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Japan, 2007

Regie: Kazu­yo­shi Kuma­kiri

In einem dys­to­pi­schen Japan wurde ein Gesetz zur lega­len Durch­füh­rung von Rache­mor­den erlas­sen. Die Opfer von Ver­bre­chern sol­len so ihren Rache­durst stil­len kön­nen und machen davon auch regen Gebrauch. Zu die­sem Zweck wer­den die Ver­ur­teil­ten an einen vor­her von der Rache­be­hörde bestimm­ten Ort gebracht, wo dann drei von der Behörde ange­heu­erte Berufs­kil­ler jagt auf sie machen. Die gejag­ten haben das Recht ihrer­seits einen Body­guard anzu­heu­ern, um viel­leicht doch noch lebend davon­zu­kom­men.

Freesia: Bullet Over Tears (Furîjia)

Einer der besag­ten Kil­ler ist Hiro­shi Kanou. Vor 15 Jah­ren über­lebte er als jugend­li­cher Sol­dat den Test­ab­wurf einer Gefrier­bombe, bei dem er und 30 Kriegs­wai­sen als Ver­suchs­ka­nin­chen ein­ge­setzt wur­den. Seit­dem ist sein Kör­per gefühlstaub und auch emo­tio­nal ist Hiro­shi ein ein­zi­ger Eis­zap­fen. Auch seine Vor­ge­setzte, Mariko Higu­chi, ist eine über­le­bende des Expe­ri­ments, und als sich durch ihren Job die Gele­gen­heit ergibt, die Draht­zie­her von damals kalt zu machen, zögern sie nicht lange.

Freesia: Bullet Over Tears (Furîjia)

Auch wenn diese Man­gaver­fil­mung (deren Vor­lage mir gänz­lich unbakannt ist) meine Erwar­tun­gen nicht ganz erfüllt, muss ich das bis­he­rige Schaf­fen des Regis­seurs Kazu­yo­shi Kuma­kiri mal genauer unter die Lupe neh­men, denn was er hier mit den typisch ein­fa­chen Mit­teln einer Inde­pen­dent­pro­duk­tion auf­fährt ist auf der visu­el­len Ebene ein­fach mal mit­rei­ßend. Was die Story angeht, da liegt lei­der der Hund begra­ben. Offern­bar ver­sucht sich der Film als düs­te­res Gesell­schafts­por­trait und Cha­rak­ter­stu­die, doch funk­tio­nie­ren will das nur bedingt. Er gibt dafür zu wenig Hin­ter­gründe. Die gro­ben Fak­ten wer­den dem Zuschauer am Anfang kurz ver­kli­ckert, die Aus­wüchse und gesell­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen die sich dar­aus erge­ben wer­den aber nicht wei­ter beleuch­tet. Auch die Cha­rak­ter­zeich­nung ist eher flach. Die drei Kil­ler sind eher comic­hafte Kli­schee­fi­gu­ren aus der fil­mi­schen Mot­ten­kiste und auch die bei­den Haupt­cha­rak­tere bekom­men gerade mal genug Hin­ter­grund ver­passt, um ihr Han­deln mehr schlecht als recht nach­voll­zieh­bar zu machen. Auch sie blei­ben blasse Spiel­fi­gu­ren im Script.

Freesia: Bullet Over Tears (Furîjia)

Als Action­film funk­tio­niert das ganze dann schon deut­lich bes­ser. Mit einer eher lang­sa­men Hand­lung aus­ge­stat­tet, die sich dann regel­mä­ßig in plötz­li­chen und nicht gerade zim­per­lich insze­nier­ten Gewalt­aus­brü­chen ent­lädt, erin­nert das sehr an ältere Werke von Taka­shi Miike, ver­edelt mit dem über­bor­den­den Stil­be­wusst­sein eines Ryûhei Kitamura – auf Valium. Beson­ders bleibt mir eine Szene in Erin­ne­rung, in der Hiro­shi in einem Restau­rant sitzt und wie immer das Essen bestellt, das er in sei­ner Erin­ne­rung ein­mal mochte, als er noch einen Geschmacks­sinn besaß. Wäh­rend er in aller See­len­ruhe so dasitzt zieht drau­ßen ein Demons­tra­ti­ons­zug vor­bei und ein äüßerst bru­ta­ler Tumult bricht aus mit Trä­nen­gas, prü­geln­den Poli­zis­ten und allem was sonst noch so dazu­ge­hört. Hiro­shi lässt das völ­lig kalt. Er lebt längst in sei­ner ganz eige­nen Welt in der die Pro­bleme und Schmer­zen der Men­schen ihn genau­so­we­nig berüh­ren, wie seine eige­nen. Wenn mal der ganze Film so ein­dring­lich funk­tio­nie­ren würde…

Wer­tung: 7/​10