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Toad’s Oil (Gama no abura)

IMDB/OFDB

Japan, 2009

Regie: Kôji Yakusho

Takuro Yazawa zockt mit seinem Vermögen als wäre das alles nur ein lustiges Spiel und als wäre sein eigener Kontostand einfach eine Art Highscore die es zu knacken gilt. Die Börse ist seine Spielwiese, auf der er sich mit geradezu kindlicher Naivität austobt und alles andere um sich herum vergisst. Wenn alles in die Hose geht, fängt er halt wieder von vorne an. Sein kompromissloses Weltbild, das Leben als ein einziges Spiel zu betrachten, gerät aus den Fugen als sein Sohn Takuya, auf dem Weg um seinen alten Freund Saburo aus dem Knast abzuholen, von einem LKW angefahren wird und in ein Koma fällt. Währenddessen zieht der mittellose aber um ein redliches Leben bemühte Saburo bei den Yazawas ein und in ihm und Takuro knallen zwei radikale Gegensätze aufeinander. Während Saburo versucht, wieder festen Boden unter die Füße zu kriegen, nimmt Takuro die Anrufe von Takuyas schräger Freundin an und gibt sich als sein Sohn aus; in den verlogenen Gesprächen mit der entrückten Hikari findet er eine neue Spielwiese. Bald darauf stirbt Takuya. Takuro verkauft daraufhin sein Anwesen, erwirbt ein Wohnmobil und begibt sich zusammen mit Saburo auf eine ausgedehnte Sinnsuche, die immer unwirklicher wird und in seine eigene Vergangenheit zu führen scheint.

Kôji Yakusho wird den meisten an Japanischen Filmen interessierten schon als Schauspieler ein Begriff sein, unter anderem als das prägende Gesicht zahlreicher Kiyoshi Kurosawa-Streifen. Mit „Toad’s Oil“ legt er hier sein Regiedebut vor, und er hat sich da so einiges vorgenommen. Für meinen Geschmack ein bisschen zu viel, denn so interessant und ambitioniert das ganze auf den ersten Blick auch wirkt, wollen sich die einzelnen Elemente hier nicht so recht zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammenfügen. Der ganze Film wirkt eher unentschlossen, mag sich nicht entscheiden, ob er jetzt auf Zwerchfell oder Tränendrüse abzielen möchte. Durchaus interessante Charaktere wie Takuros Frau werden aufwändig eingeführt und spielen dann im weiteren Verlauf des Filmes keine wesentliche Rolle mehr und auch Saburos Charakter bleibt eher blass. Die Laufzeit von über zwei Stunden tut ihr übriges dazu, dass die Story immer mehr in alle Richtungen ausfranst und den Zuschauer etwas ratlos zurücklässt.

Auf der Habenseite wäre dann der sympathisch lockere Erzählstil, der auf jegliches Pathos verzichtet, und die im laufe des Filmes immer märchenhafter anmutenden (aber teilweise auch etwas willkürlich eingeworfen wirkenden) Anekdoten auf dem Weg der beiden seltsamen Pilgerreisenden zu erwähnen. Am Ende bleibt ein halbwegs interessantes Regiedebut, von dem ich mir etwas mehr versprochen hätte. Nicht dass ich mich total gelangweilt hätte, der Film wusste durchaus zu unterhalten. Aber die wirre Handlung, die überdrehten Charktere, die zu ausufernde Inszenierung und die allgemeine Richtungslosigkeit des Films hinterlassen einen mehr gewollten als gekonnten Eindruck.

Hm… und was fällt mir da noch so spontan zu dem Motiv „Mit dem (Wohn-)Bus auf Sinnsuche“ ein? Klar, „Eureka“ von Shinji Aoyama. Und ratet mal, wer da die Hauptrolle spielt? Genau! Schuster, bleib bei deinen Leisten…

Wertung: (6/10)

Comments 1

  1. Du bestätigst mir mit Deiner Kritik meine Erwartungen… leider. Aber ich werde wohl als Koji Yakusho-Fan nicht um den Film herumkommen.
    Schöne Texte auf dieser Seite, übrigens. 🙂 Wir haben, glaube ich, einen ganz ähnlichen Filmgeschmack.

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