Nippon Connection: Der DonnerstagExpe­ri­men­tell ging’s heute los mit dem Zwei­er­ge­spann Midori-ko und Still in Cos­mos. Bei letz­te­rem han­delt es sich um eine expe­ri­men­telle Arbeit von Taka­shi Makino, die ursprüng­lich als Video­in­stal­la­tion erdacht wurde. Eine Hand­lung oder sowas gibt’s nicht, dafür aber einen schnel­len, psy­che­de­li­schen Bil­der­rausch, der im Zusam­men­spiel mit dem Sound­track des geschätz­ten Expe­ri­men­tal­mu­si­kers Jim O’Rourke selt­same Effekte im Hirn des Zuschau­ers aus­löst. Nur etwas lau­ter hätte es noch sein kön­nen 🙂
Midori-ko von von Keita Kuro­saka schlug dann wie­der einen etwas „nor­ma­le­ren“  Ton an. Der in Zehn­jäh­ri­ger Handa­reit ent­stan­dene Ani­ma­ti­ons­film schil­dert die bizarre Geschichte der klei­nen Midori, die ums ver­re­cken kein Fleisch essen mag und sich in eine Welt wünscht, in der nur Gemüse exis­tiert und alles sich um Pflan­zen dreht. Dann ent­führt uns der Strei­fen in jene selt­same Traum­welt, in der alle prot­ago­nis­ten die Form von Pflan­zen- oder Tier­hy­bri­den anneh­men und wo Midori eine selt­same Pflanze mit mensch­li­chen Gesichts­zü­gen vor dem Hun­ger ihrer Nach­barn beschüt­zen muss. Midori-Ko ist ein wirk­li­ches High­light für Fans der unkon­ven­tio­nel­le­ren Ani­ma­ti­ons­kunst und schafft es trotz des hohen künst­le­ri­schen Anspru­ches eine mit­rei­ßende Story zu erzäh­len und durch­weg gut zu unter­hal­ten.

Nippon Connection: Der DonnerstagVor der Vor­stel­lung von Cold Fish tauchte dann noch der Klaus vom Japan­kino-Blog auf und erwies sich wie zu erwar­ten als unglaub­lich net­ter Zeit­ge­nosse. Zusam­men ging’s dann zur Vor­stel­lung des neuen Wer­kes des gefei­er­ten Sion Sono.
In Cold Fish por­trai­tiert Sono mal wie­der eine kaputte Fami­lie. Shamoto, ein unbe­hol­fe­ner Vater und Fisch­händ­ler, eine rebel­li­sche Toch­ter, deren Mut­ter vor Jah­ren ver­starb und eine von ihr ver­hasste Stief­mut­ter, die ihre Abnei­gung genau so kalt erwie­dert. In die­ses kranke Gefüge bricht wie ein Licht­strahl der Fisch­händ­ler Murata ein, des­sen über­schweng­li­chem Charme bald alle drei erlie­gen. Er gibt der über­glück­li­chen Toch­ter Mit­suko einen Job in sei­nem Laden und macht Shamoto sogar das Ange­bot einer Geschäfts­part­ner­schaft, das ein­fach zu gut scheint, um wahr zu sein. Bald jedoch zeigt Murata das wahre Gesicht hin­ter sei­ner gut­her­zi­gen Fas­sade und nutzt Shamo­tos Ver­trauen zuneh­mend aus um ihn am Ende zum wil­len­lo­sen Gehil­fen sei­ner allzu mör­de­ri­schen Machen­schaf­ten zu machen.
Was soll ich noch sagen… Ein wei­te­rer gelun­ge­ner Ein­trag in Sion Sonos Filo­gra­fie. Klar, sein gefei­er­tes Epos „Love Expo­sure“ ist so ein­fach nicht zu top­pen, und glück­li­cher­weise ver­sucht er es auch gar nicht. Statt­des­sen vari­iert er einige sei­ner bereits bekann­ten und lieb­ge­won­ne­nen Motive und Stil­ele­mente zu einem packen­den und von raben­schwar­zem Humor trie­fen­den Thril­ler. Im Som­mer erscheint der Film bei uns auf DVD, lasst ihn euch nicht ent­ge­hen.

Nippon Connection: Der DonnerstagMehr als eine kleine Ent­täu­schung war dann der (warum eigent­lich?) auf der Ber­li­nale gefei­erte Heaven’s Story von Taka­hisa Zeze, der sich ehr­lich gesagt als vier­ein­halb­stün­dige Kack­wurst von einem Film her­aus­stellte. Ich habe ja schon viele eher mäßige Filme gese­hen, aber so extrem ver­är­gert hat mich schon lange kei­ner mehr. Das ist genau die über­stra­pa­zierte und aus­ufernde Art­house­ka­cke, die regel­mä­ßig von ahnungs­lo­sen Jour­na­lis­ten gefei­ert wird, von denen es halt erwar­tet wird, sowas gut zu fin­den. Naja, ich hab jetzt nicht mehr die Zeit ins Detail zu gehen, da wäre mal ein eige­ner Post ange­bracht um in aller Breite zu erklä­ren, was ich an dem Film alles scheiße finde.
Mor­gen geht’s hier wei­ter mit mei­nen Ein­drü­cken vom Frei­tag, bis dann.