
Der Werdegang der New Yorker Band Shop Talk über die Jahre gehört fraglos zu den etwas unwahrscheinlicheren. Erstmals in meinen Radar gerieten die mit ihrer selbstbetitelten 2016er Mini-LP, die damals noch mit einem etwas zurückgelehnteren, seinerzeit recht gängigen Garage Punk-Sound aufwartete, irgendwo zwischen gleichen Teilen Gun Club und aktuelleren Acts der Zeit wie Woolen Men und Eddy Current Suppression Ring. Danach war dann erst mal sehr lang Funkstille, es dauerte geschlagene sieben Jahre bevor ihre nächste Veröffentlichung aufschlug – die unglaubliche 2023er EP The Offering mit einem komplett überholten und massiv gereiften Sound, geprägt von saumäßig eingängigen ’77er Hooks wie man sie so eindringlich selten gehört hat jenseits der goldenen Ära von so Bands wie Dickies, Buzzcocks und Adverts. Das alleine wäre ja schon genug Substanz um die Band aus der Masse herausstechen zu lassen, aber das ist nur ein Teil des Appeals dieser Band und wäre nicht komplett ohne die gleichermaßen melodische wie elaborierte Gitarrenarbeit des Frontmannes Jon Garcia und seiner genauso bissigen wie auch beseelten Gesangsdarbietung. Eine explosive Formel, an die sich die Band seitdem weitgehend gehalten hat und auch ihr jüngst erschienener erster oder – je nachdem wie man Zählt – zweiter Langspieler klingt sowohl nach dem vorläufigen Hohepunkt als auch einer Rückschau auf ein Jahrzehnt des hochinfektiösen Songhandwerks, bestehend zur einen Hälfte aus exzellenten neuen Songs und zur anderen aus arschtretenden Neuaufnahmen einer Auswahl ihrer alten Hits, die teilweise bis zur eingangs erwähnten Debütplatte zurückreichen. Das Ergebnis ist nicht weniger als ein sofortiger Instant-Klassiker und gehört definitiv zum besten was ihr dieses Jahr zu hören bekommt im Bereich von geradlinigem aber elegantem Punkrock mit starker Songsubstanz und einer klaren Vision.