soweit, in ihrem patentierten und abartig rohen Mix aus Fuzz- und Hardcore Punk mit Garagengeschmack, den sie darüber hinaus noch mit reichlich Surf-Twang, Rockabilly-Gitarrenleads und Noise-verseuchten Texturen ausstatten. Der Scheiß kommt so kränklich, stinkend und hochansteckend rüber dass es ein einziger perverser Spaß ist.
Die Debüt-EP dieser Band aus Brisbane entzückt mit vier energischen Detonationen aus schnörkellosem Garage Punk/-core, einem Hauch von Death Rock im ersten und letzten Track, einen deutlichen Protopunk-Unterton und einem konstanten Einfluss von ’70er/’80er Cock Rock – eine etwas unwirkliche Mischung die mich besonders an so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Tarantüla, Flea Collar, Polute und das frühe Zeug von Electric Chair erinnert.
Wertiger Scheiß von einer Band aus Salt Lake City, Utah auf ihrem zweiten Tape. Ausgefuzzter Lo-Fi Hardcore Punk, dessen raubeinige Eigenheiten etwa prädestiniert erscheinen für einen Kassettenrelease auf Impotent Fetus oder Deluxe Bias mit gewissen oldschool Westküsten-Tendenzen ebenso wie einem roh polternden KBD-Vibe, ein paar Exzentrizitäten á la Flipper und Broken Talent und ansonsten auch einer gewissen Nähe zu aktuelleren Bands von mehr Garage-mäßigen Acts wie wie Launcher, Liquid Assets und Freakees bis hin zu Hardcore-Artefakten der Sorte Insane Urge, Youth Regiment, Motor Corp und Tupperware.
The Dumpies aus Astoria, Oregon sind schon eine Weile unterwegs und waren von Anfang an eine durchweg liebenswerte Angelegenheit, aber haben meines Erachtens erst vor kurzem einen gewaltigen Qualitätssprung signalisiert in Sachen Energie, stilistischer Vielfalt und Songwriting-Potenzial mit ihren Songs auf der Split EP mit Night Court (von denen die meisten hier nochmal vertreten sind). Ein Versprechen, das sie ohne Zweifel einlösen auf dieser unglaublichen neuen LP, auf der sie endlose Iterationen durchspielen von Powerpop-infiziertem (Garage-)Punk, melacholischen Indierockern und auch zahlreichen Attacken von quergedachtem Hardcore Punk in einem einzigen, bemerkenswerten Ausbruch von ungezügelter Kreativität, krudem Humor und exzentrischen Fixierungen. Da ist nicht ein Partikel von Füllmaterial in diesen satten 19 Songs, von denen keiner sein Ziel verfehlt.
Die vorherige LP dieser Band aus Cincinnati, Ohio, die obendrein einige Mitglieder von The Drin mit an Bord hat, war ja schon ein herausragendes, wenn auch nicht so wahnsinnig originelles Post Punk-Album, aber auf ihrem zweiten Langspieler erklimmt die Band nochmal ein ganz neues Level – alles an diesen Songs und Arrangements wirkt fokussierter, aufwendiger und bewusster konstruiert als zuvor. Das überwältigende Gedränge des Vorgängers weicht hier einer neuen Klarheit, präzisen Strukturen und einem bislang ungehörten Sinn für Melodie und Melancholie, insbesondere in Distant Dawn, Dependency und Nothing in None. Im großen und ganzen ist das hier ein ähnlicher Quantensprung wie das jüngste Marbled Eye-Album, auf dem sehr ähnlich eine bereits herausragende Band die Limitierungen ihres jeweiligen Genre-Umfelds transzendiert und genau deshalb fühlt es sich jetzt auch etwas billig und reduktiv an, Referenzen aufzuzählen aber um der Orientierung willen sag ich jetzt trotzdem mal so: Der Scheiß ist absolutes Pflichtprogram für Freunde von so Zeug wie den erwähnten Marbled Eye, Waste Man, Negative Gears, Rank/Xerox, Tube Alloys, Nag, VR Sex und Public Eye.