Ich machte mir ein paar Sorgen was die zweite Narkose-LP angeht denn so sehr ich das Debüt verschlungen habe, was doch irgendwie auch klar dass die exakt gleiche Art von Platte nicht ein zweites mal funktionieren würde und alles hing davon ab wie die Band der Herausforderung begegnen würde, ohne dabei die spezielle Essenz zu verlieren die sie zu einer der beeindruckendsten Stimmen in der deutschsprachigen Punklandschaft gemacht hat. Ich freu mich zu sagen, dass sie auch hier wieder ihren eigenen Weg gefunden haben! Unauffällig verbesserte Produktionswerte geben hier strukturelle Unterstützung für einen Sound, der jetzt ein bisschen die dunklen '80er Anarcho-Vibes zurücknimmt zugunsten eines etwas kontemporärer klingenden Post Punk und Postcore-Sounds, der in Songs wie Keine Ziele etwa eine Ahnung von britischer 2010er Post Punk- und Noise Rock-Schule transportiert, wie sie dort florierte in den Jahren bevor die aktuelle Hegemonie aus aalglatten Mumblecore-Punkfluencern mit Brokkolifrisur letztendlich den Hypekrieg gewann. Die gleichermaßen schweren und saumäßig eingängigen Hooks schlagen dabei präziser ein als je zuvor während eine geringfügig aufgeräumtere Klangästhetik einen zunehmenden Wipers-Feel in der Gitarrenarbeit offenbart. Der lyrische Gehalt hingegen gehört weiterhun zum trübsten was man mit kurz angebundenen, gezielt plazierten Worten tun kan um Salz in die Wunden eines rapide zersplitternden Europas zu streuen mit einer unverblümten Direktheit und Dringlichkeit, für die ich nicht jederzeit die passende psychische Resilienz aufbringen kann, aber am Ende ist es halt auch nur das konstante Hintergrundrauschen einer kollabierenden Gesellschaft mit dem jeder von uns irgendwie klarkommen oder dran zerbrechen muss und es ist und bleibt eine heilsame Katharsis wenn ein paar Typen mit einer lyrischen Kraft, die weit über dem traurigen Standard einer sprachlich notorisch gehandicapten Deutschpunk-Ödnis operiert, mit gezielten Worten die akuten Schmerzpunkte angeht.