Viel vom frühen Material dieser Band aus Chicago fühlte sich für mich ein bisschen zu vage und ungreifbar an um daraus schlau zu werden, aber ihr neues Langspieldebüt spielt da mal in einer ganz anderen Liga. Ich komme hier in Versuchung jener Platitüde, dass ihr Sound hier in einen scharfen Fokus einrastet, aber ehrlich gesagt ist es doch eher ein absichlicher Soft-Fokus, der ihre Jangle-lastige Melange aus Power Pop, Art-, Garage- und Psychedelic Rock, Spritzern von '90er Indie Rock und '80er Flying Nun Records-Psychedelia in ein ausgesprochen schmeichelhaftes Licht rückt. Der Scheiß klingt wie etwas, das am ehesten vor so 15 Jahren erschienen sein könnte in einer Garage-Subnische, die seitdem etwas auf die Abstellgleiser des Zeitgeists delegiert wurde, aber irgendwie auch nie ganz Weg war. Vermutlich brauchte es einfach nur mal wieder einen beeindruckenden Release wie diesen hier, um das Genre aus seiner selbstverliebten Mittelmäßigkeit zu schocken. Die surreale, hypnagogische Stimmung dieser Songs habe ich so eindrucksvoll mindestens nicht mehr gehört seit den frühen Werken etwas von Rat Columns und Blank Realm Anfang der 2010er, aber auch stärker Garage-orientiertes, jangle-vernebeltes Zeug aus der selben Ära etwa von den frühen White Fence und Apache Dropout kommt mir da in den Sinn und ich komm auch nicht umhin, da ein paar Echos von den '90er Shoegazern Flying Saucer Attack drin zu vermuten. Eine selten gewordene Art von einem wundersamen, virtuos aus den Balance geschlagenen Weirdo Pop-Album, eine Sorte von der ich bisher gar nicht realisiert hatte, wie sehr ich das vermisst habe in diesem Jahrzehnt.