Drei Grrrlz und ein bärtiger Höhlenmensch aus Helsinki fabrizieren eher konservativen aber hochwertigen Rock’n’Roll mit bemerkenswerter Trefferquote, der ständig zwischen melancholischem Punkrock und garagen-lastigeren Tönen oszilliert. Ihr zweites Album hat jetzt irgendwie den Weg zum in Portland ansässigen Label Dirtnap Records gefunden und passt da ganz ausgezeichnet ins weitere Umfeld.
Schön melodischer Punkrock aus Seattle, der aber nie Gefahr läuft, ins käsige abzudriften. Die erste Hälfte der EP könnte man etwa als Jawbreaker-meets-Red Dons mit leicht Wipers-esken Anklängen und geringfügig noisigen Obertönen beschreiben, danach kommt dann noch zunehmend ein gewisser Postcore-Vibe zur Geltung.
Erstklassig, diese drei Songs der New Yorker. Die schlagen locker den Bogen von Protopunk á la Modern Lovers, hin zu dessen zahlreichen Nachwirkungen. Da ist der dreckige Blues von Gun Club, der ungezähmte Rock’n’Roll von The Saints oder frühen New Christs und der abgehangene Vibe von Mudhoney. Aus jüngerer Vergangenheit kann man sich auch ein wenig an den Postpunk-Eklektizismus von The Men in ihrer „Open Your Heart“-Phase erinnert sehen.
Wunderbar dilettantischer bis abgefuckter Postpunk aus Neuseeland, der sich weder um Konventionen noch um technische Feinheiten schert. Ich bin manchmal auch nicht so sicher, ob der Drummer und der Gitarrist gerade das gleiche Lied spielen oder sich überhaupt auf der gleichen Realitätsebene befinden. Wer von frühen Half Japanese keinen Ausschlag bekommt, könnte auch hier dran seine Freude finden.
Auf der neuen EP trennen sich Vexx aus Olympia ein Stück weit von den (Proto-)Hardcore-Roots, die auf dem letztjährigen Minialbum noch deutlich durchschienen. Stattdessen drehen sie die Zeit noch mal so 1-2 Jahre zurück und klingen jetzt mehr von altem US-Punk der zweiten und dritten Welle inspiriert. Daraus kochen sie sich aber ein Süppchen zusammen, das unverwechselbar ihr eigenes ist. Eine Band, die man unbedingt im Auge behalten muss.
Auch ohne die Lyrics verstehen zu können, klingt diese Platte nach ’ner Menge Frust und wenig Spaß. Kein Wunder. Kommen aus Moskau, die Jungs. Und spielen ganz ausgezeichneten, gefährlich unwuchtigen Noiserock, der jederzeit zu zerreißen und dir um die Ohren zu fliegen droht.
Endlich gibt’s Nachschub von den gegenwärtigen Königen des Southern-beeinflussten Power Pop. Die neue EP von Sheer Mag aus Philadelphia setzt das Feuerwerk aus klassischen Popmelodien und entwaffnenden Hooks schnörkellos fort. Der knarzige LoFi-Sound, der zu dieser Musik einfach passt wie Arsch auf Eimer, ist weiterhin präsent; die eh schon sehr ausgefuchsten Arrangements haben hier aber noch ein ganzes Stück mehr Feinschliff erfahren.
War ihr letztjähriges Album „Breakfast of Failures“ noch eine unaufhaltsam vorwärts walzende Riffattacke, hat die Band aus Minneapolis für ihre neue Platte auf Slovenly wohl absichtlich etwas Sand ins Getriebe gestreut. Die neue Reibung und Knarzigkeit lässt sie streckenweise an Useless Eaters oder Ex-Cult erinnern, gelegentlich mit einer gewissen Surfseligkeit.
Neues von den Postpunkern aus San Francisco. Creative Adult haben es in den letzten vier Jahren geschaft, sich in dem derzeit recht überfüllten Genrepool eine doch recht eigene Identität zu erarbeiten. Die neue EP ist ihr bisher rundestes Stück Musik. Erfindet jetzt das Rad nicht neu, aber dafür sitzt hier einfach alles richtig. Macht geil auf ein zweites Album, das dann hoffentlich bald folgt.
Nach einer ersten EP und einer Split 7″ mit Black Angels rollt jetzt auf Fuzz Club Records der erste Langspieler der Band aus dem italienischen Provinzkaff Doganella di Ninfa an. Der lässt sich gleich 90 Minuten lang Zeit um seinen psychedelisch-krautigen Nebel auszubreiten, der in der ersten Hälfte etwas energischer daherkommt und auch mal leicht wavig-postpunkige oder Shoegaze-mäßige Schlenker macht, um dann in der zweiten Halbzeit überwiegend auf meditativ-spacige Art einzulullen. Musik, für die man Zeit braucht. Für meinen Geschmack hätte man das ganze ruhig um ein Drittel kürzen können, aber weil hier die gelungenen Momente deutlich überwiegen kann man das verschmerzen. Außerdem werden schmerzfreie Verfechter des Genres das vermutlich auch wieder ganz anders sehen.