Jug & The Bugs aus Vernon Township, New Jersey haben jetzt schon eine ganze Weile rumgewurstelt und währenddessen einen ordentlichen Stapel von Releases auf Bandcamp abgeladen in diversen Geschmacksrichtungen von Garage punk und sogar gelegentlichen Ausbrüchen von abstrakt No Wave-igem Lärm, entlang einem Spektrum von ziemlich simpel und oldschoolig bis ganz schön artsy und ausgefuchst. Ihre neueste LP fühlt sich aber so an, als habe sie jetzt exakt den Moment getroffen, an dem die Band letztendlich ihre eigene Stimme gefunden hat und ihre rumpeligen Garage Punk-Wurzeln transzendiert. Und in der Tat kleckern die Jungs hier nicht herum, die Platte zeugt von ultra-fokussierter, zielgerichteter Teamarbeit, endlosem Feinschliff und die vergeichsweise polierten Produktionswerte rücken diese elegant gefertigten kleinen Art Punk-Dramen in genau das richtige Licht. Gleich zu Beginn strahlt der Opener Your World bereits einen unwahrscheinlichen Wire-meets-Dead Boys-Vibe ab, wobei es davon aber eher Wire sind, die sich im weiteren Verlauf wiederholt als Vergleich aufdrängen, neben diversen Dreh- und Angelpunkten der jüngeren Garage-/Art-/Post Punk-Achse wie Marbled Eye, Ex Cult, jüngere Institute, Tyvek, Shark Toys, Andy Human & The Reptoods, R.M.F.C. oder Motorbike. Als Sahnehäubchen entwickelt das Zeug besonders in der zweiten Hälfte auch noch einen unübersehbaren Power Pop-Einschlag in so Songs wie Delivery und Away Today. Quality shit, zweifellos.
Neuer Scheiß von der Cleveland, Ohio-Achse des klugscheißerischen Post- und Garage Punk, deren Kern in etwa aus Cruelster, Perverts Again, Knowso und The Carp besteht und deren verbindendes Element der markante Sprechgesang von Nathan Ward ist. Nun waren Cruelster ja schon immer die spaßigste und unmittelbar geradeaus gehende Inkarnation des chaotischen Haufens und ihre neueste LP ist da auch keine Ausnahme, was jetzt aber keinesfalls bedeuten soll dass Cruelster und ihre kompakten kleinen Art Punk-Ausbrüche signifikant weniger ambitioniert, erfinderisch und ausgefeilt wären, sondern lediglich dass Cruelster von den genannten Bands am meisten darauf bedacht sind, ihre verworren zick-zackigen Hooks in ein relativ reibungslos rotierendes Framework aus Garage- und Hardcore Punk einzubetten und zu quantisieren - ja, Quantisierung ist in der Tat das Schlagwort das mir für jede dieser Bands in den Sinn kommt. Ein eigentlich ziemlich schlauer Sound, der nur oberflächlich etws dumm klingt. Das beste aus zwei gegensätzlichen Welten!
TVO aus Philadelphia stachen bereits auf ihren vorherigen EPs meilenweit heraus aus der Menge mit einer Machart des Post- und Garage Punk, der viel seiner im derzeitigen Umfeld eher ungewöhnlichen Inspiration von diversen Bands der Proto-Grunge / Proto-Noise Rock-ära zu schöpfen scheint wie etwa U-Men, Scientists, frühe Mudhoney, Feedtime, Fungus Brains, Scratch Acid und X (den Australiern), um nur ein paar der üblichen Verdächtigen zu erwähnen. Ihr erster Langspieler hat weiterhin all diese Qualitäten an Bord aber steuert das Schiff graduell auch in eine etwas unerwartete Richtung in Form einer ordentlichen Kelle von leicht schmierigem, bluesigem Rock'n'Roll und was soll ich sagen, ausnahmslos liefern sie hier die Songs und saumäßig tighten Performances ab, die den Scheiß böse im Gehörgang verkanten und in der Tat sind diese Tunes ein massiver Qualitätssprung, der eine eiserne Kontrolle über ihre jederzeit ins Schwarze treffenden Songwriting-Skills unter Beweis stellt.
Immer eine arschtretende Angelegenheit, neues Material von Jake Sprecher (of Terry Malts fame...) und seinem aktuellen Projekt The Wind-Ups, das 2021 mit einem massiven Knall begann in Form der spektakulären Try Not To Think LP und sich seitdem nicht groß verändert, aber auch noch niemals enttäuscht hat - ein zuverlässig hoher Qualitätsstandard der sich auch durch den neuen Langspieler zieht und es weiterhin unmöglich macht, nicht unmittelbar verzaubert zu werden von diesen zeitlosen Garage Rock- und Bubblegum Pop-Melodien, verpresst zu einem wunderbar rustikalen und Fuzz-getränkten Klangbild aus angemessen durchgebranntem Noise Pop und Garage Punk.
Digital Hotdogs bringt uns das neueste Verbrechen der Cowpunk-Abrisscrew Leche aus Austin, Texas und darauf erinnern sie mich noch viel, viel mehr als auf ihren bisherigen Veröffentlichungen an eine weitere Digital Hotdogs-assoziierte Band, Trashdog, nicht unbedingt was ihren Sound angeht sondern eher in ihrer hyperaktiv-zerfahrenen "anything goes"-Herangehensweise die scheinbar alle Regeln und Konventionen in Sachen Genre, Struktur, Kontinuität, Bezug zur Realität ignoriert und untergräbt... also klar ist das wieder mal ein glorreicher, Genre-sprengender, fragmentierter Brocken von Chaos, der sich beim ersten Durchgang schon mal nach zu viel von allem anhühlen kann. Hat man das Gerümpel aber erstmal durchgefiltert, lässt sich aus dieser scheinbar willkürlichen Verklappung von Exzess mit der Laufzeit einer Doppel-LP aber eine saumäßig gute Einzel-LP herausschälen. Das ist weniger (Trashdog's) Weezer's Blue Album und mehr (Leche's) The Beatles' White Album - etwas zu lang, ziemlich chaotisch, scheinbar komplett zufällig sequenziert und man täte Unrecht daran, es nach seinen schwächsten Momenten beurteilen.
Diese Band aus Cleveland, Ohio drückt bei mir auf alle richtigen Knöpfe nachdem schon ihr 2023er Debüt einen starken Eindruck gemacht hat, aber die neue EP ist da nochmal ein anderes Level des Irrsinns in einer Klangoffensive aus gleichermaßen räudigem und quirligem Hardcore- und gelegentlich auch Post Punk, gehüllt in eine dicke Dreckschicht aus Noise-Texturen. Mich erinnert das ausgesprochen positiv an moderne Genre-Klassiker von so Acts wie Stinkhole, Mystic Inane, Launcher, frühe Soupcans, Dollhouse, Lumpy and the Dumpers, Vulture Shit und Big Bopper, um mal nur die offensichtlichsten zu nennen.
Diese Hamburger Band kreiert spaßige, kurze und zackige kleine Garage-/Synth-/Eggpunk-Lärmattacken, die sich zwar nicht allzu sehr von etablierten Genre-Strickmustern entfernen aber dafür alles so verdammt richtig machen als wären sie schon uraltes Eggpunk-Inventar, so wie sie hier absolut routiniert eine Vielfalt an Genre-Manövern und -Iterationen durchexerzieren von denen man denkt sie irgendwo schon mal gehört zu haben, sich ihrer ansteckenden Energie aber dennoch schwer entziehen kann. Ich sag mal Freunde von so Scheiß á la Beer, Media Puzzle, Winky Frown, Prison Affair, Set Top Box, Ghoulies oder Goblin Daycare können auch hiermit nicht viel falsch machen.
Wie schon die zwei Vorgänger ist auch die neueste EP des New Yorkers Jean Mignon die pure Verzückung aus so eingängiger wie auch schmutziger Garage-/Proto Punk-Qualität, in welcher eine ordentliche Dosis primitiver '77er Energie zu einem zeitlosen Sound des explosiven Garage Punk-Wahnsinns verstückwerkt wird, was - insbesondere im Überhit Won't Put Him Down - sicher auch auf bei Bewunderern von, sagen wir mal, Kid Chrome oder der noch recht frischen Elvis 2 LP auf Zustimmung stoßen wird.
Fast zehn Jahre nach ihrer letzten Tonkonserve rauft sich das in den 2010ern omnipräsente Garage Punk-Bollwerk aus San Francisco mal wieder zusammen und klingt dabei noch entschlossener und explosiver als je zuvor - eine einzige Abrissbirne von deren Durchschlagkraft man sich bereits bei ihrem fast schon irreal intensiven Köln-Gig im Frühling überzeugen konnte. Wie also schon zu erwarten war machen auch auf ihrer ersten neuen Veröffentlichung - jetzt schon digital zu haben, später auch als 7" auf Goodbye Boozy erwartet - keine halben Sachen. Mehr oder weniger werden hier die abgespaceten, krautigen, post-punkig psychedelischen Tendenzen ihrer letzten paar LPs und EPs fortgeführt, unaufhaltsam vorwärts gepeitscht von einer irrsinnig tighten, dichten und unnachgiebigen Performance, in der einfach jedes Detail sich mit scheinbar schlafwandlerischer Leichtigkeit perfekt an seinen Platz fügt. Jau, ich hab die Kerle vermisst. Toll, sie wieder am Start zu haben!
Diese Band aus Sydney liefert hier fünf vorzügliche Häppchen ab aus Spits-ass catchy Garage Punk mit einer zusätzlichen Note von Lost Sounds oder vielleicht auch manchen Inkarnationen von Sick Thoughts. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und was soll ich sagen... die Scheiße regelt immer noch als wäre es zweitausend-und-zerquetschte.