Delta Van Diel – Significant Ultra

Manche Bands machen meinen unbezahlten Job als Blogger ziemlich einfach, wie etwa diese Londoner. Die Sache ist nämlich, nu ja… Band existiert weil Typ mag Suicide, so einfach verhält sich das. Und jetzt wo Alan Vega schon fast ein volles Jahrzehnt nicht mehr unter uns weilt, breche ich dankbar das Brot mit jedem kompetenten Ersatzpriester, der das unheilige Feuer am brennen hält. Und was jene angeht, kann man sicher schlechteres wählen als diese rundum adäquate Gedenkzeremonie.

Game Set Match – Hang Out With You / Mundane

Gleich noch so eine hochklassige 2-Track-Single kommt hier mit dem Debüt von Game Set Match aus Sydney und brilliert in einer relativ oldschooligen Machart von primitivem und geradeaus gehendem Garage Punk, der Erinnerungen weckt an so Bands wie Eddy Current Suppression Ring, The UV Race, frühe Teenanger, The Abandos, Sauna Youth oder Manatees.

The Martha’s Vineyard Ferries – Decorations / Context

Auf ihrer neuesten und – soweit ich weiß – einzigen 7″ bisher, geht die sporadisch aktive Post Punk/-core Supergroup ein bisschen lärmiger und roher zur Sache als wir es im Schnitt von ihnen gewohnt sind und ich sag mal das passt mir ganz wunderbar in den Tee. Die A-Seite kommt dabei etwa so rüber wie ein verschollener Wipers-Outtake, performt von einer Fusion aus Scratch Acid und Feedtime, während die B-Seite eine überaus kompetente Coverversion eines ausgesprochen ikonischen Songs von Strike Under ist. Da gibt’s einfach nichts zu kritisieren an dieser perfekten kleinen Punksingle!

American Muscle – Rocker, Roller, Killer

Wurde ihr zu Beginn des vergangenen Jahres veröffentlichtes Demo noch überschattet vom majestätischen Irrsinn des ultraspackigen Openers Don’t Tussle With The Muscle, liefert die neueste EP der Band aus Minneapolis ein weitaus stärkeres Gesamtpaket ab in der Form von drei überaus ’77-infizierten Garage Punk-Ausrastern die so simpel und primitiv sind wie es eben noch geht aber dennoch perfekt funktional bleiben als dumme kleine Rock’n’Roll-Tunes – man tut hier nur das absolut notwendigste, aber das absolut richtig!

Wesley & The Boys – Rock & Roll Ruined My Life

Nach einer ehrlich gesagt noch nicht so furchtbar spannenden Debüt-LP in ’22 und zwei zunehmend vielversprechenden EPs in ’23-’24, fügt sich nun für die Band aus Nashville, Tennessee alles scheinbar ganz natürlich zusammen auf ihrer zweiten LP, auf welcher ihre Vision zu guter Letzt einen messerscharfen Fokus findet und die Sterne genau richtig stehen damit ihre kraftvolle Mid-Fi-Produktion ihre Magie wirken kann – alles erscheint irgendwie ein bisschen falsch hier auf genau die richtige Art und resultiert in mehr als nur ein bisschen von ’nem KBD-Feel. Auch wenn ihr Sound sich nach wie vor sehr einfach als oldschooliger Garage Punk mit ’77- und Proto Punk-Einflüssen beschreiben lässt, beackern sie hier stilistisch doch ein durchaus vielfältiges Spektrum. Die leicht psychedelischen Untertöne des Openers Somebody Help Me geben so einen Vibe ab zwischen Useless Eaters, Pow! und Spits, während ich bei Full Time Asshole noch eine gute Ladung Sick Thoughts als Vergleich hinzufügen würde. Das bereits als absolutes Highlight der ’23er EP bekannte Jail Again hat eine postpunkige Qualität zu eigen, die mehr als nur ein bisschen an Cruelster erinnert. Fight On The Internet hat einige ernstzunehmende Detroit und NY Proto Punk-Energie unter der Haube und Spy ist vermutlich das am ehesten kontemporär klingende Stück auf der LP mit seinen Synth-Veredelten catchy Hooks und einem Klangmix irgendwo zwischen Mononegatives und aktuellen Strange Attractor, würde ich mal sagen. Letztere würden sich auch gut als Vergleich eignen für den einfach gestrickten aber perfekten ’60s-mäßigen Garage-Klumpen namens Giving. Ich könnte jetzt so weiter quasseln aber ihr habt es längst kapiert: Das ist ein teuflischer Spaß von einem Garage Punk-Album, erstaunlich abwechslungsreich und doch immer ihrer eigenen Vision treu, relativ Oldschool aber immer Spannend und in Bewegung.

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Dehidratált Fejek – Gondok

Diese Band aus Budapest überraschte mich ganz unvorbereitet mit ihrem zotteligen 2022er Rohdiamanten von einer Debüt-EP. Hier gibt’s jetzt den nicht weniger famosen Nachfolger zu bestaunen, auf dem sie ihren Sound subtil verfeinern ohne dabei irgendwas von ihrem ursprünglichen rohen Charme zu verlieren in ihrer ultra-schrammeligen Herangehensweise an melodischen DIY Punk und Indie Rock – eine Mischung die gekonnt ein Händchen für eingängige Hooks mit einer Atmosphäre des ungeklärten Dramas in ihren Kompositionen ausbalanciert. Letzteres erinnert mich besonders an so Bands wie Treehouse, Kitchen’s Floor und City Yelps mit schwächeren Parallelen auch etwa zu frühen Tape/Off, Monda, Pardoner oder The Molds.

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Winky Frown – ;(iii

Ihr habt alle noch zu wenig Ehrfurcht erwiesen vor der mächtigen zwinkernden Schmollfresse! Auf ihrer iii-ten EP treibt die Band aus Ottawa, Ontario erneut einen musikalischen Aufwand, der weit über das hinausgeht, was man von einer durchschnittlichen Eggpunk-Platte zu erwarten hätte. Ist es ihre stärkste bisher? Ihre schwächste? Ich hab keine Ahnung und es ist mir auch scheißegal, denn saumäßig gut ist bisher alles gewesen, was die so abliefern. Wie gewohnt, eine unheimlich kreative EP von der Band. Schwer zu empfehlen für Fans von: Winky Frown. Und auch alle anderen, die mein dummes Gewäsch hier lesen.

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Cryptic Rot – Demo

Das exzellente 2-Song-Demo dieser Band aus Philadelphia macht mich jetzt schon süchtig nach mehr. Head Full Of Glue ist ein wunderbar stacheliger Klumpen des Dungeon-mäßigen Blackened Hardcore-Lärms mit vagen Ähnlichkeiten zu Bands wie Piss Wizard, Dick Hick und Jëg Hüsker, verpackt unter einer dicken Schicht des weißen Rauschens. Der zweite Track Stone Fruit ist sogar noch besser – ein vergleichsweise klarer Sound spült hier noch viel mehr beunruhigendes an die Oberfläche in einem post-punkigen Klangbild, das ganz ohne Not die ästhetischen Grundparameter von Egg- und Dungeon Punk zu einer funktionstüchtigen Einheit verwebt. Unter anderem bin ich mir sicher, dass etwa Freunde der zuletzt bei ETT erschienenen Molbo-Compilation auch hier dran ihren Spaß haben.

Raya – Malas Noticias

Das dritte Kurzform-Artefakt der Band aus Madrid ist ihr stärkstes bisher würde ich mal sagen und liefert zwei explosive neue Ladungen von etwas, das man ganz ohne Not als Eggpunk bezeichnen kann, wie er im Buche steht und in einer Reihe mit so Bands wie Beta Máximo, Beer, Pringue, Prison Affair, Möney, Goblin Daycare und Hugayz. Aber so sehr die Ästhetik hier auch vordefiniert scheint, bringen Raya doch genug eingene Substanz zum Klingen um auf eigenen Beinen zu stehen. Niebla ist hier das wahre Highlight, das sich traut etwas beherzter auf die Zwölf zu hauen und in etwas dunklere Abgründe hinein zu schauen als wir es von der durchschnittlichen Genre-Veröffentlichung gewohnt sind in Form einer perfekten Post Punk-Miniatur.

Split System – On The Edge / On The Loose

Eine neue Split System-Veröffentlichung ist ja immer schon ein großes Ereignis hier in der 12XU-Zentrale, auch wenn es sich „nur“ um eine weitere 7″ handelt, denn obwohl mir die LPs der Band durchweg als der substanziellere Zweig ihres Schaffens erscheinen und mehr Raum für eine ausgefeiltere Songarchitektur und einen starken Sinn für Melancholie lassen, sind ihre Kurzform-Artefakte auf keinen Fall zu unterschätzen, präsentieren typischerweise eine geradlinigere Variante ihres Handwerks, die einfach nur abrocken möchte und zweifellos am besten auf einem solchen Siebenzöller funktioniert. Auch hier hält die Band es einfach. Die A-Seite On The Edge ist eine unaufhaltsame Dampfwalze von einem Song, konstruiert um ein ultra-simples Rock’n’Roll-Riff das kaum altmodischer sein könnte und sich leicht als reichlich redundanter Genre-Standard abtun ließe, wäre da nicht diese unnachgiebig energische und saumäßig tighte Performance der Band und das immerzu brilliante Gebell vom Frontmann Jackson Reid Briggs – in gleichen Maßen trotzig und verwundbar, ganz klar von Herzen kommend, transportiert das eine Dringlichkeit, ohne die der Song gar nicht funktionieren könnte. Ähnlich einfach gestrickt und effektiv ist dann On The Loose, ein deutlich flotterer und ausgesprochen spaßiger Track, der hier als perfektes Gegengewicht dieses kleine Kraftpaket ausbalanciert.