Beaches - Second Of Spring

Bei dem Psych­gaze-Quin­tett aus Mel­bourne ticken die Uhren frag­los etwas lang­sa­mer, hat die Band soeben doch mit ach und krach noch die Dead­line gekriegt, um ihr drit­tes Album inner­halb eines Jahr­zehnts zu ver­öf­fent­li­chen. Das passt aber auch per­fekt zu ihrer Musik, die sich gerne sehr viel Zeit lässt, um nicht zu sagen: Meine Geduld stra­pa­ziert. Aber es lohnt sich, bei der Sache zu blei­ben.

In ihrer Hei­mat schon lange eine Haus­num­mer (ihre ers­ten bei­den Alben waren jeweils für den Aus­tra­lian Music Prize nomi­miert…), wur­den die fünf Musi­ke­rin­nen anläss­lich ihres zwei­ten Albums im Som­mer 2013 auch inter­na­tio­nal im etwas grö­ße­ren Rah­men bemerkt. Die Betei­li­gung von Neu!-Veteran Michael Rother, der die Platte nicht nur pro­du­zierte, son­dern auch die eine oder andere Gitar­ren­spur bei­steu­erte, hat sicher auch etwas dazu bei­ge­tra­gen.

Jetzt mel­den sich Beaches also mit ihrem drit­ten Lang­spie­ler zurück und über­zeu­gen auch ohne ein­schlä­gi­ges Name­drop­ping mit einem monu­men­ta­len, aus­ufern­den Bro­cken von einem Album. Und ohne Frage sind 75 Minu­ten Musik schon ganz schön viel des Guten. Zumin­dest in der mir vor­lie­gen­den digi­ta­len Form hätte es der Platte durch­aus gut getan, die Lauf­zeit mal um ein gro­bes Drit­tel her­un­ter zu stut­zen.

Denke ich aber an die Ver­öf­fent­li­chungs­form als Dop­pel-LP, für wel­che diese Track­list ganz offen­sicht­lich gedacht ist, ergibt das Ganze schon etwas mehr Sinn in Form von vier lose gekop­pel­ten Sui­ten. In der ers­ten Hälfte domi­nie­ren dabei ganz klar die stär­ker psy­che­de­lisch-spa­ci­gen Klänge (für mich der „schwie­ri­gere“ Teil des Albums), wäh­rend sich der zweite Teil etwas son­ni­ger gibt mit einem stär­ke­ren Shoegaze- und Dream­pop-Anteil, um dann in einem kos­misch-krau­ti­gen Jam als Raus­schmei­ßer zu mün­den. Wenn ihr euch also nicht sicher seid: Schall­platte ist hier das Mit­tel der Wahl. Das muss auch ein über­zeug­ter Digi­tal­mensch wie ich aner­ken­nen. Und trotz aller Län­gen, die sich beim Genuss an einem Stück erge­ben: Wenn Beaches in der Zone sind, dann so rich­tig. Und unbe­streit­bar an vor­ders­ter Front in ihrem Genre-Spek­trum.