Kill (Kiru)

IMDB/OFDB

Japan, 2008

Regie: Kenta Fukasaku, Mamoru Oshii, Minoru Tahara, Takanori Tsujimoto

Ok, wir steigen ein mit dem bescheuertesten und zusammenhanglosesten Opening das ich seit langem gesehen hab. Und irgendwie bin ich den Machern fast schon dankbar dafür, dass sie durch diese lauwarme CGI-Brühe mit leichtbekleideten Kämpferinnen und Drachen in langweiliger Videospiel-Optik meine Erwartungen schon in den Keller gehen ließen, bevor der Film überhaupt richtig angefangen hatte. So war ich zumindest angemessen vorbereitet auf das, was folgen sollte.

Der erste Beitrag heißt Kilico und stammt von Takanori Tsujimoto, der zuletzt den deutschen Videomarkt mit seinem grausam langweiligen Chanbara-Stinker „Hard Revenge Milly“ geentert hat. Und in die gleiche Kerbe schlägt jetzt auch „Kilico“. Erzählt wird mal wieder eine typische Geschichte der harmlosen Büroangestellten Kilina, deren kleine Schwester Kilico von gaaanz bööösen Gangstern gekidnapt wird. Also schnappt sie sich ein Schwert und geht sie befreien, wobei natürlich beide draufgehen. Ein findiger Frankenstein-Arzt implantiert das Gehirn von Kilina (Schwertstich, klar.) in den Körper von Kilico (Kopfschuss, logisch.) und die neu geschaffene Hybridbraut geht nochmal auf Rachefeldzug.

Naja, wer auf diese Art von überdrehtem und klischeehaftem Videotrash ohne besondere Überraschungen steht, könnte daran Spaß haben. Mich hat’s einfach nur gelangweilt, vermutlich braucht man auch erst die besagte Hirntransplantation oder einen akuten Fall von Sauerstoffmangel, um sowas genießen zu können.
(Wertung: 2/10)

Der zweite Beitrag, Kodomo Zamurai, ist dann eine kleine Überraschung. In der Optik eines alten Stummfilms, inklusive einer spaßigen Benshi-Erzählstimme aus dem Off, aber in einem modernen Setting angesiedelt, wird eine ganz ähnliche Story erzählt, diesmal halt in einer etwas originelleren Form. Der vielleicht zehnjährige Samuraisohn Ryutaro Tsukue zieht mit seiner Familie um und sieht sich in seiner neuen Schule mit den üblichen gruppendynamischen Prozessen konfrontiert, Kinder sind in Wahrheit nunmal oft ziemliche Arschlöcher. Seinem verstorbenen Vater hat er einmal einen Schwur abgelegt, niemals sein Schwert zu benutzen, das er jeden Tag artig mit zur Schule trägt. Im Kampf für die Gerechtigkeit erträgt er allerlei Schmähungen, um seine Mitschüler vor den launen der Rüpel auf dem Schulhof zu beschützen. Als diese letztendlich seine Schwester kidnappen, platzt dem kleinen Harry Potter-Verschnitt dann doch der Kragen und es kommt zum blutigen Showdown.
Kenta Fukasaku, der bisher nie aus dem übergroßen Schatten seines Vaters herauszutreten und auf  Spielfilmlänge zu überzeugen vermochte, liefert hier mal locker den besten (und überhaupt den einzigen sehenswerten) Beitrag zu „Kill“ ab und lässt endlich mal was von seinem durchaus vorhandenen Talent durchscheinen. Sein Kurzfilm ist originell, witzig und handwerklich mehr als solide. Im Kontext der anderen Beiträge wirkt er leider ein bisschen wie ein funkelnder Diamant in einem riesigen Berg von Scheiße.
(Wertung: 7/10)

Auf Zan-Gun vom mir gänzlich unbekannten Minoru Tahara trifft eigentlich so ziemlich alles zu, was ich schon über „Kilico“ gesagt habe. Diesmal gibt es ein wenig halbgare Mythologie dazu, über ein Schwert dass von seinen Trägern Besitz ergreift und sie zu blutrünstigen Mördern macht, und einem Dolch, vom gleichen Schmied erschaffen, der das unheilvolle Schwert wieder vernichten soll. Nach einem langen Schlaf also, erwacht das Schwert wieder zum Leben und ergreift Besitz von einem Soldaten, mit dessen Gewehr es dann verschmilzt und eine noch tödlichere Waffe formt. Etwa ein Jahrhundert lang wüten das Schwert und sein Träger so vor sich hin, bis ein Mitglied einer nicht weiter beschriebenen Spezialeinheit den sagenumwobenen Dolch findet und mit seiner Pistole vereint. Eine letzte Chance, das unheilvolle Schwert und seinen Fluch auszulöschen.
In einem Wort: Quark! Aber nicht ganz so öde wie „Kilico“, daher gibt’s noch ’nen Gnadenpunkt dazu.
(Wertung: 3/10)

Traurig aber wahr: Der ach so große Mamoru Oshii setzt mit „Assault Girl 2“ leider noch ein kleines Häufchen drauf auf den bereits erwähnten Berg aus stinkenden Stoffwechselendprodukten. Genau die Art von Tretmine, angesichts derer unentspannte Zeitgenossen mittleren Alters sich zum Besitzer des verursachenden Kläffers umdrehen und sagen würden: „Das nehmen sie aber bitte wieder mit!“. Aaalso… (da kommt AA drin vor, hihi) Man nehme ein stark farbgefiltertes Kornfeld als schauplatz, eine mit Blick auf alle Otaku-Fetische gestylte Kriegerin, einen Panzer, eine düster dreinblickende Wiedersacherin und irgendeinen quatsch mit Engeln oder so… Dann lasse man zehn Minuten nix nennenswertes passieren, spule den Showdown unmotiviert in gefühlten 30 Sekunden runter, füge noch etwas austauschbares Ethno-Geschwurbel als Soundtrack hinzu und streue ein zusammenhangloses Bibelzitat ein, um dem ganzen noch einen mysthischen Anschein zu geben. Fertig ist er: ein Film zum abgewöhnen.
(Wertung: 2/10)

Fazit: Sollte das Teil irgendwann mal in der Videothek eures Vertrauens auftauchen (was ich fast für wahrscheinlich halte, denn so einen Müll veröffentlicht eigentlich immer irgendwer), leiht ihn euch mal aus wegen „Kodomo Zamurai“, den Rest könnt ihr euch sparen ohne das nervige Gefühl, irgendwas verpasst zu haben.

Gesamtwertung: 4/10

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