Solids - Blame Confusion
Wenn die ehe­ma­lige Indie-Auto­ri­tät ihre namens­ge­bende Mist­ga­bel mal wie­der zum auf­spie­ßen einer lau­ten Gitar­ren­band in Form eines bei­nahe-Ver­ris­ses zur Anwen­dung bringt, kann man fast dar­auf wet­ten dass ich drauf abfahre. So auch im Fall der Solids aus Mon­tréal, deren trei­ben­den Noi­se­punk sie als zu sim­pel und lang­wei­lig abtun. Nun ist das besagte Maga­zin in letz­ter Zeit ja auch eher dafür bekannt, jeden mit­tel­mä­ßi­gen Elek­tro­pop-Act oder auf­st­eben­den Kom­merz­rap­per zum nächs­ten gro­ßen Ding zu ernen­nen, der Bezug zu trei­ben­dem Gitar­ren­krach ist den Schrei­bern dort schon vor vie­len Jah­ren abhan­den gekom­men. Das erklärt wohl auch das Pro­blem des Rezen­sen­ten, die eigent­li­che Stärke des Albums zu erken­nen, das Fleisch des gan­zen liegt näm­lich in dem (genau!) simp­len aber effek­ti­ven und immer stim­mi­gen Gitar­ren­ge­schram­mel, hin­ter dem die eher unauf­fäl­li­gen Gesangs­me­lo­dien zurecht in den Hin­ter­grund tre­ten müs­sen um die melo­di­schen Krach­at­ta­cken umso mehr erstrah­len zu las­sen. Wie zurecht ange­merkt, wagen Solids keine Expe­ri­mente, üben sich viel­mehr in Indie­ro­cki­ger Form­voll­endung. Hier wird nicht eine über­flüs­sige Note gespielt, dafür immer genau die rich­tige. Irgend­wann ver­wi­schen bein Hörer etwas die Gren­zen zwi­schen den Songs, die Platte spült in ihrer homo­ge­nen Wucht wie eine rie­sige Welle über den ent­zück­ten Hörer. Trotz­dem leis­ten sie sich in den ein­zel­nen Songs keine Schwä­chen, jeder davon kann auch für sich selbst ste­hen.
Als Ein­ord­nungs­hil­fen muss man zwangs­läu­fig mal wie­der Japan­dro­ids und No Age anfüh­ren oder die (noch) recht unbe­kann­ten Weed aus Van­cou­ver. Auch Dino­saur Jr. oder Sonic Youth blit­zen mal durch und eine gewisse Nähe zum Emo­core der frü­hen Neun­zi­ger hört man ganz klar raus. Wer mit der­ar­ti­gem melo­di­schem Krach etwas anzu­fan­gen weiß, wird mit die­ser Platte noch lange sei­nen Spaß haben.

emu­sic
Ama­zon
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