
Nach zwei famosen EPs in 2024 poppen Temporary Curse aus Austin wieder hier auf mit einer dritten, die für mich auf den ersten Blick dann doch tatsächlich etwas mehr nach 2024 klingt als mir lieb ist, dank der beschleunigten Kodifizierung von Eggpunk-Tropes und -Konventionen, Genre-Übersättigung, bla bla bla... ich hab mich darüber schon ausgelassen. Etwas blutarm fängt das hier an bevor die Platte erst mit ihrem dritten Song Monochrome richtig in die Gänge kommt, in welchem sich hier erstmals wieder die markant catchy psychedelischen Qualitäten der beiden Vorgänger Bahn brechen in einer Explosion furioser Hooks, gefolgt von einem makellosen Juwel des griffigen Midtempo Fuzz Punk namens Insect und dem einfach gebauten aber umfänglich funktionalen Garagensmasher Speedracer. Der instrumentale Rausschmeißer-Song tut danach nicht weiter weh aber ist auch schnell wieder vergessen. So da habt ihr's, drei Treffer und drei Fehlzündungen auf dieser Platte und irgendwie ein Zeichen der Zeit dass ich hiermit vermutlich das erste wirklich lauwarme Review einer Platte in diesem Blog ablade... nicht dass ich mein stümperhaftes Geschreibsel jemals wirklich als "Reviews" verstanden hätte (anstatt als fragwürdig formulierte aber ernstgemeinte Empfehlungen), aber an diesem Punkt komme ich um das Wort wohl nicht mehr herum, oder? Immer noch besser als Content, haha.
Wie auch immer, wenn ihr euch gefragt habt warum ich mich in jüngerer Zeit ungewohnt kritisch zu manchen Platten äußere, dann ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass das Musikjahr 2026 bisher die enttäuschendste, kreativ stagnierende Hundescheiße war an die ich mich erinnern kann seit ich das Blog angefangen hab und es mir zunehmend schwerer fällt noch jede Woche etwas zu finden, für das ich mich uneingeschränkt begeistern kann - sicher auch einer von mehreren Faktoren dafür, dass ich hier weniger und unregelmäßiger poste und irgendwie passend für Zeiten, in denen auch außerhalb der eigenen Bubble alles gute in der Welt zu verrotten und verrohen scheint und sich für absehbare Zeit wenig plausible Lichtblicke auftun. Whatever man, ich hoffe dass wenigstens der kommende Herbst das Jahr etwas rehabilitieren wird mit einer würdigen Flut herausragender VÖs, denn sonst kann ich nicht anders als zu hinterfragen warum ich den Scheiß hier eigentlich mache und wie viel Sinn es noch macht, mich Woche um Woche diesem nicht unsubstanziellen Grind auszusetzen, von dem ich eh nicht weiß wie lange ich ihn in meiner Situation noch realistisch aufrechterhalten kann. Überhaupt, ein Musikblog zu starten im Jahr 2013, zu einer Zeit in der die meisten anderen Blogs der 2000er Ära schon wieder verschwunden oder in ihren letzten Atemzügen waren und die potentielle Leserschaft zunehmend das offene Web zugunsten der dunklen Dystopie sozialer Medien verließ... was für eine verfickte Schnappsidee war das denn eigentlich? Jetzt fühlt sich 2026 irgendwie zunehmend nach dem Jahr an, in dem das alles für mich zu zerbrechen droht nicht zuletzt angesichts langjähriger persönlicher, ökonomischer und auch die seelische Gesundheit betreffender Realitäten. Wie auch immer in der Zwischenzeit, kann mal irgendwer was tun um mich von diesem nagenden Ende-einer-Ära-Vibe abzulenken?