Necron 9 / SSIK / Hood Rats

Necron 9 aus Milwaukee hinterließen ja schon einen ausgezeichneten Eindruck mit einer Reihe von Demos und EPs und ihr "Lang"-Spieldebüt konsolidiert jetzt alle Tugenden davon zu einer ordentlichen Verkettung von Sprengsätzen mit denen sie so kompakt und durchschlagend rüberkommen wie nie zuvor. Ihrer Herangehensweise an moderat Motörpunk- und Garage-beeinflussten Hardcore wohnt einerseits eine ausgesprochen minimalistische oldschool-Ästhetik inne, fühlt sich gleichzeitig aber auch sehr kontemporär an in der Art wie bewährte Hardcore-Riffs und -Strickmuster hier mit einer Fülle an schrägen Ideen, unerwarteten Schlenkern und einer überdurchschnittlichen Frequenz ansteckender Hooks verschweißt werden, perfekt ausbalanciert mit einer verschwitzten, rohen, entfesselten Performance.

Von ähnlichem Kaliber aber noch ein gutes Stück ungewaschener ist dann die neue EP von SSIK aus Kelowna, British Columbia, Kanada, die sich hier weitgehend an etablierten Genre-Mustern orientieren aber gleichsam jeden Nagel auf den Kopf treffen mit ihrem einfach gestrickten Lärm, verpackt in eine super-tighte Darbietung von unnachgiebiger Kraft.

Abgerundet wird diese durchaus starke Hardcore-Woche mit einer neuen 2-Track-Single (und offenbar auch zukünftigen 7"), die wie von ihnen gewohnt vor allem das Bindegewebe zwischen Garage- und Hardcore Punk strapaziert in ihrer unverwechselbar arschtretenden, patentierten Machart. Die Songs an sich sind scheinbar nicht so wirklich neu, waren die gleichen Aufnahmen doch schon mal auf einem älteren Tape aus dem Hause Girlsville vertreten. Egal, für mich sind die jedenfalls neu und mehr Hood Rats passen mir immer in den Tee!

Album-Stream →

Nourishment – Coiled Cross

Das passiert mir immer wieder: Da hab ich mir vor so zwei Wochen doch ein Loch in den Bauch gefreut anlässlich einer neuen Nourishment EP, nur um dann kein Bookmark zu setzen und die Sache in der unnachgiebigen Flut an Veröffentlichungen der letzten Wochen aus dem Auge zu verlieren. Nu ja, jetzt fällt mir das Ding wieder ein und die Klangparameter darauf unterscheiden sich nicht allzu sehr vom Erstling dieser Blackened-/Dungeon Punk-Band von unspezifischer US-Herkunft, wenn auch die Produktionswerte hier moderat erhöht wurden. Wie zuvor schon begeistert die Platte mit einem eigentümlichen Spin auf das Genre, der sich großzügig an Einflüssen aus düster Goth-lastigem Post Punk und oldschooligem Death Rock bedient.

Album-Stream →

Beer – Beer III

Die eierigen Bierpunks aus Charleston, South Carolina haben schon wieder eine essenzielle neue Veröffentlichung am Start für Genre-Aficinados und ich hab dazu überhaupt nichts neues zu sagen. Wie schon die Vorgänger ist das einfach verdammt guter - wenn auch nicht zwangsläufig origineller - Scheiß, den Freunde von so Bands im Fahrwasser von Prison Affair, Set-Top Box and Winky Frown, Raya, Möney und Goblin Daycare sich auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.

Album-Stream →

Motorbike – Kick It Over

Hatte ihre 2023er Debüt-LP noch mehr den Charakter einer bunt gemischten Tüte voll unterschiedlicher Styles und Geschmäcker, kommt das neue Album deutlich homogener daher von dieser Band aus Cincinnati, Ohio, in der unter anderem Mitglieder von The Drin, The Serfs, Vacation und Crime Of Passing mitmischen. Der rote Faden hier ist ein vergleichsweise schmieriger, hardrockiger Garage Punk-Sound, der vereinzelt auch mal die Grenzen zum Dungeon- und Motörpunk-Territorium ankratzt und starke Parallelen zu so Bands wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Cheap Heat, Pïss Bäth oder auch einer Reihe von australischen und neuseeländischen Bands wie Hög, Polute, Split System aufweist, oder vielleicht auch zu Alien Nosejob's Sleaze Rock-LP Stained Glass vor geraumer Zeit. Dennoch ist hier noch reichlich Raum für Nuancen und Abwechslung. Currency hat einen starken Feel von klassischen Saints, Radio Birdman und Scientists während Afraid Of Guns antriebsstarke Power Pop-Harmonien mit psychedelischen Obertönen und Texturen anreichert. Und wo wir schon bei letzteren sind: Im krautig-abgespaceten Gears Never Dry werden mal die Connections zu The Drin ziemlich offensichtlich. Quite Nice und im etwas geringeren Maße What Have I Done versprühen einen vernebelten, leicht Cowpunk-mäßigen Heartland Rock-Vibe, Nie Wrócimy hat ein bisschen von einer MX-80 Proto-/Art Punk-Energie und dann wären noch die vier Bonus Tracks der digitalen Ausgabe nicht zu unterschlagen, unter denen etwa die power-poppigsten Songs des Albums - Error und Flowers - sowie das stark Wire-infizierte Ffion besonderer Erwähnung wert sind.

Album-Stream →

Dumbells – Up Late With

Der neueste Release auf dem konstant brillianten Total Punk-Sublabel Mind Meld ist erneut ein erstaunliches Unikat von den äußeren Rändern des erweiterten Garage Punk-Universums, erschaffen von einer Band aus Sydney, die unter anderem Mitglieder von Shrapnel, Gee Tee und Satanic Togas mit an Bord hat, wobei Schrapnel aber die offensichtliche Referenz hier sind angesichts dieser eleganten und vollendeten Kompositionen aus zeitlosem Art Rock, Jangle- und Power Pop mit vagen Echos etwa von The Soft Boys, The Bevis Frond, Television und nicht zuletzt auch von jüngeren Phänomenen wie z.B. Treehouse, Honey Radar, Good Flying Birds, Kitchen's Floor, Chronophage oder Violent Change.

Album-Stream →

Nylon – Inflatable World

Nach einer kurzen, auf ihrer ersten EP dokumentierten Experimentierphase kam diese Band aus New Jersey mal so richtig in die Gänge auf einer Split-EP mit Operants und nachfolgend einer weiteren starken 2-Track Single. Ihr neuester Kurzspieler erhöht die Messlatte ein weiteres mal für ihren Mix aus Garage Punk und verwinkeltem Post Punk mit Egg-Zusatz, der hier so selbstbewusst und mühelos rüberkommt wie nie zuvor und an solche Boten des verspulten Chaos erinnert wie etwa Skull Cult, Pressure Pin, Trashdog, Checkpoint, Patti, Titanium Exposé, Reality Group, Big Bopper oder Belly Jelly.

Album-Stream →

Null Tone – Kutt

Mehr althergebrachte, fuzzige (Garage-)Punk-Qualität von einer Band aus Oslo, die sich in etwa so abspult wie eine Inkarnation der frühen Sick Thoughts oder Bart and the Brats, die einen komplette Gedächtnisverlust erlitten hat bezüglich allem, was so grob nach '82 passiert ist. Der Scheiß funktioniert tadellos, weil das zugrundeligende Songmaterial an keiner Stelle schwächelt und auch die ausgezeichnete quasi-Coverversion von Devo's Mongoloid fühlt sich hier wie eine absolut logische und natürliche Maßnahme an.

Album-Stream →

Rhoads – Idiopathic

Diese Band aus Thunder Bay, Ontario liefert hier eine durch und durch überzeugende Debüt-EP ab, auf der sie einen substanziellen Garage-Vibe mit Postcore der alten Drive Like Jehu/Hot Snakes-Schule vermischen zu einem explosiven Resultat, das mich etwa an die großartigen Wymyns Prysyn erinnert neben einer Reihe weiterer, unterschiedlich stark verwandter Phänomene á la Rifle, Dollhouse, The Hammer Party, Mutual Jerk, Postman, Nag und Kids Of Zoo.

Album-Stream →

Z.O.L. – Zwei Oktaven Langsamer

Die Leipziger Szene schlägt mal wieder zu mit diesem netten kleinen Tape voll mit zeitlos-rumpeligem DIY Punk, der in etwa die Klangästhetik von S.Y.P.H. zu channeln scheint aber den Krempel erfolgreich in einen kontemporären Kontext verfrachtet, nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Narkose, Maske, Die Verlierer oder sehr frühen Pisse. Ganz unerwartet ist da aber auch noch eine leichte Unterströmung von The Gun Club vorhanden, die sich in so Songs wie Relax Like A Puu und ganz besonders Copy Man zeigt und dessen unerwartetem Slide Guitar-Einsatz.

Album-Stream →

Snarewaves – Str8 From The Basement

Eine neue kurzspielende Dosis des klanggewordenen Wahnsins kommt hier mal wieder von dieser Ein-Mann-Band aus Lansing, Michigan und wer hätte es gedacht: Es ist erneut eine ganz entzückende Attacke aus chaotischem Synth-/Elektro-/Sample Punk der so stark durch den LoFi-Fleischwolf gedreht wurde, dass ich etwa im Opening Track nicht so genau weiß ob ich da jetzt eine Gitarre höre oder einen ramponierten Synth. Hochwertiges Futter also für Freunde von ähnlich verstörenden Geräuschen im Fahrwasser von Beef, ISS, Heavy Metal, Klint, Spyroids, R. Clown oder Kerozine.

Album-Stream →