Mal wieder ein echter Knüller aus dem Hause Digital Hotdogs. Einer von der verschrobenen Sorte, der seine flauschige Wärme unter einer kratzigen Oberfläche verbirgt. Klingt andersweltlich und doch sehr vertraut. Fast so wie man es von Veröffentlichungen dieses Labels erwartet. Über die Band an sich gibt es praktisch keine Infos. Es sind zwei gleichnamige Bands auf Bandcamp zu finden, aber ich glaube nicht dass es sich um eine davon handelt. Was wir hier zu hören bekommen ist eine massive Fülle an saumäßig eingängigen Songs, verpackt in gleichermaßen verträumte und kraftvolle Klangwelten irgendwo zwischen Post Punk, Noise Pop, Shoegaze und 90er Indie Rock, der Erinnerungen an die frühen LoFi-Abenteuer von Bands wie Eric's Trip, Guided By Voices und Flying Saucer Attack wachruft... vielleicht auch noch ein bisschen Sebadoh. Oder aber man schlägt die Kurve zu jüngeren Bands á la The Molds, Treehouse, Pardoner, Rat Columns oder Teardrop Factory. Egal von welcher Seite du es betrachtest: Du hast ausgezeichneten Geschmack und bist wie gemacht für diese Platte.
Ich hab es schon mindestens zwei mal verpeilt, diese geniale Band aus Ottawa, Kanada zu erwähnen - wobei ihr sie vielleicht immerhin schon mal auf einer der bisherigen Verspannungskassetten gehört habt. Wie dem auch sei, falls ihr bisher noch keine Bekanntschaft mit dem chemisch instabilen Garagen-/Hardcore-/KBD-Feuerwerk der Liquid Assets gemacht habt, ist das hier eure nächste Chance. Dieses Tape aus der zuverlässigen malaysischen Punkfestung Pissed Off! Recs enthält alle Songs ihres Demotapes und einer 7" aus dem letzten Jahr - in überwiegend neu aufgenommenen Darbietungen von massiv erhöhter Sprengkraft.
Durchweg spaßige Angelegenheit, diese Split LP auf Big Neck Records. Die Blood Bags aus Auckland, Neuseeland verstehen es einwandfrei, einen köstlich im roten Bereich angesiedelten Krawall zwischen Garage-, Fuzz- und Stoner Punk loszutreten, der möglicherweise Assoziationen zu The Cowboy oder frühen The Men hervorruft. Komplettiert wird der Genuss durch einen gewissen Stooges-Faktor, der einen kräftigen, Funhouse-mäßigen Vorschub gewährleistet. Brain Bags aus Salt Lake City liefern daraufhin einen Sound ab, der sich irgendwie schon stark verwandt dazu anfühlt, in der Wahl seiner musikalischen Einflüsse aber ein deutlich weiteres Spektrum bearbeitet. Los geht's mit einem Vibe so á la Cramps-meet-Scratch Acid. Im weiteren Verlauf schält sich dann ein Klangerlebnis heraus, das sich bestimmt die eine oder andere Scheibe beim Proto-Noiserock-Komplex der 80er Jahre abgeschnitten hat, unter anderem bei No Trend, Flipper und Live Skull.
Aus der kleinen New Yorker Krachmanufaktur, die uns unter anderem bereits den kräftigen und schlauen Hard-/Postcore von Kaleidoscope beschert hat, bekommen wir hier eine weitere Naturgewalt zur Verarbeitung vorgesetzt. Das Debütalbum von Tower 7 hat ohne Frage eine gewisse Ähnlichkeit zu den bereits erwähnten Kaleidoscope, gleichzeitig kommen ihre Schallattacken aber noch eine Spur unnachgiebiger daher - nicht zuletzt weil man sich anders als letztere auch recht großzügig bei Vorbildern der britischen Crust-Frühgeschichte bedient. Fraglos sind ihre bevorzugten Werkzeuge etwas stumpfer, aber gleichermaßen effektiv.
Glen Schenau, manchen sicher bekannt als der Frontmann der Kultband Kitchen's Floor aus Brisbane, hat solo bisher zwei EPs von eher Richtung Avantgarde schielendem Art Rock veröffentlicht, der schon alleine aufgrund seiner allgemeinen Schrägheit überzeugte - durchzogen von dissonant-hyperaktiver Schrammelei, wie eine funky kaputte Alternativrealitäts-Variante von The Wedding Present und endgültig über die Klippe geschoben von sehr nach Töpfen, Pfannen und Plastikeimern klingender Percussion. Letzteres weicht auf seiner neuesten 7" einem herkömmlichen Drumkit und vollem Bandsound, der insgesamt in eine geringfügig weniger experimentelle, deutlich grefbare Form an den Tellerrändern von Post Punk, Noise Rock und 90er Indierock morpht, ohne dass dabei die Verspieltheit und kreative Energie der Vorgänger auf der Strecke bliebe. Melkbelly trifft auf Live Skull? Nee, das trifft diesen Nagel nicht so ganz den Kopf... aber auch keineswegs komplett daneben.
Auf einer Debüt-EP, an der es absolut nichts auszusetzen gibt, verschießt ein Duo aus Philadelphia vier treffsichere Ladungen aus schlau arrangiertem, vielseitigem Lärm irgendwo im Umfeld von Postcore, Noise Rock- und Post Punk, liefert dabei Assoziationen an das Schaffen diverser Bands á la Dasher, Cutie, Donors, Little Ugly Girls, Hit Bargain, Street Eaters oder Xetas.
Auf der aktuellen 7" der Londoner Band macht ihr Sound einen etwas unerwarteten Schlenker in Richtung des skandinavischen Post Punk der frühen 2010er, ziemlich genau in der Mitte zwischen der kompromisslosen frühen kopenhagener Schule (Lower, Iceage, Echo People, etc.) und deutlich zugänglicheren Acts wie Holograms oder RA. Oder die Australier Low Life wären vielleicht auch ein halbwegs zutreffender Vergleich. Die B-Seite hingegen verpasst The Cure's Grinding Halt einen geringfügig New Order-mäßigen Vibe, was ebenfalls ganz vortrefflich funktioniert.
Reality Group aus Melbourne haben in den Jahren '16/'17 bereits ein verdammt starkes Demo und eine ebenso hochwertige EP rausgehauen, danach hat es dann ein paar Jahre gedauert bis wir nun ihren ersten ersten Langspieler vorliegen haben. Dem hört man dafür die vergangene Zeit auch klar an in Form eines gereiften, aber dankenswerter Weise keineswegs gezähmten Sounds. Diese elf Songs lösen alle Versprechen der frühen EPs ein; ein lecker gepanschtes Gebräu ist das, bestehend aus Elementen von Garage-, Art- und Post Punk, das Leute mit Affinitäten zu Bands wie Pinch Points, Uranium Club, Andy Human & The Reptoids, Erik Nervous, Lithics oder gar frühen Teenanger sich auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.
Wie ihr sicher schon mal mitbekommen habt, werde ich zum willenlosen allesfresser wenn es um jegliche kaputte Sounds von Connie Voltaire, dem Garagenkönig von Minneapolis geht. Während neues Material seines wohl bekanntesten Projekts Neo Neos (oder dessen ausgewachsener Band-Inkarnation Neotypes) noch auf sich warten lässt, zeigt sich dieser neue Batzen von Flatulenzen seines Hardcorepunk-Alter Egos Cells in der Zwischenzeit mehr als tauglich, meine Sucht zu stillen.
Nachdem sein letzes Jahr erschienenes Langspieldebüt mit den Beta Blockers die eine oder andere Socke von den Füßen geblasen hat, gibt es ein paar Neuigkeiten zu berichten von einer der schillerndsten Figuren des gegenwärtigen Garage Punk. Erstmal gab es da bereits im Winter ein Tape unter dem Alias Psykik Vylence, auf dem er mit angemessen rohen Sounds aus der Hardcore-Grabbelkiste experimentiert - das Ergebnis ist eine wahre Freude. Und außerdem ist jetzt eine neue digitale EP zu haben, auf der er wie auch schon bei Psykik Vylence wieder alles solo aufgenommen hat. Aber ob jetzt mit oder ohne Beta Blockers - Erik Nervous macht einfach das, wofür ihn die meisten kennen und liebgewonnen haben: Geringfügig verstrahlten und einfallsreichen Garage Punk mit eingebauter Ohrwurmgarantie. Diesmal gibt es obendrein eine mehr als nur obskure Wahl für eine Coverversion (in der Tat hab ich noch nie von Taste Test gehört...) und zum Abschluss einen unfertigen, aber verdammt Wind erzeugenden Instrumentaltrack mit dem Versprechen, dass die Vocals bald nachgeliefert werden. Muss man einfach gern haben, so was.