Nippon Connection: Der Freitag

Nun ist der dritte Festivaltag verflogen und ich bin froh, endlich mal wieder im eigenen Bett auspennen zu können. Die kurzen Nächte in Frankfurt machten es mir zuletzt doch etwas schwer, den Filmen wirklich die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie eigentlich verdient hätten. Jetzt ist erst mal auschillen angesagt und am Sonntag geht’s dann noch mal für zwei weitere Filme nach Frankfurt.

Den Anfang machte die wohl am heißesten erwartete Vorstellung des Festivals: Arrietty, der neueste Streich der Ghibli-Studios und das Regiedebut des als möglicher Miyazaki-Nachfolger gehandelten Hiromasa Yonebayashi feierte im ausverkauften Saal seine Deutschlandpremiere. Nach dem stilistisch mutigen „Ponyo“ markiert der Film eine Rückkehr zum klassichen und liebgewonnenen Ghibli-Animationsstil auf gewohnt hohem Niveau, und ist auch nach den etwas gesichtslosen „Chroniken von Erdsee“ von Goro Miyazaki ein echter Lichtblick für die Zukunft des Studios. Die Fans werden ihn lieben.

Sehr gespannt war ich auch auf die Komödie Permanent Nobara, das neue Werk von Daihachi Yoshida, der vor drei Jahren schon mit seinem schwarzhumorigen Familiendrama „Funuke: Show Some Love, You Losers!“ einen Achtungserfolg auf der Nippon Connection erzielen konnte. Permanent Nobara erzählt von der alleinerziehenden Mutter Naoko, die mit ihrer Mutter, Inhaberin des örtlichen Friseursalons, in einem abgeschiedenen Küstendorf lebt. Mit scharfem satirischen Blick schildert Yoshida die Gefühlswelt der Frauen im Dorf und ihre Liebschaften, Affären und unerfüllten Sehnsüchte, ohne dabei jemals seinen heiteren Ton zu verlieren oder ins Melodramatische abzudriften. Mit einer gekonnten Wendung hin zu einem ziemlich bitteren Ende brennt sich der Film in’s Gedächtnis. Sauber!

Zum Ende gab es dann eine Präsentation des auf experimentelle Independent-Animation spezialisierten DVD-Labels CALF. Wie das halt immer so ist mit Kurzfilmpräsentationen bleibt vieles dem persönlichen Geschmack des Betrachters überlassen, aber zwischen sehr krudem Expreimentalzeugs und eher humorig-unterhaltsamen Beiträgen wird wohl für jeden was dabei gewesen sein. Die Grenzen des erträglichen sprengte leider die dem schwülen Klima geschuldete Raumtemperatur und veranlasste viele Zuschauer, die Vorstellung vorzeitig zu verlassen.

Besondere Erwähnung verdient auch noch die traditionelle (und das heißt: Männliche) Cheerleadertruppe Gamushara Oendan, die unermüdlich über das Gelände tobte und wohl jedem Anwesenden, gemäß ihrem Motto „Let us cheer you up!“ mindestens mal ein breites Grinsen entlockte.

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