Erwarte besser mal nichts bahnbrechend neues hier, denn bei Power Pants weiß man immer schon im voraus ziemlich exakt was einen erwartet und sogar die frühen Ramones hatten vermutlich mehr stilistische Bandbreite als diese Band. Und doch verfehlen diese Songs selten ihr Ziel und diese vollends unprätentiöse Formel des eingängigen Garage Punks ist und bleibt ein irrsinnig verlockendes Angebot. Und so lage wir weiterhin regelmäßig so potente Geschosse wie May I Rest oder You’re Invited vorgelegt bekommen, werde ich mir auch weiterhin dankbar jede neue Zuckerbombe in den Rachen stopfen, die Power Pants mir vor die Füße werfen. Wuff!
Die dritte EP dieser Band aus Brooklyn, New York ist mal zweifellos ihre ausgereifteste Veröffentlichung bislang und häit ohne Not eine heikle Balance zwischen vergleichsweise stumpfen und simplen Hardcorepunk-Smashern und ungleich filigraneren Postcore-Versatzstücken, die mir unter anderem so schräge Vögel wie Mystic Inane, Launcher oder Rolex ins Gedächtnis rufen und immer hat das reichlich heiße Kohlen unter’m Arsch, aufgeladen mit einem konstanten Grundpegel der Verunsicherung und Unberechenbarkeit.
Diese Band aus Montreal zählt Mitglieder von Puffer und Béton Armé zu den Ihren und präsentiert eine voll ausgeformte, elegante Vision auf ihrem zweiten Tape, nach einem bereits schon sehr ordentlichen, aber noch nicht so ausgefeilten 2023er Demo. Der Opener Insoutenable poltert los mit einer stark Radio Birdman- und New Christs-mäßigen Energie, die im weiteren Verlauf ergänzt wird mit relativ kontemporär klingenden Post Punk-Elementen á la The Estranged und Dead Finks, durchsetzt von einer ausgeschprochen folkigen Qualität. Ein weiteres Highlight ist Rien ne t’empêchera und kommt mir in etwa so vor wie eine perfekte Fusion aus einem oldschooligen Oi!-Singalong und schrammeligem Powerpop.
Köln’s inzwischen schon ziemlich alteingesessene Art Punk-Institution Tics lässt mal wieder von sich hören und ihre neueste 7″ auf dem lokalen Label Mörtelsounds präsentiert die Band in ihrer fokussiertesten und griffigsten Inkarnation seit einer guten Weile. Alle beweglichen Teile greifen hier nahtloser ineinander als je zuvor, wobei der Opener Clad Faun stiilistisch wohl noch am nähesten am Minutemen- und Gang Of Four-informierten Post Punk ihres frühen Schaffens gelagert ist. Gleichzeitig öffnen sie hier sich aber zunehmend auch einer Reihe von Einflüssen, von denen ich nicht wenige im Dischord-Universum der ’90er verorten würde, und zwar einerseits dessen melodischere Auswüchse á la Fire Party und Autoclave, aber im weiteren Verlauf haben da sicherlich auch viele der „typischeren“ Acts á la Jawbox, Hoover, Smart Went Crazy, Bluetip and Kerosene 454 Spuren hinterlassen, gemeinsam mit weiteren Kolossen der ’90er wie Polvo, Unwound und Chavez. Gleichermaßen meine ich jedoch auch Echos jüngerer Ereignisse wahrzunehmen, etwa von australischen und neuseeländischen Bands wie Die! Die! Die!, Batpiss und Bench Press sowie auch von US-Bands der Marke Stuck oder Rip Room.
Punk mit Gaming-Hyperfixierung ist ja nicht so der große Indikator für Kreativität und künstlerischen Wert, aber die zweite EP dieser Band aus Fresno, Kalifornien widersetzt sich dankenswerter Weise der allgemeinen Tendenz solcher Musikware zu zahnlosen, abgedroschenen Chiptune-Sounds. Stattdessen liefern die hier ein paar ausgesprochen schmackhafte Häppchen aus fuzzigem LoFi-Elektropunk mit ordentlich Beißkraft ab, die mich abwechselnd mal an so Zeug erinnern wie S.B.F., ISIS, Exit Mould, Penance Hall, Kerozine, Giorgio Murderer oder auch die stärker elektrolastigen Projekte dieses Zhoop/Djinn/etc.-Typen: Nightman und Brundle.
Ein bezaubernd seltsames kleines Biest, die zweite EP dieser Band aus Florida, die sich in etwa so ausläuft wie eine Verquirlung früher Siouxie, B-52s und Delta Five, transformiert in so eine Art schepperiger Urinals-Ästhetik, garniert mit einer ordentlichen Menge an verspieltem Eggpunk-Hirnfick. Als weiterer Vergleich fällt mir da spontan außerdem noch der grandiose LoFi-Art Punk von den New Yorkern Exo ein.
Dieses nette neue Tape von so ’nem Vogel aus Liecester, UK sagt mir ganz unverschämt zu mit seiner komplett ausgebrannten Klangästhetik, die hektisch pendelt zwischen schön rumpeligen Hardcoreparts und stärker Richtung Garage tendierendem Fuzz Punk, was fast schon so einen alten Lumpy and the Dumpers-Vibe heraufbeschwört. Musik in meinen Ohren!
Das neue Jahr ist noch keine Woche jung und schon hat die Erste Theke den ersten Blockbuster-Titel für 2025 draußen… digital zumindest. Die Ghoulies aus Perth, Australien sind eine dieser Bands bei denen es sich anfühlt, als wären sie schon viel länger unterwegs, nicht zuletzt weil sie sich schon lange ihren eigenen festen Platz im Garage-/Synth-/Eggpunk-Spektrum erstritten haben – und das nicht etwa weil sie besonders an dessen Fundamenten wackeln würden, sondern eigentlich eher indem sie existierende Formeln auf maximalen Feinschliff hochpolieren – mit explosiven Resultaten. Nicht zuletzt haben sie dann aber auch noch genau das verhexte Songmaterial am Start, das man so leicht nicht mehr aus dem Kopf kriegt. An vielen Stellen erinnert ihr Sound vage an halbwegs oldschoolige Artefakte aus einer Ära noch vor der Etablierung des allgegenwärtigen Eggpunk-Sammelbegriffs wie etwa von frühen Ausmuteants, Quitter oder Drug Sweat, passt aber gleichermaßen auch gut zusammen mit jüngeren Erscheinungen á la Cherry Cheeks, Satanic Togas, Research Reactor Corp., Gee Tee, Kitchen People oder Tommy Cossack & The Degenerators.
Eine unverschämt starke dreifach-Splitkassette bringt hier ein paar Bands zusammen, die man zukünftig definitiv im Blick behalten sollte. Answering Machines aus Chicago machen den Anfang mit einem beachtlichen Knall in der Form von eingängigen Pop-Tunes, welche die besten Qualitäten vereinen von den Fuzz Punk-Exzessen der frühen 2010er und Bands wie Wavves und No Age, mit dem kräftigen Power Pop etwa von Bad Sports, Warm Soda, Sonic Avenues oder Scupper, wobei die durchweg ausgebombte Ästhetik und Produktionswerte auch etwas rohere Vertreter des letztgenannten Spektrums wie Violent Change, The Wind-Ups, Famous Mammals, Honey Bucket, Germ House, Far Corners und vielleicht auch frühe Chronophage ins Gedächtnis rufen. Good Flying Birds aus Inadianapolis (die wohlbemerkt genau einen Tag zuvor bereits ein sehr beeindruckendes Debütalbum vorgelegt haben) präsentieren daraufhin drei neue Ohrwürmer, die irgendwo im Weißraum zwischen ’80er Jangle Pop, C86-Popqualitäten und auch reichlich spätachtziger Sarah Records Indiepop-Vibes herumverkehrt. Abgerundet wird das Ding durch neue Songs von den Artrockern Soup Activists aus St. Louis, für die ich mich anfangs ja noch nicht so richtig erwärmen konnte und die ich auch jetzt noch am besten in kleinen Dosen genießen kann. Eine angemessen kleine Dosis ist das hier aber fraglos und ich muss dann auch zugeben, dass mir kaum ein besserer, entspannter Ausklang für dieses bemerkenswerte Album eingefallen wäre.
Krystian Quint mag am besten bekannt sein als ein Mitglied der Garagenpunks The Stools aus Detroit. Auf seinem ersten The Quitters-Album dreht sich der Wind jedoch in eine unerwartet melodisch-melancholische Richtung und die Platte alterniert weitgehend zwischen zwei Betriebsmodi. Einer davon versprüht den Flair von melodischen Garage Punk-Acts wie Sonic Avenues, Cheap Whine, Marked Men, Bad Sports, Sweet Reaper und aus jüngerer Zeit etwa auch Eye Ball oder The Dumpies. Die Kehrseite davon erinnert hingegen mehr an geringfügig emofizierten ’90er Indie Rock á la frühe Superchunk, Archers of Loaf, Sebadoh, Lync und Seam aus der alten Schule, aber auch an jüngere Erscheinungen wie Tape/Off, Treehouse und Pardoner.