Ich bezweifle stark dass es derzeit eine neuseeländische Band gibt, die neuseeländischer klingt als die Surf Friends. Da passt es ja auch super ins Klischee, dass sie auf der örtlichen Institution Flying Nun Records veröffentlichen. Und Soundmäßig klingt das wie eine Zeitreise in die Blütezeit des Labels in den frühen Achtzigern und hat diesen speziellen psychedelischen Jangle Pop Vibe mit Anklängen an den quirligen Pop von The Clean, den Indierock von The Stones und die Psychedelic Noise-Schiene, wie man sie damals unter anderem von The Pin Group und The Gordons bzw. deren Nachfolgern Bailter Space zu hören bekam; passend zu letzteren lässt sich auch ein gewisser Shoegaze-Einschlag nicht verleugnen. So entspannt und verträumt haben Surf Friends noch nie zuvor geklungen und dennoch wird die Platte mit ihren im dezenten Neon schillernden Texturen nie langweilig. Von den Meistern gelernt, würde ich dazu mal sagen.
Opossums sind eine Band aus Memphis um einen gewissen Patrick Jordan – die meisten Songs auf dieser EP und sowie auf deren Vorgänger sind schon einmal auf diversen Soloplatten von ihm erschienen. Saugutes Material jedenfalls, in einen Sound gegossen zwischen unaufgeregtem Indierock und Powerpop. An die melodischeren Songs von The Bevis Frond muss ich da manchmal denken, aber ebenso an neuere Acts wie die British Invasion-lastigen Garagenpopper The Resonars, an Landlines, Scupper und Title Tracks.
Tolles und erfrischendes erstes Tape von einer Band aus Bloomington, Indiana. Zu hören gibt’s eine recht ungewöhnliche Verschmelzung von Post Punk, Math- und relaxtem 90er Indierock, vereinzelt shoegazig-psychedelischen Momenten. Ab und an kann man Anklänge an weniger aufgeregte Vertreter der 90er Touch & Go-Schule erahnen, aber insgesamt panschen sich BCC doch ihr ganz eigenes Süppchen zusammen.
Keine Ahnung was nun ein Töch sein soll, aber der neue Kurzspieler von Dadar aus Rovereto, Italien ist mal wieder ein schnörkelloses, angenehm dummes Garagenhäppchen irgendwo im Umfeld von Ausmuteants und Useless Eaters geworden.
Verdammt geiler Stoff aus Sydney. Beherzt vorwärts bretternder Postpunk/-core, der mich vor allem an älteren Krempel erinnert; etwa an ein Mix aus Man Sized Action und Saccharine Trust mit starkem Garage-Nachbrenner, veredelt durch eine GItarrenarbeit á la Angst und einen Hauch von Hot Snakes. Bitte mehr davon!
Mächtig schrägen Scheiß enthält das erste Tape von Healthy Competition aus Minneapolis. Solchen, der sich ums verrecken nicht einordnen lassen will, insbesondere weil hier oft im Sekundentakt ein Genre-Hopping von extremer Ausprägung betrieben wird. So lassen sich Fragmente aus Garage-, Fuzz- und Post Punk erkennen, aus Noise Rock, Post-, Hard- und Weirdcore. Ein äußerst ansprechendes Chaos, muss ich sagen.
Nicht mehr wirklich neu, aber jetzt endlich unkompliziert in digital und voller Länge zu bekommen ist die aktuelle EP der Londoner Postpunk-Formation. Darauf klingen sie etwas zugänglicher und kontemporärer als je zuvor, ohne dabei aber die kantige Attitüde über Bord zu werfen. Was da eingerahmt von den schon länger bekannten Übersongs Tourist Estate und New Factory passiert ist jedes kleine Stück so eigenwillig und ausgezeichnet wie man es von dieser Band inzwischen erwarten darf.
Eine sehr nette 7″ auf Goodbye Boozy kommt von da einer Band aus Melbourne. Fuzzy verwinkelter Garagepunk mit dezentem Syntheinsatz, der klingt als träfe ein moderates Maß Ausmuteants auf eine Wagenladung Erik Nervous und Andy Human.
Grundsolide Postpunk-Qualität kommt da ganz unvermeidlich mal wieder aus Berlin. Klingt auch durch und durch nach aktueller Berliner Schule, enthält darüber hinaus deutssprachige Lyrik und eine wavige Duftnote. Ein bisschen wie eine geringfügig freundlichere Variante von Aus oder Hyäne und generell diesem Subgenrekomplex angehörig, dem ich aufgrund des speziellen Retrobvibes mal den Namen MauerWelle verpasse. Damit ich auch mal dazu komme, ein Genre zu taufen. Da können sich dann später alle schön drüber aufregen.
Die neueste Kleinscheiß von Civic aus Melbourne wird diesmal von gleich zwei einschlägigen Garage-Powerhäusern, nämlich von Anti-Fade und Total Punk unter’s Volk gebracht. Die geweckten Erwartungen erfüllt man natürlich wieder mit links, in Form von von zwei straighten, unwuchtig rotierenden Knallern und einem starken Saints-Vibe.