Creative Adult – Psychic Mess

Creative Adult - Psychic Mess
Die schon seit gerau­mer Zeit um sich grei­fende Welle düs­te­ren und – mal mehr, mal weni­ger – kom­pro­miss­lo­sen Post­punks scheint sich ein­fach nicht tot zu lau­fen. Klar gibt’s auch ’ne Menge unin­spi­rier­ter Drecks­ver­öf­fent­li­chun­gen zu ertra­gen, aber es ist doch erstaun­lich mit welch hoher Fre­quenz der­zeit immer wie­der neue Bands auf­tau­chen, die das Genre wie­der um eine oft sub­tile, aber sehr eigene Geschmacks­note berei­chern.
Die Mit­glie­der von Crea­tive Adult aus San Fran­cisco kom­men ursprüng­lich eher aus der Hard­core-Ecke, auf ihrem Debüt­al­bum haben sie sich sound­mä­ßig aber größ­ten­teils davon frei­ge­stram­pelt. Es ist ohne Frage eine der eigen­stän­digs­ten Plat­ten aus dem Genre-Umfeld, von einer Band, die – sehr sym­pa­thisch – offen­sicht­lich zu kei­ner­lei Kom­pro­mis­sen bereit ist. Die Platte ist schon ein ganz schö­ner Bro­cken mit einer für sol­chen Lärm end­los erschei­nen­den Spiel­zeit von über 40 Minu­ten, aber unter der rau­hen Ober­flä­che ver­ber­gen sich ton­nen­weise kleine Hooks, Melo­dien und böse kleine Wider­ha­ken, die sich irgendwo zwi­schen den Syn­ap­sen fest­set­zen und einen dazu ver­an­las­sen, dann doch auf repeat zu drü­cken, um eine wei­tere Runde musi­ka­li­schen Sadis­mus über sich erge­hen zu las­sen. Außer­dem beher­schen die Jungs das Spiel von Zucker­brot und Peit­sche (na ja, Peit­sche über­wiegt hier), streuen auf Song- wie auf Albu­mebene immer im rich­ti­gen Moment die klei­nen melo­di­schen Licht­bli­cke ein, ändern die Marsch­rich­tung ein wenig oder dros­seln das Tempo. Es tritt nie die Über­sät­ti­gung ein, die weni­ger aus­ge­reifte Gen­re­bei­träge oft aus­zeich­net.
Fans von Bands wie den Kopen­ha­ge­ner Lower und Iceage, den eta­blier­ten Noi­sero­ckern Pis­sed Jeans, The Men in ihrer frü­hen Phase oder altem AmRep-Krem­pel wer­den sich hier schnell zuhause füh­len. Manch­mal kingt’s auch wie etwas weni­ger abge­spa­cete Destruc­tion Unit.


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Dasher – Yeah I Know

Dasher - Yeah I Know
Mit einem Jahr Ver­spä­tung stoße ich auf die­ses Trio aus Atlanta, Geor­gia. Schön erbar­mungs­lo­ser Noise-​/​Postpunk, sim­pel und effek­tiv, kurz und schmerz­haft. Zwi­schen­durch scheint aber auch mal die eine oder andere son­nige Pixies-Melo­die durch.

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Krill – Steve Hears Pile in Malden and Bursts into Tears

Krill - Steve Hears Pile in Malden and Bursts into Tears
Ein kur­zer Ver­such die Fak­ten zu ent­wir­ren:
1. Krill sind eine Indierock-​/​Postcore-​Band aus Bos­ton, ihre hier bespro­chene neue EP erschien soeben.
2. Pile sind eine wei­tere Indierock-​/​Postcore-​Band aus Bos­ton. Ihre neue 7″ „Spe­cial Sno­wflakes /​ Mama’s Lip­stick“ erscheint im März.
3. Steve ist ein Cha­rak­ter aus einem Pile Song. Er ist auch Gegen­stand der Krill-EP „Steve hears Pile in Mal­den and Bursts into Tears“.
4. Die Kon­zept-EP Steve Hears Pile in Mal­den and Bursts into Tears han­delt davon wie Steve die Erkennt­nis, ein Cha­rak­ter aus einem Pile-Song zu sein, in eine schwere exis­ten­zi­elle Krise stürzt.
Alles ver­stan­den? Ok, dann kön­nen wir ja jetzt zur Begut­ach­tung der Musik über­ge­hen. Die erweist sich als eine zeit­lose Mischung aus 90er Indie-Iko­nen wie etwa Pave­ment oder Cho­ke­bore und dem ver­track­ten, intel­li­gen­ten Sound den das Washing­to­ner Dischord-Lager etwa zur glei­chen Zeit so her­vor­brachte. Und die auf der Platte besun­gene Band liegt auch nicht ganz fern als Refe­renz. Weil Krill aber nicht nur ihr Genre sou­ve­rän meis­tern, son­dern dies auch auf der Grund­lage von fünf durch und durch stim­mi­gen Songs bewerk­stel­li­gen, ist diese Platte weit davon ent­fernt, ledig­lich ein wei­te­rer Bei­trag zu der bald zu erwar­ten­den Über­sät­ti­gung an der­zeit so ange­sag­ten Neun­zi­ger-Wie­der­käu­ern zu sein. Das hier ist eine Platte mit hau­fen­weise Sub­stanz, ein­ge­spielt von einer selbst­be­wuss­ten Band, die auch den neu­es­ten Trend über­le­ben wird. Und die andere Bos­to­ner Band auch. Deren letz­ten Lang­spie­ler Drip­ping muss man drin­gend mal gehört haben.

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Never Young – Master Copy

Never Young - Master Copy
Die­ses Duo aus Oak­land über­rascht mit einer sehr aus­ge­reif­ten Debüt-EP. Könnte man irgendwo zwi­schen den Eck­pfei­lern Post­core und -punk, Noise und etwas der­be­rem Sho­egaze ein­ord­nen. Erin­nert mich auch sehr posi­tiv an die hier schon gefea­tureten Wild Moth. Es ist genau die Art von Grat­wan­de­rung zwi­schen Krach und Melo­die, Aggres­sion und Melan­cho­lie, die mich immer von neuem anfixt. Gut gemacht.

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Criminal Code – No Device

Criminal Code - No Device
Wäh­rend Freunde des trei­ben­den und düs­te­ren Post­punk noch sehn­lich auf den ers­ten Lang­spie­ler von Lower war­ten, kommt ganz uner­war­tet so ’ne Band aus Tacoma, Washing­ton daher, die diese Lücke nicht nur aus­zu­fül­len ver­mag, son­dern mühe­los in der Welt­liga mit­spielt. Erin­nert durch­aus an erwähnte Lower und ihre Kopen­ha­ge­ner Kol­le­gen Iceage oder an White Lung. Wenn man etwas wei­ter in der Musik­ge­schichte zurück­spult fal­len einem dann auch die eigen­wil­li­gen Gitar­ren­li­nien der Wipers ein und das melo­di­sche Geschred­der von Hüs­ker Dü steckt da auch mit drin. Aber ehr­lich, ein so ganz pas­sen­der Ver­gleich fällt mir dann doch nicht ein. Cri­mi­nal Code sind ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel, wie man aus durch­aus bekann­ten und erprob­ten Genre-Ver­satz­stü­cken sein ganz eige­nes, unver­wech­sel­ba­res Süpp­chen kochen kann. Die Ent­wick­lun­gen des letz­ten Jah­res las­sen auf ein gutes Jahr 2014 für trei­ben­den, inno­va­ti­ven und kom­pro­miss­lo­sen Hard­core und Punk hof­fen. No Device ist nicht nur ein guter Vor­ge­schmack dar­auf, son­dern ein abso­lu­tes High­light des noch jun­gen Jah­res.

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Bodyfather – Bodyfather

Bodyfather - Bodyfather
Noch so ein Noiserock-​/​Postcore-​Gedöns, dies­mal von einer Band aus Atlanta, Geor­gia. Hört sich an wie eine Ver­schmel­zung von Fugazi und Shel­lac, mit Ver­wei­sen auf noch andere 90er-Bands, etwa Fudge Tun­nel oder alte Amphet­amine Rep­tile Plat­ten. Bin durch­aus ange­tan davon, was sich in die­sem Gen­re­pool gerade so tut, der von eini­gen Jah­ren noch ziem­lich abge­früh­stückt aus­sah.

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Ruined Families – Blank Language

Ruined Families - Blank Language
Rui­ned Fami­lies sind eine nicht mehr ganz uner­fah­rene Hard­core­band aus Athen und wer sich mal ein Bild von der aktu­el­len Stim­mung dort machen möchte, dem sei diese Platte als Illus­tra­tion ans Herz gelegt. Sti­lis­tisch würd‘ ich das ganze mal als moder­nen, düs­te­ren Post­core mit Crust-Ein­schlag beschrei­ben. Dabei geben sie sich in der Wahl ihrer Ein­flüsse und in ihren Song­struk­tu­ren durch­aus ori­gi­nell, immer wie­der blit­zen alte Emo­a­n­lei­hen, Black Metal und Cha­o­score-Ein­flüsse auf und man kann nie ahnen was für unheim­li­che Dinge jetzt schon wie­der hin­ter der nächs­ten Kurve lau­ern. Die größte Leis­tung die­ses Albums, die Eigen­schaft, die ledig­lich eigen­stän­dige und ambi­tio­nierte Hard­core­plat­ten von wirk­lich her­aus­ra­gen­den Genre-Wer­ken unter­schei­det, ist aber ihre mit­rei­ßende Emo­tio­na­li­tät, die hier glaub­haft und nicht kon­stru­iert erscheint, son­dern den Hörer wirk­lich zu berüh­ren weiß.

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Death Pedals – The Carvery

Death Pedals - The Carvery
Die­ses Krach­quar­tett aus Lon­don kon­stru­iert hoch­ef­fi­zi­ente Punk-Erup­tio­nen an der Schnitt­stelle zwi­schen Noi­se­rock, Gara­gen­punk und Post­core. Der ener­gie­ge­la­dene Gara­ge­core von Hot Sna­kes scheint hier mehr als ein­mal durch, auch aktu­el­lere Geschich­ten wie etwa Metz hat­ten wohl etwas bei­zu­tra­gen. Hier wird sowohl der inzwi­schen arg ram­po­nierte Ruf des Post-Hard­core auf­po­liert, als auch dem häu­fig allzu selbst­ver­lieb­ten und ver­kopf­ten Noi­se­rock-Genre zu neuer Fri­sche ver­hol­fen.
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Planner – Canada is the Reason

Planner - Canada is the Reason
Tol­ler Post-​/​Noisecore aus Flens­burg, der sich nicht so recht auf ein bestimm­tes Sub­genre fest­na­geln las­sen will. Klingt mal etwas nach Dackel­blut- oder frü­her Tur­bo­staat-Schiene mit eng­li­schen Lyrics, mal erin­nert es eher an den moder­nen Post-Hard­core der frü­hen Nul­ler­jahre, noch ange­nehm frei von ner­vi­gen Metal­core- oder Screamo-ein­flüs­sen. Ox ver­gleicht sie mit Hot Sna­kes. Auch nicht ganz falsch, wobei Plan­ner da doch irgend­wie noch ’n gan­zes Stück old­schoo­li­ger klin­gen. Zwölf Songs in zwan­zig Minu­ten, keine Note zu viel gespielt. Sitzt alles per­fekt.
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Red Hare – Nites Of Midnite

Red Hare - Nites Of Midnite
Was geht eigent­lich heute mit Dischord? Vol.3
Das Dischord-Uni­ver­sum ist klein und von Ban­din­zest geprägt, wo man auch hin­schaut. Jedes Gespräch über diese Bands beginnt zwangs­läu­fig mit end­lo­sem Name­drop­ping, man ver­liert schnell den Über­blick, wer schon mal mit wem was genau gemacht hat. Die bekann­tes­ten Ex-Bands in die­sem Fall sind Dag Nasty, Blu­e­tip, Reti­so­nic und noch ein gan­zer Hau­fen ande­rer. Auf jeden Fall ist die Platte wie­der mal ein ange­neh­mer Flash­back in die Blü­te­zeit des DC-​Hard-​/​Postcore, der sehr schön die noch deut­lich pun­ki­gere Phase der spä­ten 80er und ihre Emo-Pro­to­ty­pen, mit dem eher ver­kopf­ten Sound der Mitt­neun­zi­ger ver­bin­det.
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Alarms & Controls – Clovis Points

Alarms & Controls - Clovis Points
Was geht eigent­lich heute mit Dischord? Vol.1
Ich muss sagen, es war nicht beson­ders schwer das Washing­to­ner Tra­di­ti­ons­la­bel aus den Augen zu ver­li­ern, nach­dem Dischord zum Ende des letz­ten Jahr­zehnts fast in der Ver­sen­kung ver­schwand und außer ein paar Reis­sues alter Klas­si­ker nicht mehr viel von sich hören ließ. Auch ein eta­blier­tes, bedeu­ten­des Indie Label muss wohl erst mal den Nie­der­gang des „alten“ Musik­busi­ness ver­dauen.
Die Ver­öf­fent­li­chun­gen des Labels haben aber einen beson­de­ren Platz in mei­nem klei­nen Musik­nerd-Her­zen, hat sich doch der sehr spe­zi­elle und ein­zig­ar­tige Dischord-Sound um die Jahr­tau­send­wende wie ein roter Faden durch mein jun­ges Erwach­se­nen­da­sein gezo­gen. Selt­sam daher, dass ich bis­her nicht dazu kam mich genauer mit den aktu­el­len Ver­öf­fent­li­chun­gen der Washing­to­ner Plat­ten­presse zu befas­sen, die lang­sam wie­der fahrt auf­zu­neh­men scheint. Hol ich jetzt nach.

Die jüngste Ver­öf­fent­li­chung ist ein Split-Release mit Lovitt Records. Alarms & Con­trols sind ein Hau­fen alter Bekann­ter in der hei­mi­schen Szene. Band­mit­glie­der haben unter ande­rem schon bei Cir­cus Lupus und Crown­hate Ruin mit­ge­mischt und ihre aktu­elle Band erin­nert sound­mä­ßig sehr stark an einige mei­ner absu­lu­ten Favo­ri­ten in der Dischor­d­gra­fie: Faraquet, Q and not U, Medi­ca­ti­ons. Also die etwas ver­track­tere, jaz­zig-pro­gres­siv ange­hauchte und trotz­dem immer locker groo­vende Vari­ante des klas­si­schen D.C.-Postcore. Wer etwas Geld spa­ren will, kauft (den Down­load) am bes­ten im Label-eige­nen Shop ein.
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Fins – Fins

Fins - FinsFins aus Con­nec­ti­cut fie­len mir zum ers­ten mal vor gut einem Jahr mit der noch etwas klapp­ri­gen aber viel­ver­spre­chen­den EP „Lawn­mo­wer“ auf. Auf der neuen von Ben Green­berg (The Men) pro­du­zier­ten Platte klin­gen ihre Post­core-infi­zier­ten Punk­ex­plo­sio­nen deut­lich wüten­der, tigh­ter, trei­ben­der und unge­stü­mer zugleich. Und wäh­rend ich auf „Lawn­mo­wer“ noch Par­al­le­len zu gegen­wär­ti­gen Bands aus dem Post-irgend­was-, Noise und Sho­egaze-Umfeld gezo­gen hätte, fühle ich mich hier zuneh­mend an Hüs­ker Dü erin­nert.
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