Station Model Violence – Apex Calling R.M.F.C. – Ecstatic Strife Total Control – Meds Trust Punks – Good Luck With That Institute – A Privilege
Cherry Cheeks – History A Kid Called Purple – Sacred Protector Cryogenic Division – Ice Bone Dr. Dence – Don’t Know Nothing Raya – Perdón Ø – Hvc
Ones And Twos – Milk And Cigarettes Strängt Förbjudet – Jag hör hur dom slår sönder våningen ovanför Ty – H.O.V. Public Error – Internet Blues Unregistered Falcon – 200 Sideways D.Sablu – Electrified Beat La Espada – Violence
Top Secret Nicho – Grab booze for the Major Bowler – Gutter Ball Crystal Ball – Hollow Cross Hot Face – Cavern Killer Завірюга – Слід
Affordable Repayments – Different Strokes Today’s Milk – Party Store Psychic Armour – A Friend
Public Figures – Landed In A Trap Action Figure – Head On A Plate Skelett – Allergic Reaction Chemical Threat – (Don’t Wanna) Be Like You Zero Sanity – Unsaved Early Grave – Grim Monument Larry & Thee Jerrys – Thats Perverse! The Dumpies – Today Is a Car Door
RRSATZ – Shift Change Landowner – Linear Age Aidmoozic – Until It Hurts The Bright Ideas – Extra! Extra!
Orsini – Luces azules (Denis & Denis) Isotope Soap – Bones and Glass Bruise Control – Spinners Mill (300% Dynamite Mix) Personal Style – Double Downer Toys That Kill – The Cutting Board
Today’s Milk Good People The UTI’s 2079 Demolition Man Never Win Gleex Graboid Ritalin F.M. Like It’s Something I Dont Know Aidmoozic Shamefully Out of Shape Cryogenic Division (Oh My) Quick Death PeeCeeTee Can’t Tell Me Shit Raya Ya no está Super Destroyer Mutant Cop Personal Style Don’t Turn It Down Ø Shoot! Los Monstruos De Frankenstein ¡¡¡AAHHH!!! The Nervous Ready To Die Problem Addict Frog Guy Unregistered Falcon Import Cigarettes
Excess Blood Cathedral Park Early Grave Evil Terror Chemical Threat Fight It Out Neonatals Dry Brain Skelett Electric Sledgehammer U.A.V. T.T.S. Yankee Bastard 선군 Action Figure Get A Real Job Public Error Messed Up Cruciflys Rebel Crow Pure Intention Nocturnal Aggression The Dogs I Didn’t Ask Bilge Horses D.Sablu Love What You Hate (And Love That You Hate It) Isotope Soap From the Trees Crystal Ball Lotus Eater
Tracklist
Skinny Peachfuzz & Tiffany Liar, Liar The Bright Ideas Bayonet Top Secret Nicho Lands Bowler The Messenger Wire Doll Active Directive Landowner Enemy Attack Ismatic Guru If You Don’t Wanna Know Wax Head Bug Doctor Osees Synaptic Static The Dumpies Stunty Psychic Armour Ugly Planet Dog Lips Losing Ground
Saturday Morning Speed Dead to Rights Bea666 Why? Shop Talk Love Dart Powerband Don’t Matter Power Pants Sarah Connor Friends of Cesar Romero Be My Little Maybe X-88 Heavensent (Feel It Again) Toys That Kill Into The Rumble Orsini Frío cemento Station Model Violence Leisure Institute The Shooter
Der Werdegang der New Yorker Band Shop Talk über die Jahre gehört fraglos zu den etwas unwahrscheinlicheren. Erstmals in meinen Radar gerieten die mit ihrer selbstbetitelten 2016er Mini-LP, die damals noch mit einem etwas zurückgelehnteren, seinerzeit recht gängigen Garage Punk-Sound aufwartete, irgendwo zwischen gleichen Teilen Gun Club und aktuelleren Acts der Zeit wie Woolen Men und Eddy Current Suppression Ring. Danach war dann erst mal sehr lang Funkstille, es dauerte geschlagene sieben Jahre bevor ihre nächste Veröffentlichung aufschlug – die unglaubliche 2023er EP The Offering mit einem komplett überholten und massiv gereiften Sound, geprägt von saumäßig eingängigen ’77er Hooks wie man sie so eindringlich selten gehört hat jenseits der goldenen Ära von so Bands wie Dickies, Buzzcocks und Adverts. Das alleine wäre ja schon genug Substanz um die Band aus der Masse herausstechen zu lassen, aber das ist nur ein Teil des Appeals dieser Band und wäre nicht komplett ohne die gleichermaßen melodische wie elaborierte Gitarrenarbeit des Frontmannes Jon Garcia und seiner genauso bissigen wie auch beseelten Gesangsdarbietung. Eine explosive Formel, an die sich die Band seitdem weitgehend gehalten hat und auch ihr jüngst erschienener erster oder – je nachdem wie man Zählt – zweiter Langspieler klingt sowohl nach dem vorläufigen Hohepunkt als auch einer Rückschau auf ein Jahrzehnt des hochinfektiösen Songhandwerks, bestehend zur einen Hälfte aus exzellenten neuen Songs und zur anderen aus arschtretenden Neuaufnahmen einer Auswahl ihrer alten Hits, die teilweise bis zur eingangs erwähnten Debütplatte zurückreichen. Das Ergebnis ist nicht weniger als ein sofortiger Instant-Klassiker und gehört definitiv zum besten was ihr dieses Jahr zu hören bekommt im Bereich von geradlinigem aber elegantem Punkrock mit starker Songsubstanz und einer klaren Vision.
Nicht furchtbar schwer zu beschreiben was die Band aus Atlanta da auf ihrer Debüt-LP veranstaltet, deren Titel genau so gut A Crass Discharge of Rudimentary Peni lauten könnte, aber wenngleich das alles ausgesprochen spezifisch und geradeaus klingt, ziehen Cruciflys diesen Scheiß in durch und durch überzeugender Manier ab mit reichlich Intelligenz und Variation in ihren Songstrukturen, die die sich einerseits weitgehend in den üblichen Parametern ihres gewählten Rahmens aus frühem Hardcore, 1st gen Anarcho Punk und Death Rock bewegen, sich dabei aber niemals wiederholen und ein ungewöhnlich großes Maß an frischer Energie und unerwarteten Wendungen aus den jahrzehntealten Genre-Tropes herausholt. Alles an dieser Platte operiert auf einem Level meilenweit über’m Durschschnitt was oldschoolige Genre-Flashbacks angeht.
Das ’24er Fucking USA Tape der Band aus Richmond, Virginia zeigte bereits die frühen Zeichen von etwas gutem, aber erst auf ihrer neuen EP via Sex Fiend Abomination entfalten sich die Qualitäten voll, die sich zuvor schon andeuteten und was die Band hier verzapft klingt für mich wie ein frischer Windhauch in einem bodenlosen Ozean von ziemlich oldschool agierenden Bands, die irgendwie alles dransetzen um möglichst schnell und hart zu spielen aber mich letztendlich nur jedes mal von neuem Langweilen mit ihren ultra-generischen, schmerzhaft einfallslosen Songs und Arrangements. Yankee Bastard verweigern sich diesem alten Spiel des Hardcore-Konformismus, nicht indem sie hier etwas grundlegend neues erfinden, sondern einfach indem sie jederzeit ein grundlegendes Level an Kreativität und Abenteuerlust anwenden, das im Punk eingentlich selbstverständlich sein sollte – jeder Song hier wird durch irgendeine Seltsamkeit, eine fixe Idee oder einen Blitz von melodischer Brillianz aufgewertet. So soll es sein, Musik kann und darf grimmig und angepisst sein und zugleich dennoch Spaß machen. Und meine Fresse, so schwer wie es nötig ist, dass Punk die hässliche Wahrheit spricht, so sehr müssen wir auch irgendeine Freude und Vergnügen daraus ziehen in Zeiten, in denen die täglichen Nachrichten alleine schon mehr als genug sind, um in einem persönlichen Strudel der Verzweilflung zu versinken. Man sagt ein Kernfeature des Faschismus sei das komplette versagen der kollektiven Vorstellungskraft und genau deshalb erwarte ich von Punkrock umso mehr ein gewisses mindestmaß an Fantasie. Wer das nicht hat, verschwendet meine Zeit und Aufmerksamkeit und ich lese stattdessen lieber mehr von den deprimierenden Nachrichten, denn wenigstens muss ich mir dazu üblicherweise keine blutleere, geschmacksneutrale Musik anhören.
Bevor ich es vergesse, da kam ja gleich noch eine arschtretende Ladung aus definitiv nicht langweiligem Hardcore Punk am gleichen Tag raus, aus der gleichen Stadt und auf dem gleichen Label. Darauf brillieren U.A.V. dank einer garagigen und KBD-mäßigen Basis für ihrem unprätentiösen Oldschool-Sound, einer fuzzlastigen und wandlungsfähigen Qualität in der Gitarrenarbeit und einer so wuderbar entgleisten wie auch angepissten Performance des Sängers. Es braucht eigentlich so wenig, um aus dem Genre-Durchschnitt herauszustechen. Eine gute Idee oder zwei, ein gesundes Minimum an Aufmerksamkeit für Songs und Arrangements… und das ist warum ich in Sachen Hardcore heutzutage ein paar Ansprüche hege. Ist davon nichts am Start, interessiert es mich auch kein bisschen wie schnell und hart ihr euren DIN-genormten Borecore spielt und wie mega Punk ihr dabei ausseht. Keine Geduld mehr übrig für sowas.
Die Debüt-EP dieser Band aus Porto, Portugal entzückt mit einer tadellos gleitenden Melange aus Synth-veredeltem Garage Punk, der sich einerseits wie eine willkommene Rückblende zu einer späten 2010er Ära des elektrifizierten, Egg-mäßigen Punk-Deliriums und so Bands der Marke Set Top Box, Research Reactor Corp. anfühlt, und mit weiteren Anklängen an Ausmuteants, S.B.F. und Kid Chrome’s schwerer Riffkanone aufwartet, ohne dabei aber den Faden zu einer Reihe von jüngeren Bands zu verlieren wie etwa Beef, The Gobs, Kerozine, Factory City Children und ganz besonders 3D and The Holograms. Also klar, die erfinden hier das Rad nicht neu, aber ungeachtet dessen ist das durchweg spaßiger und mehr als kompetent durchgezogener Scheiß, den Genre-Aficinados sich keinesfalls entgehen lassen sollen.
Diese Band aus Perth, Australien, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Semtex 87, stellt das bereits ziemlich wuchtige Schaffen jener Vorgängerband noch mal locker in den Schatten in Sachen überwältigender Lärmattacke, eine maximal giftige Wetterfront verpackt in eine dicke Schicht aus Noise, Feedback und Distortion, Dreck, Öl und Ruß. Wer aber genauer hinhört, dem offebart sich darunter ein ungeahnt reichhaltiger Kern voller Nuancen und Details, die das hier zu einem ausgesprochen lohnenden Unterfangen machen das fraglos auf einem höheren Level agiert als irgendeine beliebige Hard-/Noisecore-Veröffentlichung.
Einer der klar esoterischeren Ausläufer der aktuellen Art Punk-Landschaft schlägt hier mal wieder zu mit sechs neuen, durchweg arschtretenden Minuten von Math-lastigen, Dub-durchtränkten, Polyrhythmus-fixerten und such hemmungslos gehen lassenden Post Punk-Nuggets, die einfach nur nach Kopf im eigenen Arsch klingen würde von jeder anderen Band. Aber diese Leute aus Buffalo, New York, die ihre filigrane Formel im Laufe von fünf Jahren und sechs Veröffentlichungen unglaublich verfeinert und perfektioniert haben, gehören zu den seltenen Ausnahmenm die diese luftigen Ambitionen mit einer überfließenden Fülle an musikalischer Substanz und bombenfester Klangarchitektur zu untermauern verstehen.
Mehr exzellenter Hardcorescheiß von einer Band aus Dartmouth, Nova Scotia, Kanada und was ich mal als ihre bislang ansprechendste Veröffentlichung bezeichnen möchte. Darauf vermischen sie etwas von einer klassischen ’80er Hardcoreattacke mit reichlich garagigen Hooks, ’77er Melodien und der rohen Energie der KBD-ära. So ungefähr würde ich es mir vorstellen wenn so puristische Garagenacts wie Jacket Burner, Buck Biloxi oder Bart And The Brats eine Hardcore-Platte aufnähmen.
Oh, hey, genau passend zu dieser anderen Band mit dem Hundenamen, hier ist neuer Scheiß von der einzigen Band der Welt, die nicht The Dogs heißt. Hatten beide Bands irgendwann mal, zur Zeit ihrer ersten EP in 2022, eine gewisse Ähnlichkeit, haben Dog Lips aus Portsmouth, New Hampshire sich doch spätestens mit der letztjährigen Danger Fowrard LP weitgehend davon weg entwickelt und betätigten sich darauf doch mehr in einem recht kontemporär klingenden Post Punk-Sound, aber auch nicht ohne Momente und Flashbacks zu ihrer einfacheren Garage Punk-Vergangenheit. Die neueste EP klingt dann auch nach einer direkten fortführung davon, die aber gleichsam auch graduell ihren Sound verfeinert und erweitert, der mich häufig an diverse Bands erinnert, die irgendwann im vergangenen Jahrzehnt ihren Anfang genommen haben wie etwa Flat Worms, The Cowboy, die frühen Protomartyr, Plax oder Speed Week.