D.U.D.S. kamen mir erstmals mit einer sehr ansprechenden 7″ auf Maternal Voice unter. Es folgte ein Langspieler auf Castle Face, der – wenn ich auch das Material teilweise noch etwas unausgegoren fand – dennoch ein starkes Interesse am weiteren Schaffen der Band aus Manchester in mir weckte. Inzwischen ist auch schon der Nachfolger via Opal Tapes zu bekommen und der trifft einfach nur konstant ins Schwarze mit seinen zackigen Grooves, die unvermeidliche Assoziationen zum britischen Postpunk der uralten Schule á la Fire Engines, Transmitters oder Desperate Bicycles hervorrufen, aber auch bewunderern aktueller Bands wie Pill oder The World sicher gut in den Kram passen.
Ricky Hamilton aka Ricky Hell, der hier unter anderem schon mit seiner alten Band Fascinating und außerdem mit einem tollen Solo-Tape auffiel hat inzwischen seinen Wohnsitz von Cleveland nach Los Angeles verlegt, vorher aber noch schnell eine neue EP aufgenommen. Ohne seine Voidboys diesmal, was sich in einem weniger knarzigen Sound niederschlägt. Davon abgesehen begegnet einem hier aber eine sehr ähnlich liebenswerte Mischung aus Power-, Fuzz- und Garagenpop.
War ja klar, dass der inzwischen fünfte Langspieler der Band aus Denton, Texas mal wieder astreine Qualität abliefert. So routiniert und zuverlässig einen garagig angekratzten Powerpop-Knaller nach dem anderen aus dem Ärmel schütteln, das können nicht so viele. Nach wie vor ein Muss für Freunde von Bands wie Radioactivity (zu denen hier auch personelle Überschneidungen bestehen), Diarrhea Planet oder Bed Wettin‘ Bad Boys.
Auf ihrem zweiten Langspieler gibt die New Yorker Postpunk-Band ihrem Sound eine ungeahnt griffige Kontur und jede Menge Feinschliff. Dabei muss natürlich die experimentelle Kante der Vorgänger deutlich kürzer treten, dafür wirkt jeder Song sorgfältig konstruiert und ausbalanciert. Das Ergebnis ist ihre stärkste Platte bisher; überraschend homogen und zugänglich, dennoch abwechslungsreich und vielschichtig, jeder Song ein Volltreffer. Reife Leistung.
Die zweite EP dieser Band aus Durham macht schon mal eine äußerst sympathische Figur mit drei melodischen Krachern irgendwo zwischen Fuzz Punk und 90er Indie Rock.
Die Berliner Noise- und Postpunk-Combo bleibt eine spannende Angelegenheit. Ihr neues Tape geht jetzt einen Tick räudiger zur Sache als schon ihr starkes Debütalbum im Frühling, was meinen persönlichen Vorlieben natürlich sehr entgegen kommt. Der Sound verschiebt sich nun stärker auf die Postpunk-Seite ihrer Gleichung. Teilweise erinnert das stark an Negative Space oder Institute… oder gar an die erste Lower EP, deren Nachwirkungen vor allem in Less deutlich spürbar sind.
Mit verdammt arschtretendem Post Punk wie er kaum druckvoller sein könnte zieht mich das Debüt-Tape der Eyesøres aus Melbourne vom ersten Moment an auf ihre Seite. Das hat in etwa die kompromisslose Attacke der Pretty Hurts an Bord, den tiefschwarzen Blick von Criminal Code. Außerdem Dark Punk/Death Rock-Versatzstücke á la Haldol und zwischendrin gibt’s immer wieder kleine Überraschungen wie die melancholischen, Red Dons-artigen Melodien im Opener oder einen Hauch von Sonic Youth in Golden Soil. Einen derart starken ersten Eindruck hab ich in diesem Genre-Umfeld schon länger nicht mehr geboten bekommen.
Die nicht nur von mir hochgeschätzten Royal Headache sind schon länger nicht mehr, aber ihr Sänger Shogun meldet sich nun mit neuer Band im Rücken und einer 7″ zurück, deren A-Seite abgesehen von einem vergleichsweise polierten Sound vieles zurückbringt, wofür man Royal Headache liebgewonnen hatte. Etwas weniger Garage, dafür mit einem leichten Radio Birdman-Vibe. Deutlich schwerer macht es mir die B-Seite. Der liegt zwar auch ein starker Song zugrunde, dessen Darbietung riecht mir dann aber doch etwas zu sehr nach fader Alternative-Brühe und kann nur durch Shoguns bemerkenswerte Gesangsperformance noch rausgerissen werden. Mal auf einen Langspieler warten…
Zwei neue Veröffentlichungen aus Portland und dem Mikrokosmos um die Woolen Men und Honey Bucket. Deren Raf Spielman respektive Matt Radosevich sind auf einigen Tracks des neuen Albums der Mope Grooves zu hören, bei denen es sich aber vor allem um ein Projekt von Stevie Pohlman handelt, der wiederum mit den beiden erstgenannten die Shop Regulars bildet. Verwirrend, ich weiß.
So weit weg klingt das von keiner der genannten Bands. Exzentrischer, häufig abstrakter Postpunk also, der zwischendrin aber auch ein geschicktes Händchen für tolle Melodien zeigt und einen ausgesprochen rustikalen Vibe versprüht. Etwas anders als besagte Gruppen liegt hier soundmäßig aber ein ungewohnt starker Fokus auf Analogsynths, Orgeln und anderen antiquierten Tasteninstrumenten.
Alle drei spielen wiederum bei L.O.X. mit. Deren neue LP kommt daher wie eine leicht angekrautete, aber dabei erstaunlich zugängliche Verschmelzung von allem zuvor genannten. Die geballte Kreativität dieser kleinen, verschrobenen Nische in einer sonst ja eher als hypergentrifiziert verschrienen Stadt erstaunt mich jedes mal aufs neue.