David Nance – Negative Boogie

David Nance - Negative Boogie

Lange ein Geheim­tip der loka­len Szene, hat David Nance aus Omaha in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine ganze Reihe selbst­ver­öf­fent­lich­ter CD-Rs mit kru­dem Garage Rock raus­ge­hauen und spülte erst­mals im letz­ten Jahr mit sei­nem char­mant LoFi-mäßi­gen Debüt für Ba Da Bing Records in an die Ober­flä­che. Aus glei­chem Hause kommt jetzt der Nach­fol­ger und wirkt durch einen ver­gleichs­weise kla­ren Sound etwas zugäng­li­cher, ohne dass die Musik an sich irgend­wel­che Kom­pro­misse ein­geht. Die Klang­pa­lette ist viel­fäl­ti­ger gewor­den, es machen sich dies­mal deut­li­che Ame­ri­cana-Ein­flüsse breit; sogar für eine – selbst­ver­ständ­lich ordent­lich ver­beulte – Coun­try-Num­mer ist sich der Mann nicht zu schade. Ansons­ten domi­niert nach wie vor eine sump­fige Mischung aus altem Proto- und Art­punk, Blues- und Garage Rock, einem Hauch von Glam. Oder auch mal Vel­vet Under­ground meets late The Gun Club meets early Nick Cave meets elec­tri­fied Neil Young meets The Modern Lovers. Oder ganz was ande­res, wha­te­ver… ich weiß ja nix von Musik.



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Sheer Mag – Need To Feel Your Love

Sheer Mag - Need To Feel Your Love

Bin ich froh, dass es diese durch und durch unge­wöhn­li­che Band gibt. Eine Band, die der DIY-Punk­szene ent­springt, aber sich nicht von des­sen selbst auf­er­leg­ten ästhe­ti­schen Kon­ven­tio­nen davon abhal­ten lässt, Stil­ele­mente aus altem Hard- und Sou­thern Rock auf­zu­grei­fen, sie dem Kon­text von hyper­mas­ku­li­nem Rock­star-Gehabe zu ent­le­di­gen und mit lyri­schen Inhal­ten von poli­ti­scher Agi­ta­tion und bren­nen­der Lei­den­schaft auf­zu­la­den. Und egal wie knapp sie dabei manch­mal die Kitsch-Falle um eine Haa­res­breite ver­feh­len, alle Worte aus dem Mund von Tina Hall­a­day (mei­nes Erach­tens eine der groß­ar­ti­gen Voka­lis­tin­nen unse­rer Zeit) kaufe ich ihr ohne Vor­be­halte ab.

Es fällt mir gerade schwer die Platte zu genie­ßen, ohne dabei den Kon­text der jün­ge­ren Ereig­nisse in Ham­burg im Hin­ter­kopf zu haben.
Und dazu sag ich mal herz­li­chen Dank auch, Leute. Ihr habt jetzt die per­fekte Anti-Wer­bung für euer Anlie­gen gemacht und der Bun­des­po­li­tik ein tol­les Argu­ment in die Hand gege­ben, lin­ken Pro­test zu ver­hin­dern, zu dämo­ni­sie­ren und gene­rell in ein schlech­tes Licht zu rücken. Ich hoffe, ihr habt euch dabei super-männ­lich gefühlt und habt ’nen guten Adre­na­lin-Kick beim Fan­gen­spie­len mit der Poli­zei bekom­men. Der Back­lash vom Staat wird nicht lange auf sich war­ten las­sen. Viele Men­schen, die eigent­lich auf eurer Seite ste­hen, wer­den sich jetzt dop­pelt über­le­gen ob sie zusam­men mit euch auf der nächs­ten Demo sein wol­len. Und viele Men­schen mit einem weni­ger gefes­tig­ten poli­ti­schen Welt­bild wer­den sehr zögern, bei der nächs­ten Wahl für eurem Anlie­gen mehr oder weni­ger nahe ste­hende Ver­tre­ter zu stim­men. Weil sie „links“ jetzt mit Bil­dern von Gewalt und sinn­lo­ser Zer­stö­rung asso­zi­ie­ren. Eine super Aktion war das.

Aber gerade in die­ser auf­ge­la­de­nen Stim­mung finde ich Sheer Mag und ihr exzel­len­tes Debüt­al­bum so erfri­schend und wich­tig. Denn auch wenn sie sich in ihrer Rhe­to­rik an Bil­dern von flie­gen­den Fla­schen und Stei­nen bedie­nen (und es hängt vom ein­zel­nen Hörer ab, ob er die­sen Auf­ruf wört­lich oder sym­bo­lisch ver­ste­hen will), ver­lie­ren sich die Songs im Gesamt­bild nicht in plat­ter Kampf­rhe­to­rik, son­dern setz­ten der Wut und der poli­ti­schen Mobi­li­sie­rung auch ein gro­ßes Maß an Mensch­lich­keit, Ver­letz­lich­keit und Empa­thie ent­ge­gen. Die Liebe ist schon Titel­ge­bend und die Platte besteht zu glei­chen Tei­len aus Pro­test- und Love­songs. Oft auch bei­des auf ein­mal. Zwi­schen den Zei­len rufen diese Songs dazu auf, den Mit­men­schen liebe- und ver­ständ­nis­voll zu begeg­nen. Men­schen zu ver­ei­nen, so unter­schied­lich ihr Lebens­stil, ihr Aus­se­hen und ihre Vor­lie­ben auch sein mögen. Und es dabei nicht zu ver­ges­sen, sym­bo­li­sche Fla­schen und Steine auf die men­schen­feind­li­chen Struk­tu­ren eines schei­tern­den Kapi­ta­lis­mus zu wer­fen. Oder um es mal in den Wor­ten eines alten Fritz Lang-Schin­kens aus­zu­drü­cken: „Mitt­ler zwi­schen Hirn und Hän­den muss das Herz sein.“ Rage against the machine. Love against the machine.
Wenn ich es der­zeit einer Band wün­sche durch die Decke zu gehen, dann die­ser. Dass ihre Musik viele Men­schen bewegt, ver­eint und zum Nach­den­ken bringt.



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The Roamin‘ Catholics – The Roamin‘ Catholics

The Roamin' Catholics - The Roamin' Catholics

The Roa­min‘ Catho­lics aus Syd­ney sind (oder waren? Ich bin mir da nicht so sicher…) mal wie­der eine von die­sen Under­ground-Super­groups, wie sie in der aus­tra­li­schen Szene regel­recht aus dem Boden sprie­ßen; es sind unter ande­rem Mit­glie­der von Ghastly Spats, Hou­se­wi­ves, Dry Finish, Bitch Pre­fect und Peak Twins betei­ligt.
Das erste Mini­al­bum die­ser For­ma­tion klingt in etwa wie eine Ver­men­gung von klas­si­schen Ver­tre­tern des unkon­ven­tio­nel­len Pop á la The Fall, Flip­per oder Half Japa­nese mit aktu­el­len Gara­ge­punk-Bands wie etwa Aus­mu­te­ants und Ura­nium Club. Das Ergeb­nis ist wun­der­bar knar­zi­ger Rock’n’Roll irgendwo zwi­schen den Stüh­len von Garage- und Post­punk, der trotz vie­ler Ver­schro­ben­hei­ten nie aus­ein­an­der fällt.




Einen (kom­plet­ten) Album-Stream gibt’s lei­der nicht. 🙁

Debate Club – Fish Fry

Debate Club - Fish Fry

Schi­cker zwei­ter Kurz­spie­ler einer Band aus Mont­real mit zurück­ge­lehn­tem Garage Rock und einem Hauch von Surf, der zuletzt über das fran­zö­si­sche Label Beko den Weg hier­hin gefun­den hat.


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Power-Buddies – Lonely Ghoul

Power-Buddies - Lonely Ghoul

Knappe drei Jahre nach ihrer Debüt-EP weiß mich die Gara­gen­band mit stark vari­ie­ren­der Beset­zung aus dem kana­di­schen Edmon­ton ein wei­te­res mal zu über­zeu­gen. Auf dem zwei­ten Tape der Band gibt es Gara­ge­punk mit Anklän­gen an Mudho­ney und Feed­time zu hören, dem sie eine kon­stante Schlag­seite ver­pas­sen, ohne dass der alte Kahn jemals abzu­sau­fen droht.


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Latreenagers – Latreenagers

Latreenagers - Latreenagers

Auf ihrer Debüt-EP prä­sen­tiet diese Band aus Mel­bourne eine fluffige Rock’n’Roll-Mixtur mit Ele­men­ten aus Garage und Psy­che­de­lic, vor­an­ge­trie­ben von kräf­ti­gen Groo­ves aus der Post­punk-Grab­bel­kiste.

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Chain & The Gang – Best Of Crime Rock

Chain & The Gang - Best Of Crime Rock

Es kommt mir nicht so lange vor, aber die aktu­elle Band um den post­mo­der­nen Dich­ter und Den­ker Ian Sveno­nius, in der Ver­gan­gen­heit auch bekannt auch als Front­mann von so ein­schlä­gi­gen Bands wie Nation Of Ulys­ses, The Make Up und Weird War, ist jetzt schon ein knap­pes Jahr­zehnt lang aktiv und hat in der Zeit vier Alben und min­des­tens drei 7″s von ihrem gara­gi­gen, häu­fig abs­trak­ten Retro­rock ver­öf­fent­licht, der immer hart an der Grenze zur Per­for­mance Art ope­riert. Jetzt kom­men die also mit einer Art Best Of-Album daher, aber glück­li­cher­weise haben sie sich dann doch etwas mehr Arbeit gemacht und haben die zehn alten plus zwei bis­her unver­öf­fent­lichte Songs neu ein­ge­spielt. Beson­ders beim Mate­rial aus ihrem LoFi-las­ti­gen Früh­werk macht das schon einen ganz schö­nen Unter­schied.

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Public Eye – Relaxing Favorites

Public Eye - Relaxing Favorites

Nach einer sehr ordent­li­chen EP vor zwei Jah­ren ist jetzt der erste Lang­spie­ler der Band aus Port­land gelan­det und weiß durch­aus zu gefal­len mit einem Sound aus strai­gh­tem Gara­ge­punk und unter­schwel­li­gen Post­punk-Anlei­hen, der das Genre defi­ni­tiv nicht neu erfin­det, dafür aber kon­stant solide Qua­li­tät ablie­fert. Man darf sich etwas an The Intel­li­gence oder eine abge­mil­derte Ver­sion von Ex-Cult erin­nert füh­len.



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The Intelligence Service – Transgressors

The Intelligence Service - Transgressors

Die Hälfte der Songs auf dem Lang­spiel­de­büt der Band aus Van­cou­ver ist schon von der Anfang letz­ten Jah­res erschie­ne­nen Mala­dies EP bekannt. Aber unter der pro­du­zie­ren­den Auf­sicht von Chris Wood­house, der in der Ver­gan­gen­heit unter ande­rem mit Thee Oh Sees, Fuzz und Ty Segall gear­bei­tet hat, wird sowohl das alte als auch das neue Song­ma­te­rial ins rechte Licht gerückt; ihr Gara­ge­rock mit Spu­ren von Psy­che­de­lic- und Shoegaze-Pop strahlt hier mit einer ganz neuen Prä­senz.



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Golden Pelicans – Disciples Of Blood

Golden Pelicans - Disciples Of Blood

Auch auf ihrem drit­ten Album haben es die Gara­ge­punks aus Orlando nicht ver­lernt eine Spur der Ver­wüs­tung zu hin­ter­las­sen. Noch stär­ker als auf den frü­he­ren Plat­ten spie­len sie hier gekonnt mit klas­si­schen Hard­rock-Riffs. Sowas geht bei den meis­ten Bands ordent­lich nach hin­ten los, aber Gol­den Peli­cans machen vor, wie man sowas rich­tig macht, bewah­ren ihre Atti­tüde und Punk-Ener­gie.



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