Poino - Bon Ick Voyeur

bon ick voyeur
Sehr, sehr tol­ler Noi­se-/Mathrock von ei­nem Trio aus Lon­don, der sich sti­lis­tisch aus der Blü­te­zeit des Gen­res be­dient. Bands wie Far­aquet, Shel­lac, Je­sus Li­z­ard oder auch mal Hel­met dürf­ten hier Pa­te ge­stan­den ha­ben. Da­vor müs­sen sich Poi­no aber kei­nes­wegs ver­ste­cken; Bon Ick Voy­eur ist ein sehr fri­sches Al­bum ge­wor­den. Eins der we­ni­gen, das sei­ne Ein­flüs­se nicht nur ober­fläch­lich ko­piert, son­dern mit sei­nen aus­ge­fuchs­ten Kom­po­si­tio­nen von vor­ne bis hin­ten Sinn er­gibt und trotz sei­ner Kom­ple­xi­tät er­staun­lich ein­gän­gig bleibt.


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Woolworm & Grown Ups - Split 7"

woolworm grown ups
Schö­ne Split­schei­be zwei­er Ka­na­di­scher Bands. Wool­worm aus Van­cou­ver über­zeu­gen mit schram­me­li­gem, me­lan­cho­li­schem In­die­rock. Grown Ups aus Cal­ga­ry hin­ge­gen prä­sen­tie­ren ei­ne un­ge­mein lau­te­re, pun­ki­ge Va­ri­an­te des­sel­ben.


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бичкрафт - маскот

qwertzuiop
Juhu, ei­ne Band de­ren Na­men ich nicht aus­zu­spre­chen weiß. Aus Kiev kommt die­se Com­bo, das war's dann auch schon an ver­füg­ba­ren In­fos. Spie­len ei­ne arg kru­de Va­ri­an­te von mal me­lo­di­schem, mal eher mo­no­ton-doo­mig groo­ven­dem Noi­se-/Po­st­rock, zu­sam­men­ge­hal­ten von et­was über­trie­ben ver­schwur­bel­ten Elek­tro­beats. Aber auch das steht der Plat­te gut, denn al­les hier hat sei­ne ge­wis­se Schief­la­ge und zieht ei­nen in all ih­rer un­be­küm­mer­ten, ver­spiel­ten Un­per­fekt­heit und ih­rem warm­her­zi­gen Charme am En­de doch auf ih­re Sei­te.


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Blessed State - Head Space

blessed state
Ich hab ei­gent­lich schon lan­ge auf­ge­hört das ak­tu­el­le Ge­sche­hen im Hard­core ak­tiv zu ver­fol­gen. Zu ein­ge­fah­ren und kon­ven­tio­nell ist mir der größ­te Teil die­ser Sze­ne, der ich im Grun­de doch ei­ni­ges ab­ge­win­nen könn­te. Rück­bli­ckend kann man sa­gen, dass das Gen­re be­reits mehr­mals schein­bar vor die Hun­de ge­gan­gen ist und sich dann doch je­des mal auf die ei­ne oder an­de­re Art wie­der er­neu­ert hat, schon lan­ge be­vor ich alt ge­nug war, mich da­für zu in­ter­es­sie­ren. In letz­ter Zeit schwin­det bei mir aber die Hoff­nung, dass Hard­core noch­mal im grö­ße­ren Stil fri­schen Wind er­fährt und sich aus der krea­ti­ven Sack­gas­se ma­nö­vriert.
Ei­nen klei­nen Hoff­nungs­schim­mer bie­tet dann ei­ne Plat­te wie von die­ser Band aus Nort­hamp­ton, Mas­sa­chu­setts, die zwar auch nichts bahn­bre­chend neu­es bie­tet, es da­für aber schafft ei­ne ak­tu­el­le­re Spiel­form wie­der mit ein paar ver­gan­ge­nen, di­rekt oder in­di­rekt ver­wand­ten mu­si­ka­li­schen Strö­mun­gen zu vei­nen.
Die Plat­te geht los mit eher ty­pi­schem me­lo­di­schem Hard-/E­mo­core wie ihn et­wa Fu­cked Up zu gro­ßer Po­pu­la­ri­tät ver­hol­fen ha­ben und viel­leicht ver­mischt mit ten­den­zi­ell eher ste­reo­ty­pen 90er Emo-/Post­core-Ver­satz­stü­cken. So weit so ver­traut. Aber et­wa in der Mit­te des ers­ten Songs pas­sie­ren dann Din­ge, die so gar nicht so rein pas­sen wol­len. Zu­erst mel­det sich plötz­lich ei­ne Schram­mel­at­ta­cke, die ein­deu­tig den Geist frü­her Di­no­saur Jr. wach­ruft, ge­folgt von ei­nem Gi­tar­ren­so­lo (ja eh schon ein ziem­li­ches Gen­re-Ta­bu) im zwei­ten Song, das ge­ra­de­zu le­bens­echt J. Ma­scis chan­nelt .
Im wei­te­ren Ver­lauf der Plat­te kris­tal­li­sie­ren sich dann Hüs­ker Dü als wei­te­res ver­bin­den­des Ele­ment her­aus, an al­len Ecken und En­den fin­det man hier Riffs und Har­mo­nien, die ge­nau so gut Out­takes aus de­ren bei­den größ­ten Klas­si­ker-Al­ben Zen Acar­de oder New Day Ri­sing sein könn­ten.
Das reicht na­tür­lich nicht um ein größ­ten­teils ka­put­tes Gen­re zu re­ha­bi­li­tie­ren, aber es ist ei­ne sehr in­ter­es­san­te Plat­te da­bei her­aus­ge­kom­men, hin und her ge­ris­sen zwi­schen eher ge­wöhn­li­chen Gen­re-Stan­dards und dem lo­bens­wer­ten Ver­such, eben die­sen zu ent­flie­hen. Auf je­den Fall end­lich wie­der mal ei­ne Plat­te, an der ich wirk­lich mei­nen Spaß ha­be. Ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Trotz­dem muss sich Hard­core mehr an­stren­gen und auf­hö­ren im ei­ge­nen Saft zu ver­si­ckern, um in Zu­kunft noch für ir­gend­wen au­ßer sich selbst re­le­vant zu sein.


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The Fur Coats - The League of Extraordinary Octopuses

fur coats
In der Pelz­mo­de­ab­tei­lung des In­ter­nets fin­det man die­ses spa­ßi­ge Power­pop-/ Pop­punk-Trio aus Chi­ca­go. Nicht gleich weg­ren­nen wenn ich Pop­punk sa­ge, das ist näm­lich kei­ne Kin­der­mu­cke mit auf­ge­kleb­tem Iro, son­dern viel eher in den Ur­vä­tern des Gen­res ver­an­kert; ins­be­son­de­re die Buz­zcocks fin­den sich hier im­mer wie­der. Da­zu hat's noch 'ne leicht ga­ra­gi­ge Kan­te und ei­nen ho­hen Fuzz-Fak­tor. Au­ßer­dem he­ben sie sich mit durch­weg aus­ge­zeich­ne­ten Songs vom Gen­re-Ein­heits­brei ab und leh­nen sich ge­le­gent­lich ein klei­nes biss­chen aus dem Fens­ter; ich glau­be hier und dort auch mal sub­ti­le An­klän­ge von The Gun Club oder sehr frü­hen Wire zu ver­neh­men. Ei­ne Är­sche tre­ten­de Glücks­pil­le ist das.


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Cretin Stompers - Looking Forward To Being Attacked

cretin stompers
Wie­der mal so ei­ne Plat­te, die beim Re­lease ir­gend­wie an mir vor­bei ging, und das ob­wohl sie schon län­ger in mei­ner Mail­box rum­lag und auch in ei­ni­gen mir ver­trau­ten Blogs die Run­de mach­te. Na­ja, dann wohl mal im fal­schen Mo­ment ver­peilt ein Book­mark zu set­zen und schon für im­mer ver­ges­sen.
Wie auch im­mer, die Mit­glie­der die­ses Tri­os aus Los Angeles/​New York/​Memphis ha­ben in der Ver­gan­gen­heit schon bei sol­chen al­ten Be­kann­ten wie et­wa Jay Rea­tard oder Wav­ves ge­spielt. Er­schie­nen ist das Gan­ze bei der Ga­ra­gen­rock-In­sti­tu­ti­on Ho­Zac Re­cords.
Das ist ei­ne die­ser Plat­ten, de­ren Ein­zel­tei­le ei­gent­lich nicht zu­sam­men pas­sen dürf­ten, aber doch her­vor­ra­gend in­ein­an­der grei­fen. Da tref­fen Lo­Fi-Elek­tro­beats auf ver­träum­ten Psych­pop, flot­ter Ga­ra­gen­punk auf Shoe­ga­ze-ar­ti­gen Ef­fekt­ne­bel. Der gan­zen Schräg­heit setzt dann der meis­tens künst­lich hoch­gepitch­te Ge­sang die Kro­ne auf, aber zu­sam­men­ge­hal­ten wird die Plat­te durch ein aus­ge­zeich­ne­tes Ge­spür für wahn­sin­nig ein­gän­gi­ge Power­pop­songs. In ih­rer Zer­fah­ren­heit er­in­nert mich das an die psy­che­de­li­schen Sam­ple-Or­gi­en von Spec­tral Park oder ei­ne noch Hym­ni­sche­re Va­ri­an­te des elek­tro­ni­schen Ga­ra­gen­pop von Gap Dream. Kom­bi­niert man das mit der bis­he­ri­gen Vi­ta der Mu­si­ker, er­gibt das fast schon wie­der ein we­nig Sinn.



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Puff - Identitätsverlust 7"

Puff
Scheint lang­sam Tra­di­ti­on zu wer­den, dass ei­ni­ge der bes­ten und/​oder ori­gi­nells­ten deut­schen (Post-)Punkbands auf US-La­bels ver­öf­fent­licht wer­den, bei uns aber eher be­grenz­te Be­ach­tung be­kom­men. Da wä­ren in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit et­wa Ban­que Al­le­man­de aus S.S. Re­cords oder Di­ät auf Iron Lung.
Und jetzt be­schert uns Slo­ven­ly die­se schö­ne 7" des bes­ten Puffs in Ber­lin. Ex­zel­lent ge­stör­ter Post­punk, der zeit­wei­se mit sei­nem pro­mi­nen­ten Syn­th­ein­satz den am an­de­ren En­de der Welt be­find­li­chen La­bel­ma­tes Sta­lins Of Sound nicht ganz un­ähn­lich klingt.

Times Beach - Raw Pop

times beach
Räu­di­gen Pop ver­spre­chen Times Be­ach aus St. Lou­is im Al­bum­ti­tel und be­hal­ten Recht. Das ist nicht die Art von Pop, die wie Ho­nig aus den Laut­spre­chern si­fft. Das ist die Art von Pop, zu des­sen Schön­heit man erst mal durch­drin­gen muss, durch dich­te La­gen aus Sta­chel­draht, Dreck und Tau­ben­schiss. Das er­in­nert zeit­wei­se an die jün­ge­re In­die­rock-Ver­gan­gen­heit wie et­wa frü­he Wav­ves und die De­büt­al­ben von Ma­le Bon­d­ing oder Rat Co­lum­ns. Et­was of­fen­sicht­li­che­re Klas­si­ker wie Hüs­ker Dü oder Di­no­saur Jr könn­te man auch an­füh­ren oder ak­tu­el­le Noi­se­pop-Bands wie et­wa Jo­an­na Gru­e­so­me. Geht run­ter wie lau­war­mes Karls­kro­ne-Pils.


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Lower - Seek Warmer Climes

lower
Ei­gent­lich hat­te ich nicht vor die­se Plat­te zu pos­ten. So groß­ar­tig sie auch ist, ich ver­su­che doch eher die et­was ab­sei­ti­ge­ren, noch nicht zu to­de ge­rit­te­nen The­men hier un­ter­zu­brin­gen. Da­von aus­ge­hend, dass sich eh schon al­le an­de­ren Mu­sik­blogs auf die­se lang er­war­te­te Plat­te mit hau­fen­wei­se Pitch­fork-Pro­mo und ei­nem eta­blier­ten La­bel im Rü­cken stür­zen wür­den, hab ich erst­mal an­de­ren Din­gen den Vor­zug ge­ge­ben. Nach ei­nem kur­zen Check der In­die Mu­sik Blogs se­he ich dann mit ent­set­zen, dass die Plat­te über­ra­schen­der­wei­se voll­stän­dig igno­riert wird. Was zum Hen­ker ist los mit dir, deut­sche Blog­sze­ne? Muss ich dann wirk­lich al­les sel­ber ma­chen?
Denn oh­ne Scheiß, die vor zwei Jah­ren er­schie­ne­ne 7" Walk On Heads der ko­pen­ha­ge­ner Band hal­te ich für die dich­tes­ten und mit­rei­ßends­ten zehn Mi­nu­ten punk­ver­wand­ten Krachs die in in die­sem Jahr­zehnt bis­her ver­bro­chen wur­den. Das dar­auf­hin an­ge­kün­dig­te Al­bum wur­de seit­dem im­mer wei­ter auf­ge­scho­ben, und ganz ehr­lich, ich konn­te mir auch kaum vor­stel­len wie Mu­sik mit ei­nem der­ar­tig ho­hem En­er­gie­le­vel auf Al­b­um­län­ge funk­tio­nie­ren soll.
Die wahr­schein­lichs­te Ant­wort: Gar nicht so gut. Das wer­den die Jungs auch sel­ber ge­wusst ha­ben, und ent­spre­chend ha­ben sie in den zwei Jah­ren ih­ren Sound ganz schön um­ge­krem­pelt, oh­ne da­bei ih­ren ei­ge­nen Cha­rak­ter zu ver­lie­ren. Das Tem­po der EP wird hier in kei­nem Au­gen­blick er­reicht und den Ver­lust des er­bar­mungs­lo­sen Vor­wärts­schubs ma­chen sie pro­blem­los durch ei­ne neu ge­won­ne Tie­fe wett, die sich ei­ni­gen ge­ra­de­zu epi­schen Song­ko­los­sen nie­der­schlägt. Die un­ge­stü­me Wut ist ei­ner ge­wis­sen Ver­letz­lich­keit und Re­flek­tiert­heit ge­wi­chen und bei al­ler Schwe­re der Dar­bie­tung scheint im­mer wie­der et­was Hoff­nung durch. Denn wie der Al­bum­ti­tel schon an­deu­tet, geht es im Ge­samt­kon­text der Plat­te nicht um Tod und Ver­der­ben, son­dern um Hoff­nung, die rea­le Aus­sicht auf Bes­se­rung, um per­sön­li­che Rei­fungs­pro­zes­se und das fin­den ei­ge­ner We­ge, im Le­ben klar zu kom­men.
Ge­blie­ben sind die zen­tra­len Qua­li­tä­ten und Trade­marks der Band, wie et­wa das stoi­sche Drum­ming und das aus­ge­feil­te Spiel mit der Dis­so­nanz, die ra­sier­mes­ser­schar­fen Gi­tar­ren­fi­gu­ren. Mit die­ser Plat­te tre­ten Lower end­gül­tig aus dem Schat­ten ih­rer gro­ßen Sze­ne-Brü­der Iceage her­aus und fin­den ih­re ganz ei­ge­ne Stim­me. Und der lohnt es sich zu­zu­hö­ren.

Lei­der gibt's kei­ne Streams zum ein­bin­den, dank des be­kann­ten You­tube/­GEMA-Bull­shits. Aber Spo­ti­fy hat's.
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The Abandos - The Abandos 7"s

the abandos 1
The Abandos 2
Die Band aus Phil­adel­phia hat in schnel­ler Fol­ge zwei aus­ge­zeich­ne­te Kurz­spie­ler (bei­de Selbst­be­ti­telt) voll mit an­ste­ckend en­er­ge­ti­schem Post-/Ga­ra­gen­punk raus­ge­hau­en. Die selbst­ver­öf­fent­lich­te Schei­be mit dem dunk­len Co­ver lehnt sich da­bei sti­lis­tisch ein klei­nes Stück wei­ter aus dem Fens­ter mit ih­ren z.b. an Ex-Cult er­in­nen­den, sä­gen­den Gi­tar­ren­tex­tu­ren. Die an­de­re, auf Brui­sed Tongue er­schie­ne­ne EP zeigt sich et­was tra­di­tio­nel­ler im Ga­ra­gen­punk ver­an­kert, ist aber kein Stück we­ni­ger mit­rei­ßend.


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