Cult Crime – Cult Crime

Cult Crime aus Toronto fielen bereits ausgesprochen positiv auf mit einem Demo und einer 7" in '23 und '24. Ihr Langspieldebüt hält sich jetzt erneut weitgehend an die bewährte Formel und liefert neun schnörkellos geradeaus gehende Garage Punk-Geschosse ab die gleichermaßen in den Klangparametern der '77er Ära wie auch im frühen Hardcore Punk verankert scheinen und ich bin mir ziemlich sicher dass hier unter anderem auch ihr Stiefellecker von so Bands wie Sick Thoughts, Bart And The Brats, Jean Mignon und Hood Rats Gefallen dran finden werdet.

Album-Stream →

Silicon Heartbeat – Final Transmission

Silicon Heartbeat sind schon seit einigen Jahren eine konstante Präsenz an der Peripherie des 12XU-relevanten Klangspektrums und dennoch, so scheint es, habe ich sie bisher noch mit keinem Blogpost gewürdigt (sie sind euch jedoch mit Sicherheit schon auf der einen oder anderen Verspannungskassette begegnet). Das gehört natürlich sofort korrigiert und ihre neueste EP ist der perfekte Anlass dazu, hält jene doch nicht nur einige ihrer stärksten Songs bisher parat, sonden profitiert zusätzlich von dem Produktions-Zauber des Garage-Alleskönners Erik Nervous, die hier für reichlich Druck und Kontur sorgt in ihrem geringfügig Spits-beeinflussten, eingängigen und psychedelischen Sound aus Synth- und Garage Punk. Ich hoffe mal es ist - dem Titel zum Trotz - nicht das letzte, was wir von Silicon Heartbeat zu hören bekommen.

Album-Stream →

96 Cougar – Forklift Rodeo

Was für eine schicke kleine Anomalie, die zweite EP von Forklift Rodeo aus Chicago. Darauf verquirlen sie einige Ladungen von wunderbar kaputtem Cowpunk mit leichten Spuren von klassischen, AmRep/Touch&Go-mäßigem Noise Rock und Postcore und zeitweilig auch einer gewissen Eggpunk-Qualität, wobei ich aber eher an frühe Skull Cult denke als an die inzwischen geringfügig kodifiziertere, aktuelle Welle des gepflegten Lo-Fi-Wahnsinns. Apropos Lo-Fi... das ist diese Platte definitiv nicht und die polierten Produktionswerte bewirken einen ungewohnten Glanz und eine klangliche Tranzparenz für ihre unvorhersehbaren, verworrenen Songkonstrukte, die es tatsächlich auch gar nicht nötig hätten, sich hinter einem schützenden Schleier aus Lärm und Dreck zu verstecken.

Album-Stream →

Nourishment – Nourishment

Hochwertiges neues Dungeon Punk-Material kommt da von einer mysteriösen Band, die aus irgendeinem unspezifizierten dunklen Wald in den vereinigten Staaten operiert. Ihre Herangehensweise an den ganzen "blackened" Punk-Komplex attackiert das Genre von einem stark Richtung Post Punk und Goth-/Death Rock tendierenden Winkel aus und verkleidet dabei ihre voll ausgeformten und durchdachten Songstrukturen in einer wunderbar abgefuckten LoFi-Ästhetik, die mich an einen kleinen Strauß halbwegs aktueller Genre-Vertreter wie etwa Conifère, Unsheather und Bloody Keep erinnert.

Album-Stream →

Marathon ’77 – The Park Street Studio Sessions

Die jüngste EP dieser Band aus Philadelphia entzückt mit fünf schön zurückgelehnten Perlen des geringfügig neben der Spur agierenden, schrammeligen Indie Rock und Slacker Punk, zu verorten irgendwo zwischen so Indierockern wie Treehouse, Kitchens Floor, Thigh Master oder aktuell auch den Ungarn Dehidratált Fejek auf der einen Seite der Gleichung - und den etwas exzentrischeren Sounds etwa von Damak, Honey Bucket, Germ House und Far Corners auf der anderen, wobei der Übersong Artifact ein bisschen so klingt wie die staubigen Acid-/Roots-/Garage Rock-Fusionen von Weak Signal vermischt mit dem eingängig-fuzzigen Garage Pop von The Wind Ups.

Album-Stream →

Glitter On The Mattress – Love Songs

Diese zweite EP von Esmé Newman aka Glitter On The Mattress aus Gateshead, England besticht mit vier perfekt überzuckerten Häppchen aus oldschooligem Noise-/Indie-/Fuzz Pop, die eigentlich nur ein bisschen Bandrauschen bräuchten um mich davon zu überzeigen, es handele sich um ein vergessenes Artefakt der '80er Kassettenkultur. Gleichsam hat das aber auch einiges gemeinsam mit Bands der vergangenen zwei Jahrzehnte wie Feature, UV-TV, Private Lives, Slowcoaches, Star Party, frühe Vivian Girls oder neulich auch das indonesische Wunder Crayon Cats. Keine Frage, unprätentiöser, fuzziger DIY Pop ist auch in dieser Ära bei bester Gesundheit.

Album-Stream →

Garbanzo – Grub

Für unsere wöchentliche Dosis des ausgesprochen toten Eggpunks zeichnet eine Band irgendwo aus Pennsylvania verantwortlich. Jene fiel bereits positiv auf mit einem 2023er Demo sowie einer Split-EP mit RONi im letzten Jahr und liefert auf ihrem neuesten Tape ihr kräftigstes und ansprechendstes Material soweit ab mit einem durchaus vertrauten Vibe so á la Beer, Raya, Winky Frown, Midgee, Goblin Daycare oder Pringue.

Album-Stream →

Punter – Australienation

Punter aus Melbourne zeichneten bereits für ein starkes Demo und eine brilliante 2023er EP verantwortlich, aber wenn du glaubst viel besser könnte es nicht werden, dann halt dich jetzt gut fest! Aufbauend auf der schon vertrauten Mischung aus gelegentlich Metal-infiziertem, wunderbar schmierigem Hardcore- und Garage Punk á la Polute, Cheap Heat, Cement Shoes oder Cülo, nicht vor epischen Gitarrensolos zurückschreckend und mit weiteren Ähnlichkeiten etwa zu Postcore-Acts wie Dollhouse, Flea Collar und der Melancholie, dem überlebensgroßen Drama von Pist Idiots und Split System, sind das dreizehn perfekt kalkulierte Präzisionsschläge, jeder davon leitet gekonnt ein solides Drama in seinen Lauf, um im dritten Akt unfehlbar in Flammen aufzugehen. Jau, diese Ausbrüche des Jet-getriebenem Rock'n'Roll sind bombenfest verankert in einem Fundament von ultrasolider Songkonstruktion, viel smarter und aufwändiger als man es auf den ersten Blick vermuten würde und gewürzt mit einer Fülle von unerwarteten Schnörkeln und Stilblüten die dennoch niemals den Bogen zu überspannen drohen. Selbst die extravaganteren Akzenze wie der Einsatz von Orgel, Dudelsack, ja sogar einem epischen Saxophon-Solo im abschließenden Track It Aint Pretty, verfehlen nie ihre Wirkung.

Album-Stream →

Yuasa-Exide – Hyper At The Gates Of Dawn

Auf ihrem schätzungsweise hundertsten Release in nur drei kurzen Jahren hat diese Band irgendwo aus dem Bundesstaat Minnesota eine durchweg verzaubernde Klanglandschaft von zeitloser Coolness erschaffen, die Elemente aus relaxtem und schrammeligem, unverschämt eingängigem Noise Pop und Indie Rock mit einer winzigen Dosis Shoegaze und altertümlichem Sarah Records-Indie Pop kombiniert zu einem irre appetitlichen Resultat, das gelegentlich so rüberkommt wie ein Mix aus den powerpoppigen Ausläufern des Bevis Frond-Spektrums, Flying Saucer Attack, Guided By Voices in ihrer LoFi-Ära und vielleicht auch einem Hauch von Eric's Trip, Sebadoh und Archers Of Loaf? Außerdem hat's auch eine gewisse Qualität vom '80er Flying Nun Records-Umfeld wie The Clean und The Stones. Arbeiten wir uns langsam an aktuellere Referenzen heran, mag man auch Verwandtschaft erkennen zu den verschwommenen Klangskizzen von frühen Rat Columns oder The Molds, dem verträumten Indie Rock von Treehouse, den frühen Werken von Male Bonding und Wavves oder, erst kurzlich, der LoFi-Nebelfront der Italiener Purp und den hartnäckigen Indie Rock-/Noise Pop-Ohrwürmern von Vacation.

Album-Stream →

Baghed – Smear Campaign

Nach ihrer schon durchweg beachtenswerten, noch deutlich Egg-mäßiger klingenden 2023er EP kommt diese Band aus Reading, Pennsylvania jetzt aber mal so richtig in die Gänge mit ihrem ersten Langspieler und einem Sound, der konstant auf der Grenze zwischen Garage- und Hardcore Punk balanciert ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen - diese Songs halten sich recht treu an etablierte, simple Garage-Formeln aber verdammt, machen die mal alles richtig dabei! Was so dumme wie spaßige Rock'n'Roll-Rifforgien angeht, holen die hier mal so ziemlich das Optimum aus den vorhandenen Mitteln.

Album-Stream →