Das aus Hattiesburg, Mississippi operierende Label Earth Girl Tapes hat hier erneut ein köstliches Häppchen für uns parat mit den Debüt-Tape von Cucuy aus Chicago. Das sorgt für sechs ordentliche Erschütterungen aus Noise-lastigem und wunderschön schrägem Hard- und Postcore, der Chaos und Dissonanz perfekt ausbalanciert gegenüber einer überduchschnittlichen Musikalität. Das erinnert mich ein bisschen an das unkonventionelle frühe Schaffen von Minutemen, Really Red und Saccharine Trust, hat aber auch einiges gemeinsam mit jüngeren Phänomenen wie Rolex, Launcher oder Mystic Inane.
Exzellenter Scheiß dringt da aus irgendeinem Kellerloch in Bremen. Die Machart des satt angetriebenen Garage Punks dieser Band entfaltet sich ein bisschen wie eine Mischung aus mehr oder weniger Hardcore-lastigen Acts wie Vexx, Warm Bodies, Fugitive Bubble, Sniffany and the Nits, Warp, Skin Tags und Dots einerseits, aber auch mit Anklängen an stärker im zeitgenössischen Eggpunk beheimateten Bands á la Cel Ray, Snooper, Prison Affair, Autobahns oder Beer.
Hattiesburg Hardcore enttäuscht selten und auch dieses Tape der Silo Kids stellt erneut das explosive Potenzial dieser Szene unter Beweis. Dem Ganzen wohnt so eine rohe und Fuzz-lastige oldschool-Qualität inne, aber gleichzeitug ist der Schaiß auch verdammt catchy und abwechslungsreich. Niemals zufrieden zu stellen mit einem öden Aufguss geläufiger Genre-Regeln und Konventionen, ist da ganz klar ein haufen kreative Freigeister am Werk, was ja überhaupt auch ein primäres Attribut so vieler Bands dieses unscheinbaren Städtchens ist.
Nach dem die Band aus Rom bereits einen ganzen Arsch voller netter EPs und Splits veröffentlicht hatte, die alle recht bequem in etablierte Muster des fluffigen Eggpunk gepasst haben, markierte ihre letzte Veröffentlichung dann eine bemerkenswerte Wandlung zu einer roheren, Fuzz-verseuchten Ästhetik. Die neueste EP klingt jetzt wie eine erfolgreiche Verquickung beider Tendenzen und beinhaltet gewisse Qualitäten nicht unähnlich zu so durchweg hochgeschätztem Vertretern wie Die TV, Electric Prawns 2, Temporary Curse oder auch gegenwärtigem Erik Nervous.
Wie schon auf ihren drei Demos veranstaltet die Band aus New Jersey auch auf dieser neuesten EP eine unsittliche Orgie der puren Klangperversion in einer köstlich verschrobenen Mischung aus Egg- und Post Punk, vollgestopft mit abgehackten Rhythmen, ungeraden Takten und komplett durchgebrannten Klangparametern.
Was dieser Typ aus Chico, Kalifornien auf seiner Debüt-EP abzieht lässt sich am besten beschreiben als ein angenehm antiquiert wirkender Ausbruch des melodischen Lärms, bestehend einerseits aus dem Fuzz Punk von Bands der späten Nullerjahre und frühen 2010er wie z.B. Wavves, Male Bonding und frühe Terry Malts, aber gleichermaßen auch durchtränkt von einer gewissen Art der Surf-infizierten Psychedelia ungefähr aus der gleichen Ära, nicht unähnlich zu Bands wie Crystal Stilts oder Fresh & Onlys.
Eine ordentliche Tüte voller netter Tricks und Überraschungen, diese Debüt-EP einer Band aus Memphis, Tennessee. Der Opener tut sein Bestes daran, die Sounds des Mittachtziger bis Frühneunziger AmRep- und Touch&Go-Multiversums wiederauferstehen zu lassen und obendrein erinnert es mich ganz besonders an die LoFi-Noiserocker Drunks With Guns, auch wenn die jetzt so direkt keinen Bezug zu den genannten Labels hatten. Diesel Disco hat daraufhin so einen leichten Geruch von frühem britischem DIY-Gedöns wie frühe Mekons, Swell Maps und Desperate Bycicles, transformiert in einen durchaus kontemporär wirkenden Fuzz Punk-Kontext. The Junt ist ein geradliniger Midtempo-Wipper im Gewand eines ’80er Garage Rock und Proto Grunge-Zeitsprungs. Newspeak hat bizarren Spaß mit einer widerspenstigen stop-and-go-Dynamik und -Struktur. Zuletzt gibt sich dann Control noch als ein relativ standardmäßiger Garagenrocker vom Stooges-Wühltisch und ist ehrlich gesagt das unspannendste auf dieser ansonsten doch sehr ansprechenden EP.
Wie ihr sicher bereits aus dem Titel geschlossen habt, ist das hier nicht mehr ganz neu sondern erschien bereits im November, aber für mich ist die Band aus Miami definitiv noch neu! Auf ihrer Debüt-EP bekommen wir vier exquisite Einschläge aus roher und primitiver Hardcore-Qualität serviert, deren blecherne LoFi-Ästhetik sich bestimmt auch im Katalog von so Schepperlabels wie Deluxe Bias oder Impotent Fetus gut machen würde.
Die Zeit zwischen den Jahren ist ja was Punk Rock angeht üblicherweise eher von den unscheinbaren, obskuren Perlen, Fetzen und Krümeln geprägt und das ist auch diesen Winter nicht viel anders. Hier ist deshalb ein kleiner Roundup von einigen dieser kurzspielenden Leckerbissen, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben.
Die Londoner Rifle haben ja schon mit zwei exzellenten EPs bezaubert und ihre neueste ist auch wieder eine Wucht zwischen den Welten von Garage Punk, Postcore und altem KBD-Lärm, der an dabei an so unterschiedliche Bands erinnert wie Ascot Stabber, frühe Golden Pelicans, Mystic Inane, Launcher und Rolex. Raya aus Madrid, deren Debüt-EP mich vor ein paar Monaten schon durchaus zu beeindrucken wusste, haben jetzt eine weitere 2-Track Single raus und ratet mal was: Jau, das ist erneut eine respektabler Knall aus verschrobenem Garage-/Eggpunk, der am meisten an andere spanische Bands wie Pringue, Finale und Prison Affair erinnert, aber auch an internationale Bands wie Beer, Set-Top Box und Gremlin. Vacation aus Cincinnati haben sich ja schon lange als eine wahre Schatztruhe der geballten Songkraft in einem Gewand von Power Pop, oldschooligem Indie Rock, Garage Punk und Fuzz Pop bewiesen und ihr Song auf einer neuen Splitsingle ist erneut ein hochkalibriges Geschoss in ihrem Arsenal. Der andere Song kommt von den Post Punkern Whippets aus Madison, Wisconsin und ist aber auch verdammt gut, erinnert mich dabei stark an die Kanadier Dead Cells oder die kürzlich erschienene Psychbike LP. Noch ein hochklassiges Glitzerstück ist die neue 7″ der Pleasants aus Perth, Australien, auf der sie zwei Explosionen aus einfach gestricktem, aber trittsicherem Power Pop abliefern, die Freunde etwa von Teen Line, Bad Sports, Tommy and the Commies, Mr. Teenage oder Corner Boys sich keinesfalle entgehen lassen sollten. Und wo wir schon von eingängigem Songmaterial sprechen, davon git es auch zwei mal Nachschub auf der Debüt-7″ der Engländer Cream Soda, raus auf Spinout Nuggets. Darauf gibt es ein etwa gleiches Maß von sowohl an Buzzcocks- als auch Television Personalities erinnernden Vibes zu spüren, oder alternativ bieten sich als hinkende Vergleiche noch alte US Underground-Acts á la Broken Talent an oder auch aktuellere Schrammelbands wie The Suburban Homes aus UK, Australiens Nasty Party und das frühe Zeug der Kanadier Neutrals. Zu guter Letzt ist auch noch etwas aus dem Metal-infizierten Camp zu vermelden von Ninth Circle aus Austin. Es waren zuletzt ein paar interessante Jahre für so einen alten Pimmel wie mich, der noch die unsägliche Metalcore-Ära der späten ’90er bis ’00er mit ihrer peinlichen Inszenierung des hypermaskulinen Kasperletheaters mitansehen musste und eigentlich dachte, dass die Kombination aus Punk und Metal jetzt für immer verb(r)annt wäre. Aber allem zum Trotz sitz ich jetzt hier in den wilden Zwanzigern und finde regelmäßig Gefallen an mehr oder weniger Metal-mäßigen Platten, auf denen keineswegs immer nur Poison Ruïn draufstehen muss! So lange wie ich den Metal-Industriekomplex jetzt ignoriert habe, fällt es mir aber schwer da spezifischeres zu nennen, also belasse ich es dabei dass diese zwei Songs ganz wunderschön auf die Scheiße hauen und das ist eh alles, was man darüber wissen muss.
So, das war dann vermutlich mal alles für dieses Jahr und ich nehme mir wie üblich so zwei oder drei Wochen Urlaub vom Blog. Wir hören uns dann wieder in jener deprimierenden, brennenden Mülltonne, die das Jahr 2025 zu werden verspricht..
Ich gehe mal davon aus, dass jener Nick G. hinter dieser neuesten EP auf unserem Lieblings-Bullshitunternehmen Discontinuous Innovation inc. der gleiche ist, der uns im letzten Jahr bereits das zu wenig beachtete Post Punk-Highlight namens Broken verursacht hat. Sollte ich recht haben, dann hat sein Sound sich definitiv ein gutes Stück weiterentwickelt in eine melodischere Richtung, auf der ersten Veröffentlichung unter dem neuen Alias NRG, lässt aber dennoch wenig Zweifel daran, dass diese Songs dem gleichen Geist entsprungen sind. Neu sind hier unter anderem psychedelische Einflüsse und Elemente von melodischem Indie Rock. Weniger Criminal Code oder Sievehead diesmal, sondern jetzt deutlich näher an so geschätzten Post Punk-Phänomenen wie Marbled Eye, The Drin, Straw Man Army, Institute, Public Eye und Waste Man einerseits, aber ebenso lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen mit gewissen Acts aus dem vergangenen Jahrzehnt á la The Gotobeds und Sleepies.